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Fokus Osteuropa

Südosteuropa weiterhin von Brain Drain bedroht

Eine Studie der OECD nennt aktuelle Zahlen für die Länder Südosteuropas: Bis zu einem Drittel aller Hochschulabsolventen verlassen ihre Heimat. Eine Umkehr der Verhältnisse wird nur schwer zu erreichen sein.

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Wohin nach dem erfolgreichen Abschluss?

In der Regel versuche die gebildetste und aktivste Bevölkerung der untersuchten Länder (Albanien, Bulgarien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Rumänien) ihr Glück im Ausland, sagt Marijana Grandits vom Stabilitätspakt Südosteuropa. Für die Länder Südosteuropas stellt ihr zufolge der so genannte Brain Drain einen großen Verlust dar: „In diese Leute wurde investiert, sie wurden ausgebildet und dann gehen sie. Häufig sind es junge und ehrgeizige Menschen, die immer und für jede Gesellschaft von besonderem Wert sind, weil sie für den Aufbau neuer Strukturen erforderlich sind und wozu sie viel beitragen können.“

Höheres Einkommen und mehr Möglichkeiten

Gründe, die Heimat zu verlassen gibt es viele. Einerseits lockt das höhere Einkommen in den alten EU-Ländern. Zudem haben hochbegabte Wissenschaftler in ihren Ländern praktisch keine Chance auf eine Karriere. Bulgarien stelle für die Forschung nur 0,5 Prozent des Bruttosozialprodukts zur Verfügung, sagt Nikolina Sretenova von der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften: „Ich möchte gar nicht erst einen Vergleich mit den alten EU-Mitgliedern oder den USA anstellen, sondern mich nur unter den postkommunistischen neuen EU-Mitglieder. Darunter ist Slowenien führend vor Tschechien und Ungarn. Im Vergleich verfügt Bulgarien über ein Zehntel der Mittel, die Slowenien hat oder einem Sechstel von Tschechien. Von den Gehältern ganz zu schweigen.“

Warum zurückkehren?

Ohne Finanzmittel und Investitionen in die Wissenschaft können junge Wissenschaftler in ihrem Land nicht mit ihren Kollegen im Ausland konkurrieren. Das heißt, es zieht sie dort hin, wo die Voraussetzungen für die Forschung am besten sind. Ein weiterer Grund dafür, dass der Verbleib im eigenen Land nicht attraktiv erscheint, seien auch die allgemeinen Lebensbedingungen, sagt Gejsi Plaku, Mitbegründerin eines Netzwerks albanischer Studenten im Ausland. Gegen die Rückkehr spreche vieles: „Die politische, soziale und wirtschaftliche Lage sprechen gegen eine Rückkehr, weil die immer noch nicht so ist, wie wir es gern hätten. Der Durchschnittslohn in Albanien beträgt 200 Euro, ein Universitätsprofessor 400, was bedeutend weniger ist als in Westeuropa.“

Perspektiven im eigenen Land

Die Mobilität der Studenten und jungen Wissenschaftler müsse nicht zwangsläufig nur negativ sein, meint Marijana Grandits vom Südosteuropa-Stabilitätspakt. Wenn sich Brain Drain in „Circulation of Brains“ umwandelte, dann könnten junge Leute ihre Erfahrungen aus dem Ausland in ihrem Land investieren. Dafür müssten sie aber dort eine Perspektive sehen und erkennen. „Was wird unter Perspektiven verstanden? Einerseits die politische und andererseits die wirtschaftliche und gesellschaftliche. Es sind da enorme Anstrengungen erforderlich, von Seiten der einzelnen Regierungen und der Europäischen Kommission, der Nachbarstaaten, des Paktes für Südosteuropa, um entsprechende Strukturen zu schaffen. Damit hätte schon vorgestern begonnen werden müssen, weil wir alle wissen, dass wir frühesten in zehn Jahren Ergebnisse erhalten werden.“

Alen Legovic, Brüssel

DW-RADIO/Kroatisch, 5.2.2007, Fokus Ost-Südost

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