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Wirtschaft

Südostasien: Eine Hand wäscht die andere

Das Gerücht geht um, es gäbe keinen erwachsenen Philippiner, der nicht schon einmal mit Bestechung und Bestechlichkeit zu tun gehabt hätte. Ähnlich geht es in Indonesien zu.

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Tief ist der Sumpf der Korruption auf den Philippinen

Die philippinische Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo bemühte nicht einmal die Statistik. "Wir wissen, wie gewaltig
das Problem in unserem Land ist", sagte sie erst vor wenigen Tagen auf einem Festakt der Anti-Korruptions-Behörde in Manila. Ein paar Pesos hier und da - schon stellen die Behörden keine bohrenden Fragen mehr, liegt die Geschäftslizenz ungewöhnlich flott im Briefkasten und gibt der Zoll am Flughafen teures elektronisches Gerät über Nacht frei.

Indonesien - "Spitzenreiter" in Asien

Protest in Jakarta

Aufgebrachte Menschen protestieren gegen Korruption

Im benachbarten Indonesien soll es noch bei weitem schlimmer sein. Das Urteil einer in Hongkong ansässigen Ratingagentur für politische und wirtschaftliche Risiken hätte nicht vernichtender ausfallen können: Unter zwölf ausgewählten asiatischen Staaten gilt der südostasiatische Inselstaat als der korrupteste. Weltweit wird Indonesien nur noch von Uganda, Nigeria und Bangladesch übertroffen.

In Indonesien wird am heftigsten bei Zollkontrollen geschmiert. Jährlich sollen dadurch dem Staat ebenfalls mehr als drei Milliarden Euro entgehen. Firmen verlieren das Interesse am Markt, weil sie gegen billige Schmuggelware keine Chance haben.

Staatsgeld verschwindet auf nimmer Wiedersehen

Krawalle in Manila

Krawalle in Manila

Durch erkaufte Behördengunst werden die Volkswirtschaften in Indonesien und auf den Philippinen um gigantische Summen geprellt. So gingen dem Staatshaushalt der Philippinen jedes Jahr umgerechnet 3,4 Milliarden Euro verloren - ein Fünftel des Gesamtetats. Fast die Hälfte der Unternehmen meinen, es gebe keine einzige Regierungsbehörde, wo Korruption nicht vorkomme. Das zumindest hat das unabhängige Institut «Social Weather Stations» (SWS) im vorigen Jahr in einer Umfrage unter 505 philippinischen Firmen ermittelt.

Überlebenshilfe Korruption

"Die Geschichte Asiens seit dem Zweiten Weltkrieg ist wahrlich die Geschichte der Korruption", bilanziert der malaysische Soziologe Syed Hussein Alatas. In vielen Teilen Asiens kommen die Staatsdiener mit ihrem Gehalt keinen Monat lang über die Runden. Selbst im relativ reichen Südostasien reicht das Geld eines Beamten gerade einmal für zwei Wochen. "Was kann man von politischen Führungen erwarten, die über ein halbes Jahrhundert lang nicht in der Lage sind, zumindest die grundlegenden Bedürfnisse abzudecken?", fragt der Wissenschaftler in seinem Buch 'Korruption und das Schicksal Asiens'.

Vorbild Singapur

Entsprechend fordert Syed entschlossene Schritte der Regierungen. "Nicht das politische System oder der Zustand der Wirtschaft ist entscheidend im Kampf gegen die Korruption, sondern das Wesen der politischen Führung." Bestes Beispiel sei Singapur. Denn der tropische Stadtstaat gilt schon seit Jahrzehnten als praktisch korruptionsfrei. Ein eigens geschaffenes "Büro zur Untersuchung korrupter Praktiken" untersteht direkt dem Ministerpräsidenten.

Halbherzige Gegenmaßnahmen

Indonesien

Geld stinkt nicht

Hin und wieder gibt es publikumswirksame Paukenschläge gegen die Schmiergeldkultur in Manila oder Jakarta. Dabei bleiben auch die allerhöchsten politischen Ränge nicht verschont. Aber sie sind nicht sonderlich effizient. Während auf den Philippinen ein Korruptionsprozess gegen den gestürzten Präsidenten Joseph Estrada dahindümpelt, lässt öffentlicher Vorwurf in Indonesien die Mächtigen kalt: Trotz des Verdachts auf milliardenschwere Betrügereien blieben sowohl der Chef der Zentralbank wie auch Indonesiens Parlamentssprecher im Amt . (dpa/arn)

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