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Fokus Osteuropa

Südosteuropa: Erneuerbare Energien als Chance

Energieexperten aus zahlreichen Ländern haben in Ljubljana über die Erfolgsaussichten erneuerbarer Ressourcen in Südosteuropa beraten. Neue Perspektiven ergeben sich insbesondere für die Landwirtschaft.

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Demnächst mehr Rapsfelder?

Die verstärkte Produktion von Bioenergie-Rohstoffen könnte der Landwirtschaft in der Region völlig neue Perspektiven eröffnen. Dies ist nur eine Erkenntnis der internationalen Konferenz über die Entwicklungsaussichten auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien in Mittel- und Südosteuropa, die am vergangenen Wochenende mit der Verabschiedung der so genannten Ljubljana-Erklärung in der slowenischen Hauptstadt zu Ende ging. Am zweitägigen Treffen, das vom Düsseldorfer Institut für europäische Angelegenheiten veranstaltet wurde, nahmen knapp hundert hohe politische, wirtschaftliche und wissenschaftliche Vertreter aus Albanien, Bulgarien, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Serbien, Slowenien sowie einer Reihe anderer Länder teil.

Geld für Forschung aus Brüssel

Erneuerbare Energie werde ein immer stärkeres Gewicht im Energiemix für Europa bekommen, um die Abhängigkeit von Importen - etwa von Gas aus Russland - zu verringern. Darin sind sich alle Konferenzteilnehmer einig. Die Forschung und die Anwendung der Bioenergie wie zum Beispiel Biomasse, Biodiesel und Bioethanol müssten deshalb stärker als bisher vorangetrieben und umgesetzt werden. Die Konferenzteilnehmer begrüßten es, dass die Europäische Kommission die stärksten Finanzressourcen für die Forschung einsetzt und dabei einen deutlichen Akzent auf die erneuerbaren Energien legt - unter besonderer Berücksichtigung von Südosteuropa.

Boom für Bioberufe als Nebenprodukt

Vor allem geht es aber um die Zukunft der Landwirtschaft. Denn sie braucht Unterstützung bei der Umstellung von bislang stark traditionell ausgerichteten Ernährungslandwirtschaft auf die Rolle der Energielandwirtschaft, also die des Lieferanten von Bioenergie-Rohstoffen wie Raps oder Soja. Dabei werden sich für sie völlig neue Perspektiven und Chancen eröffnen, meint Professor Jürgen Gramke, Leiter des Instituts für europäische Angelegenheiten in Düsseldorf: "Mit dem Ruf nach Bioenergie wird es möglich, der Landwirtschaft eine Bedeutung zurückzugeben und ihre Betreiber davon zu befreien, ausschließlich auf subventioniertes Einkommen angewiesen zu sein. Dann wird auch von Bauernhöfen, von Kleinkraftwerken und Bioraffinerien auf dem Lande eine Nachfrage nach Arbeitern und qualifizierten Fachkräften wie Bioingenieuren, Betriebswirten und Anlagetechnikern ausgehen."

Neues Bewusstsein

Das Treffen von Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Ljubljana wurde allgemein als ein erster Schritt in einem Prozess zur Schaffung eines neuen Bewusstseins des Energieangebotes gesehen. Und dies ist auch dringend erforderlich, wenn man den großen Unterschied zwischen den potenziellen und tatsächlich genutzten Möglichkeiten bedenkt, wie die Konferenzteilnehmer aus Südosteuropa oft berichteten. "Die erneuerbaren Quellen sind derzeit mit nur einem Prozent im Energiemix unserer Region vertreten. Es bestehen jedoch reale Chancen auf eine Erhöhung dieses Anteils auf 20 Prozent bis zum Jahr 2014", meint zum Beispiel der stellvertretende Regierungschef der serbischen autonomen Provinz Vojvodina, Tihomir Simic.

Ungenutztes Potenzial

Dabei verfügt dieses Gebiet mit insgesamt weit über eintausend Kilometern Fluss- und Kanalwegen nicht nur über das größte Wasserpotenzial in Südosteuropa, sondern auch über eine Ackerfläche von einer Viertelmillion Hektar. Um diese für den Anbau von Biopflanzen zu nutzen, ist - neben der staatlichen Finanzförderung - zunächst auch die Schulung von Bauern erforderlich, fügt Simic hinzu. Eine ähnliche Bilanz zog auch der Berater des rumänischen Ministers für Land- und Forstwirtschaft, Nikolai Craciun: "Derzeit werden zwei Millionen Hektar Land zum Anbau von Biomasse verwendet. Daraus gewinnt Rumänien drei Prozent seines gesamten Energiebedarfes. Ziel ist ein Anteil von zehn Prozent in zehn Jahren", so der rumänische Vertreter. Zudem soll das Land von mehreren Großinvestitionen in die Nutzung von Sonnen- und Windenergie an der Küste des Schwarzen Meeres, im Karpaten-Gebirge und dem Donau-Delta profitieren.

Biokraftstoff als Exportschlager?

Mazedonien hingegen kann auf eine jahrzehntelange Tradition der Energienutzung aus Heißwasserquellen - etwa zur Heizung von Treibhäusern - zurückblicken. Die Regierung in Skopje fördert den Anbau von Biopflanzen, und im Land entstehen oder sind drei Anlagen in der Planung, die den Biokraftstoff herstellen sollen - nicht nur für den heimischen Gebrauch, weiß der Staatssekretär im Ministerium für Land-, Forst- und Wasserwirtschaft, Sasa Mitrev:

"Die jährliche Gesamtproduktion von 100.000 Tonnen wird den Eigenbedarf Mazedoniens an Biokraftstoff für die fünfprozentige Beimischung zum Diesel demnächst um das fünf- bis siebenfach übersteigen. Dieser Wirtschaftszweig wird somit zu einem Exportstandbein Mazedoniens."

Diesem Beispiel könnten bald auch andere Länder der Region folgen, deren Vertreter auf der Konferenz in Ljubljana sich ausführlich über die Chancen, technische Möglichkeiten, Finanzierung und zahlreiche andere Aspekte der Bioenergie-Nutzung ausgetauscht haben. Für das kommende Jahr ist eine Fortsetzung des Treffens bzw. eine Ergänzung um die Themenfelder Sonnenenergie, Wasserkraft, Windkraft und Erdwärme vorgesehen.

Goran Goic, zurzeit Ljubljana
DW-RADIO/Kroatisch, 11.11.2006, Fokus Ost-Südost

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