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Asien

Südostasien im Visier des IS

Seit einem Jahr wütet die Terrormiliz IS in Syrien und im Irak. Mit einer ausgefeilten Medienstrategie werden auf der ganzen Welt Kämpfer rekrutiert. Die Regierungen in Südostasien tun sich schwer, dagegen vorzugehen.

In der malaysischen Studentenstadt Bandar Baru Bangi gab es bis vor kurzem einen Terror-Fanshop. Angeboten wurden Flaggen des sogenannten Islamischen Staates, schwarze T-Shirts mit Kalaschnikow-Aufdruck und IS Schriftzug sowie Al-Kaida- Souvenirs. Die Waren würden in Indonesien hergestellt, sagte der Besitzer laut der Nachrichtenwebsite The Malaysian Insider. Erst nachdem die malaysische Presse über das Geschäft ausführlich berichtet hatte, entschlossen sich die Behörden im Januar 2015, es zu schließen.

Auf der jährlichen Sicherheitskonferenz Shangri La Dialog warnte der Singapurische Premierminister Lee Hsien Long in seiner Grundsatzrede vor den Gefahren des Terrorismus. "Südostasien ist für den IS eine Schlüsselregion für die Rekrutierung." Zurzeit sollen mehr als 500 Indonesier und mehrere Dutzend Malaysier in den Reihen der Terrormiliz kämpfen. Genug, um eine eigene Brigade, die "Kampfgruppe malaysischer Archipel", zu formieren. Die

Bedrohung durch den IS

müsse ernst genommen werden. Lee sagte: "Die Gefahr ist nicht weit weg, sie ist hier."

IS in Südostasien erfolgreich

Diese Ansicht vertritt auch der Südostasienexperte Felix Heiduk von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. "Die Propaganda des IS war erfolgreich, insofern es eine Reihe militant islamistischer Gruppierungen in Indonesien oder dem Süden der Philippinen gibt, die sich offen zum IS bekannt haben." Die Regierung in Jakarta habe das Problem erkannt und reagiert. Unterstützung und Bekenntnisse zum IS seien unter Strafe gestellt worden. Auch bei den

muslimischen Massenorganisationen

sei eine eindeutige Ablehnung des IS festzustellen, zumindest auf der Führungsebene. Nicht zuletzt ist sich Heiduk sicher: "Der größte Teil der indonesischen Bevölkerung lehnt die Verquickung von Islam und Gewalt bzw. Terrorismus vehement ab."

Das alles könne aber nicht verhindern, dass sich weiterhin kleine Teile der Gesellschaft radikalisieren. Heiduk betont: "Es geht um das Management dieses Problems. Radikale Strömungen wird man nicht ganz aus der Gesellschaft verbannen können. Da sind die Befunde der Terrorismusforschungen ziemlich eindeutig."

Kampagne gegen Radikalisierung

Um radikale Strömungen zu managen, hat die indonesische Regierung nach den Bombenanschlägen von Bali ein Deradikalisierungsprogramm ins Leben gerufen. Es richtet sich insbesondere an inhaftierte Islamisten. Die Strafverfolgungsbehörden versuchen, die Sorgen der Gefangenen ernst zu nehmen und etwa deren Familien zu unterstützen. Die Hoffnung: Die Radikalen würden so der Gewalt abschwören. Auch eine Auseinandersetzung über die Auslegung des Korans ist Teil des Programms.

Heiduk ist allerdings skeptisch, was den Erfolg des Deradikalisierungsprogramms betrifft. "Wenn man sich anschaut, wer aus Indonesien nach Syrien und in den Irak gereist ist, dann sind das extrem viele derjenigen, die zuvor die Deradikalisierungsprogramme durchlaufen haben."

Das Problem sei, dass sich die Programme auf die Straf- und Justizebene beschränken. Deswegen fehle es an einer Wirkung in die Gesellschaft "In Staaten wie Indonesien und Malaysia gibt es keine wirkliche Debatte und dementsprechend auch keinen Konsens in der Gesellschaft, was denn eigentlich islamischer Extremismus ist und wann die Warnlampen blinken sollten."

Malaysia fehlt Entschlusskraft

Brennende Autos nach dem Bombenanschlag in Bali

2002 kam es in Bali zu einem verheerenden Bombenanschlag mit mehr als 200 Toten

Im autoritär regierten Malaysia pries Premierminister Najib Razak auf einer Veranstaltung seiner Partei noch im Juni 2014 den Mut der Kämpfer des IS, was sein Sprecher dann mühsam wieder einfangen musste. Dominik Müller vom Forschungszentrum Globaler Islam in Frankfurt am Main sieht darin ein Zeichen, dass die malaysische Regierung den IS lange unterschätzt habe. Inzwischen sei das anders: "Politisch gibt es keine Unterstützung für den IS."

Allerdings tue sich Malaysia schwerer mit einem entschiedenen Vorgehen gegen den IS, auch wenn es im Land ebenfalls eine Art Deradikalisungskampagne gibt. "Wenn ein Premierminister explizit Pluralismus und Liberalismus als unislamisch ablehnt, dann stellt sich die Frage, was Deradikalisierung dann bedeutet." Ein weiterer Grund: "Es gibt eine begrenzte ideologische Schnittmenge mit dem IS. Das steht einer effektiven Deradikalisierung entgegen." Müller denkt dabei vor allem an die Ablehnung der Schiiten. "In Teilen der malaiischen Bevölkerungen werden Schiiten als Unmenschen wahrgenommen und in den sozialen Medien diffamiert." Keine Schnittmenge, das betont Müller ausdrücklich, sehe er allerdings bei der Rechtfertigung von Gewalt.

Gesellschaftliche Auseinandersetzung notwendig

Wie Heiduk ist auch Müller der Ansicht, dass es an einem gesellschaftlichen Diskurs fehle. Seit die malaysische Regierung in den 80er Jahren Islamisierungskampagnen durchgeführt habe - und zwar ursprünglich, um radikale Kräfte einzubinden und zu kontrollieren - seien islamistische Ideen in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Die Experten sind sich einig, dass die Bekämpfung radikaler Strömungen nicht allein den

Straf- und Sicherheitsorganen

des jeweiligen Staates überlassen werden darf. Die Diskussion müsse von den Gefängnissen auf Moscheen, Märkte und bis in die Familien ausgeweitet werden.

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