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Aktuell Asien

Südkoreas Präsidentin vergleicht Verhalten des "Sewol"-Kapitäns mit Mord

Die südkoreanische Präsidentin Park übt harsche Kritik am Kapitän der Unglücksfähre. Das Handeln der Besatzung komme Mord gleich. Unterdessen geht die Suche nach Vermissten weiter.

Liste der Vermissten (Foto: Reuters)

Die Liste der Vermissten ist lang

Südkoreas Staatschefin Park Geun Hye hat dem Kapitän der "Sewol" vorgeworfen, sich durch sein Verhalten des "Mordes" schuldig gemacht zu haben: "Die Taten des Kapitäns und einiger Besatzungsmitglieder waren unter dem Gesichtspunkt des gesunden Menschenverstands vollkommen unverständlich, inakzeptabel und kamen Mord gleich", so Park nach Angaben der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap bei einem Treffen mit Beratern.

Park sagte, es werde zunehmend klar, dass Kapitän Lee Joon Seok die Evakuierung des sinkenden Schiffes unnötig verzögert und die Passagiere dann "im Stich gelassen" habe, als er das Schiff als einer der ersten verließ. "Dies ist vollkommen unvorstellbar, rechtlich wie ethisch", betonte sie.

Park Geun Hye (Foto: Reuters)

Fand scharfe Worte: Park Geun Hye (M.)

Zugleich kündigte Park an, dass das Verhalten aller Beteiligter, angefangen von den Eignern der Fähre über die Inspektoren bis hin zur Besatzung untersucht werde und die Verantwortlichen vor Gericht gebracht würden.

Chaos auf der Brücke, Panik an Bord

Lee und sechs weitere Crew-Mitglieder, darunter die relativ unerfahrene dritte Offizierin, die zur Zeit des Unglücks das Kommando auf der Brücke hatte, befinden sich derzeit wegen des Verdachts auf gravierende Pflichtverletzungen in Haft.

Die inzwischen veröffentlichten Aufzeichnungen des Funkverkehrs zwischen der Fähre und der Schifffahrtskontrolle zeigen, dass zur Zeit des Unglücks Panik auf der Brücke herrschte. So zögerte die Besatzung, das Schiff zu evakuieren, obwohl sich dieses bereits gefährlich zur Seite neigte. Aus den Gesprächen geht auch hervor, dass Sicherheitsanweisungen nicht an die Passagiere durchgegeben werden konnten, da das Lautsprechersystem nicht funktionierte. Der Vertreter der Schifffahrtskontrolle drängte die Besatzung, sie sollte dennoch die Passagiere anweisen, ihre Rettungswesten und möglichst viele Lagen Kleidung anzuziehen. Anschließend sollten sie ins kalte Wasser springen, auch wenn keine Schiffe in der Nähe seien, die sie aufnehmen könnten.

Nach Ansicht von Experten hätten womöglich zahlreiche Menschenleben gerettet werden können, wenn die Passagiere bereits angewiesen worden wären, das Schiff zu verlassen, als sich dieses zu neigen begann.

An Bord waren fast 500 Menschen gewesen

Die Auto- und Personenfähre war am Mittwoch mit 475 Menschen an Bord gekentert. Nur 174 Menschen konnten gerettet werden, unter ihnen der Kapitän und die meisten anderen der 28 Besatzungsmitglieder. Mehr als 60 Leichen wurden bisher geborgen.

Derweil setzten Bergungsmannschaften die Suche nach den Vermissten fort. Neben Tauchern werden auch ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge bei der Suche in dem Wrack eingesetzt. Doch die Hoffnung, noch Lebende zu finden, geht gegen Null.

Die Unglücksursache ist weiter unklar. Vermutet wird ein abrupter Kurswechsel, durch den die Ladung verrutscht und die Fähre in Schieflage geraten sei, was dann zum Untergang geführt habe. Aber auch die Kollision mit einem Felsen wird als mögliche Unglücksursache nicht ausgeschlossen.

gmf/wa (dpa, afp, rtr)