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Afrika

Südsudan: Das Referendum und die Medien

Der Südsudan hat in einem Referendum über eine mögliche Unabhängigkeit vom Norden des Landes abgestimmt. James Magok Chilim, Direktor von Radio 98FM im Südsudan und Partner der DW Akademie über die Rolle der Medien.

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James Magok Chilim, Radiodirektor 98FM

Ethnische, religiöse und wirtschaftliche Interessen prallen im Sudan immer wieder aufeinander. Es wird befürchtet, dass es nach der Abstimmung zu einem neuerlichen Aufflammen des Bürgerkrieges kommen könnte. Denn viele Fragen in Bezug auf eine mögliche Unabhängigkeit des Südens sind noch ungeklärt. So könnten der Grenzverlauf, aber auch der Handel mit Rohstoffen für neuerliche Konflikte sorgen: Im Südsudan existieren große Erdölvorkommen, aber nur der Norden des Landes verfügt über Raffinerien, Pipelines und den für den Weitertransport nötigen Zugang zum Meer.

Den Medien kommt in dieser aufgeheizten Situation eine Schlüsselrolle zu. Die DW Akademie hat seit 2006 im Südsudan Trainings für Journalisten, Medienmacher und lokale Politiker im Bereich der politischen Berichterstattung, Kommunikation und Konfliktprävention angeboten.


Welche Rolle haben die Medien in der angespannten Situation vor dem Referendum gespielt?
Die Medien haben die Menschen für das Referendum sensibilisiert. Sie haben über den Registrierungsprozess informiert und über Wahlkampfveranstaltungen berichtet, fair und ausgewogen. Die Medien haben im Rahmen ihrer Möglichkeiten versucht, alle Seiten zu Wort kommen zu lassen: die Gegner und die Befürworter der Unabhängigkeit. Tatsächlich aber spricht hier niemand über die Einheit und auch in den internationalen Medien wird das Thema nicht sonderlich diskutiert.

Im Sudan im Allgemeinen und im Südsudan im ganz Speziellen haben die Medien bereits 2005 eine große Rolle gespielt, als das südsudanesische People's Liberation Movement und die Regierung das Friedensabkommen unterzeichneten. Die Journalisten haben die Menschen mit Informationen versorgt und ein Bewusstsein dafür geschaffen, wie wichtig Frieden ist.


Welche Rolle werden die Medien in einem unabhängigen Südsudan spielen?
Sie werden helfen, die kriegerische Mentalität, die die Südsudanesen wie eine Art Kultur angenommen haben, zu ändern und zu transformieren. Außerdem werden die Medien das Bindeglied zwischen der Bevölkerung und der Regierung sein. Sie werden zum Anwalt für Menschenrechte und Demokratie und so dafür sorgen, dass der Südsudan ein demokratischer afrikanischer Staat werden kann. Darüber hinaus werden die Medien eine Watchdog-Funktion übernehmen und für Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit und Entwicklung eintreten.


Was werden in naher Zukunft die wichtigsten Themen im Südsudan sein, über die die Medien berichten?
Die wichtigsten Themen werden sein, wie sich der Südsudan als Staat konstituiert und wie er die Sicherheit für seine Bürger und Investoren gewährleistet. In unserem Sender wird in Zukunft fast täglich über Bildung und Gesundheit berichtet werden. Das Thema Krieg wird abgelöst durch die Themen Entwicklung, Demokratie, Menschrechte, Bildung und Ökonomie.


Was sind Ihre Hoffnungen für die Zeit nach dem Referendum?
Ich hoffe, dass der Süden seine Rohstoffvorkommen so nutzen wird, dass sie dem gesamten Volk zugute kommen, und dass mit der Demokratisierung die Menschen sowohl im Norden als auch im Süden ihren Regierungen vertrauen werden. Ich hoffe zudem, dass es Frieden und Stabilität zwischen dem Norden und Süden geben wird, schließlich teilen wir uns eine lange Grenze und werden Nachbarn bleiben. Ich denke unser Verhältnis wird sich verändern: Der Norden wird vom Süden in Sachen Öl profitieren wollen und der Süden vom Norden in Sachen Wirtschaftsstrukturen.