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Nahost/Nordafrika

Südsudan: Neue Verantwortung für die Medien

Der Südsudan wird unabhängig. Die Bevölkerung hat für die Abspaltung vom Norden des Landes gestimmt. Die Medien fordern jetzt mehr Freiheit – und mehr Verantwortung. Die DW Akademie wird sie dabei unterstützen.

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Rund 3,8 Millionen Südsudanesen haben sich in einem Unabhängigkeitsreferendum zwischen dem 9. und 15. Januar 2011 für die Abspaltung des Südens vom Sudan ausgesprochen. Das sind nahezu 98,8 Prozent aller Wahlberechtigten. Am 9. Juli 2011 soll die Trennung vollzogen werden.

01.2011 DW-AKADEMIE Medienentwicklung Nah-/Mittelost Suedsudan Interview Radiodirektor 98FM James Magok Chilim

James Magok Chilim, Radiodirektor 98FM

James Magok Chilim, Radiodirektor 98FM Im Zuge der bevorstehenden Unabhängigkeit fordern die Journalisten des Südens mehr Freiheiten und ein Mediengesetz. Südsudans Regierung hat in der Vergangenheit immer wieder versucht, Journalisten einzuschüchtern und die Berichterstattung zu beeinflussen. Dennoch gelang es Medienvertretern in der angespannten Situation vor dem Referendum eine konstruktive Rolle zu spielen: "Die Medien haben die Menschen für das Referendum sensibilisiert", beschreibt James Magok Chilim, Direktor von Radio 98FM im südsudanesischen Rumbek. Der Partner der DW Akademie lobt seine Kollegen dafür, dass sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten versucht hätten, alle Seiten zu Wort kommen zu lassen: die Befürworter der Unabhängigkeit und die Gegner.

Das Referendum war bereits im 2005 geschlossenen Friedensabkommen zwischen dem Norden und Süden vereinbart worden. Nach 21 Jahren Bürgerkrieg und mehr als zwei Millionen Toten wird die ehemals autonome Region jetzt zum 54. Staat Afrikas.

"Die Journalisten werden eine Watchdog-Funktion übernehmen"

Im neuen Staat soll den Medien eine wichtige Funktion zukommen. Chilim geht davon aus, dass sie helfen werden, "die kriegerische Mentalität, die die Südsudanesen wie eine Art Kultur angenommen haben, zu ändern und zu transformieren". Außerdem würden die Medien das Bindeglied zwischen der Bevölkerung und der Regierung sein. Die Journalisten, hofft Chilim, "werden eine Watchdog-Funktion übernehmen und für Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit und Entwicklung eintreten".

Karte Sudan Südsudan deutsch

Die DW Akademie hat seit 2006 im Südsudan Trainings für Journalisten, Medienmacher und lokale Politiker im Bereich der politischen Berichterstattung, Kommunikation und Konfliktprävention angeboten. Und auch in Zukunft wird sie die Medienmacher der Region unterstützen: Vor allem in den Provinzen soll die Lokalberichterstattung professionalisiert und ausgebaut sowie ein Netzwerk etabliert werden, das die isolierten Sender miteinander verbindet.

Die Probleme des neuen Staates sind immens: Nach wie vor sind die religiösen und ethnische Spannungen nicht gelöst. Rund zwei Millionen Binnenflüchtlinge müssen in Zukunft integriert und die Infrastruktur maßgeblich verbessert werden: Der Südsudan ist rund siebenmal größer als die Bundesrepublik Deutschland, verfügt aber bislang über weniger als hundert Kilometer Asphaltstraßen.

Nach wie vor offen: der Grenzverlauf durch ein rohstoffreiches Gebiet

Sudan Radio für den Frieden Radio Bakhita

Die Medien werden jetzt verstärkt über den Aufbau des neuen Staates berichten, so Chilim: "Die wichtigsten Themen werden sein, wie sich der Südsudan als Staat konstituiert und wie er die Sicherheit für seine Bürger und Investoren gewährleistet. In unserem Sender, Radio 98FM, wird in Zukunft fast täglich über Bildung und Gesundheit berichtet werden. Das Thema Krieg wird abgelöst durch die Themen Entwicklung, Demokratie, Menschrechte, Bildung und Ökonomie."

Am wichtigsten dürfte aber das Verhältnis zum Norden sein. Der sudanesische Präsident Omar al Baschir hat angekündigt, das Abstimmungsergebnis zu respektieren. Allerdings könnte der Grenzverlauf für neuerliche Konflikte sorgen: Im Südsudan existieren große Erdölvorkommen, aber nur der Norden des Landes verfügt über Raffinerien, Pipelines und den für den Weitertransport nötigen Zugang zum Meer.
"Ich hoffe, dass es Frieden und Stabilität zwischen dem Norden und Süden geben wird. Schließlich teilen wir uns eine lange Grenze und werden Nachbarn bleiben", so Chilim. "Ich denke, unser Verhältnis wird sich verändern: Der Norden wird vom Ölreichtum des Südens profitieren wollen und der Süden von den etablierten Wirtschaftsstrukturen des Nordens."