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Asien

Südostasien begeistert vom saudischen König

König Salman reist durch Südostasien. Seine ersten Stationen sind Malaysia und Indonesien. Wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen sollen vertieft werden. Kritische Stimmen sind kaum zu hören.

In ganz Indonesien hat der Besuch des saudischen Königs Begeisterung ausgelöst. In den Sozialen Medien war die Ankunft des Königs das dominierende Thema. Es ist die erste Reise eines saudischen Königs nach Indonesien seit 47 Jahren. Eine 1500-köpfige Delegation mit zehn Ministern, 25 Prinzen und 800 Delegierten begleitet den König. Er bleibt zwölf Tage in Indonesien, davon neun als Urlauber auf der tropischen Insel Bali. Zuvor war Salman in Malaysia. Dort war die Stimmung ähnlich euphorisch. Lokale Medien sprachen von einer "neueren Ära der bilateralen Beziehungen".

Wirtschaft und Religion

König Salman reist mit großem Geldkoffer. In Malaysia unterzeichnete der König einen Sieben-Milliarden-Dollar-Deal. Der staatliche Energiekonzern Aramco beteiligt sich am Bau einer malaysischen Ölraffinerie. Auch Indonesien erhofft sich Investitionen aus Saudi Arabien. In Jakarta sollen zehn Abkommen unterzeichnet werden, die neben der Wirtschaft auch die Beziehungen in Kultur, Religion und in der Bildung vertiefen sollen.

Der indonesische Kabinettssekretär Pramono Anung sagte im Vorfeld des Besuchs, dass Indonesien auf bis zu 25 Milliarden US-Dollar an Investitionen hoffe. "Die wirtschaftlichen Vorteile sind offensichtlich", sagt Politologin Saleena Saleem von der Rajaratnam School of International Studies in Singapur der Deutschen Welle. Die  Investitionen würden in Malaysia und Indonesien viele Jobs schaffen.

Saudi Arabien Salman bin Abdulaziz Al Saud in Malaysia mit Premierminister Razak (picture-alliance/abaca/AA/Saudi Kingdom Council/B. Algaloud)

König Salman in Gespräch mit Malaysias Premierminister Najib Razak

Auch für Saudi-Arabien sei die Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen mit Südostasien wichtig, sagt Elina Noor vom Institut für strategische und internationale Studien aus Malaysia. Der Verfall des Ölpreises in den letzten Jahren habe die Verwundbarkeit der saudischen Wirtschaft gezeigt, die stark vom Öl abhänge. "Saudi-Arabien muss seine Wirtschaft dringend diversifizieren", so Noor. Es setze dabei unter anderem auf die Vermarktung des Haddsch und der Omrah, also der großen beziehungsweise der kleinen islamischen Pilgerfahrt nach Mekka, dem zentralen Wallfahrtsort des Islams im Westen von Saudi-Arabien.

Während der Hadsch nur einmal im Jahr möglich ist, kann die kleine Pilgerfahrt Omrah jederzeit stattfinden. Aus Indonesien, dem Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt, kommen schon jedes Jahr mehr Pilger nach Saudi-Arabien als aus jedem anderen muslimischen Land. Indonesien hofft, dass König Salman das jährliche Kontingent Indonesiens für die Zahl der Pilger noch weiter erhöht.

Stärkung der sunnitischen Gemeinschaft

"Neben der Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen, geht es Saudi-Arabien aber auch um die Pflege der sozio-politischen Beziehungen mit den überwiegend sunnitischen südostasiatischen Ländern", erklärt Politologin Saleem. Das hänge mit der Verschärfung des Konflikts zwischen Sunniten und Schiiten im Nahen Osten zusammen, der sich in den Kriegen in Syrien und im Jemen, aber auch den wachsenden Spannungen zwischen dem mehrheitlich schiitischen Iran und Saudi-Arabien zeige. "Mit dem Besuch vor dem Hintergrund der wachsenden Rivalität zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, signalisiert Riad seine Verbundenheit mit den sunnitischen religiösen Führern in Südostasien." Der König trifft in Indonesien mit Geistlichen zusammen und besucht auch die größte Moschee in Südostasien. Es gehe darum, sich als Führer der sunnitischen Muslime zu positionieren, sagt Saleem.

Moschee Indonesien Jakarta (AP)

König Slaman wird die Istiqlal Moschee in Jakarta besuchen. Doch nicht alle sind vom religiösen Einfluss Saudi-Arabiens in Indonesien angetan.

Umgekehrt profitieren Politiker Südostasiens von dem Besuch des Königs, um ihre Beliebtheit zu steigern. Viele Muslime in Asien sehen in König Salman den Sachwalter und Beschützer der heiligen Stätten des Islam. "Ein gemeinsamer Auftritt mit ihm erhöht das religiöse Ansehen des politischen Führers." So veröffentlichte der durch einen Korruptionsskandal angeschlagene malaysische Premierminister Najib Razak ein Selfie mit dem saudischen König. Ebenso empfing Ahok, der christliche Gouverneur von Jakarta, König Salman neben Präsident Jokowi am Flughafen. Ahok kandidiert aktuell für den Posten des Gouverneurs und kämpft um jede Stimme. Die Stichwahl findet im April statt. Radikale Muslime wollen einen Christen als Gouverneur verhindern.

Kaum kritische Stimmen

Die wenigen kritischen Kommentare zum Besuch von König Salman gehen in der allgemeinen Begeisterung unter. Die Kritiker richten sich vor allen Dingen gegen die Vertiefung der kulturellen und religiösen Zusammenarbeit wie die geplante Eröffnung weiterer islamischer Schulen in Indonesien oder den Ausbau des Unterrichts der arabischen Sprache. Befürchtet wird die Verbreitung wahabitischer oder salafistischer Lehren, die oft für die Radikalisierung der Gläubigen in Südostasien verantwortlich gemacht werden. In Saudi-Arabien praktizieren die Menschen den Wahhabismus, eine streng konservative Lesart des Islam.

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Indonesiens Außenministerin Marsudi: Muslime müssen an Entwicklung Myanmars teilhaben

Marina Mahathir, Tochter des ehemaligen malaysischen Premierministers Mahathir Mohamad, warnte im Vorfeld der Reise vor einer "arabischen Kolonialisierung". Die Malaysier könnten ihre Identität verlieren, sagte Mahathir. Zuhairi Misrawi, Mitglied von Nahdlatul Ulama, der größten muslimischen Organisation Indonesiens, sagte gegenüber der BBC, dass sich die indonesische Regierung gegen eine zu große kulturelle Beeinflussung wappnen müsse.

Allerdings dürfe Saudi-Arabien nicht einseitig für wachsenden Konservatismus und Radikalismus  in der Region verantwortlich gemacht werden, sagte Noor. "Der Zuwachs an religiösem Konservatismus in Ländern wie Malaysia und Indonesien hat vor allem mit der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung in den Ländern selbst zu tun." Im Übrigen habe sich der Einfluss Saudi-Arabiens auf die Region verändert, fügt Saleem hinzu. Er habe in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts begonnen, als viele religiöse Lehrer aus Südostasien in Saudi-Arabien oder in den durch Saudi-Arabien finanzierten Schulen ausgebildet wurden. Damals gehörte zur religiösen Ausbildung etwa auch die Betonung des Heiligen Krieges. Das habe politische Gründe gehabt, da man so Kämpfer etwa für den Widerstand gegen die Sowjetunion in Afghanistan rekrutieren wollte. Allerdings habe Saudi-Arabien inzwischen erkannt, dass diese radikale Linie das eigene Land gefährden könnte. "Aber das sind alles Maßnahmen jüngeren Datums. Es wird dauern, bis sie greifen. In der Zwischenzeit müssen die südostasiatischen Länder viel aktiver darauf achten, welche islamische Lehre in ihren Schulen vermittelt wird." 

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