Südkoreanischer Ministerpräsident bleibt doch im Amt | Aktuell Asien | DW | 26.06.2014
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Aktuell Asien

Südkoreanischer Ministerpräsident bleibt doch im Amt

Rolle rückwärts in Seoul: Die südkoreanische Präsidentin Park hat ihre Zustimmung zum angekündigten Rücktritt von Ministerpräsident Chung revidiert. Nach Angaben des Präsidialamtes bat sie Chung, im Amt zu bleiben.

Mit ihrer überraschenden Entscheidung zog Südkoreas Staatspräsidentin Park Geun Hye die Konsequenzen aus zwei gescheiterten Versuchen, den Posten des Regierungschefs neu zu besetzen. Zunächst hatte Park einen ehemaligen Richter und dann einen früheren Journalisten als Nachfolger von Chung Hong Won benannt. Bei beiden Kandidaten tauchten jedoch Zweifel an ihrer Amtstauglichkeit auf, so dass sie erklärten, auf das Amt zu verzichten. Ministerpräsident Chung Hong Won hatte wegen der öffentlichen Kritik am Krisenmanagement der Regierung bei dem verheerenden Fährunglück im April seinen Rücktritt erklärt. Bei der Katastrophe waren fast 300 Menschen ums Leben gekommen.

Zuletzt war Park am Dienstag mit ihrer Kabinettsumbildung gescheitert. Zwei Wochen nach seiner Nominierung verkündete der zweite Kandidat Moon Chang Keuk seinen Rückzug. Moon sagte in Seoul, er wolle kein Hindernis bei der Ausführung der Regierungsgeschäfte sein. Der Protestant war unter anderem wegen Äußerungen vor einer Kirchengemeinde in die Kritik geraten, wonach Japans Kolonialherrschaft über Korea (1910-45) Gottes Wille gewesen sei. Die Opposition warf dem 65-Jährigen daraufhin mit Blick auf die Geschichte des Landes vor, zu japanfreundlich zu sein. Die Kolonialherrschaft wird noch heute von vielen Koreanern als tiefe Schmach empfunden. Die Präsidentin bedauerte den Schritt Moons.

Bereits im Mai hatte sich Parks erster Kandidat für das Amt des Regierungschefs, der frühere Richter Ahn Dai Hee, wegen einer Kontroverse über seine hohen Einkünfte nach dem Ausscheiden aus dem Obersten Gericht zurückziehen müssen. Der Rückzug ihres zweiten Kandidaten gilt als peinlicher politischer Rückschlag für Präsidentin Park. Die Regierung war nach dem Untergang der Fähre "Sewol" stark unter Druck geraten. Auch Parks Popularität hat stark gelitten. Sie hatte sich nach dem Schiffsunglück für schlechtes Krisenmanagement entschuldigt.

Schulalltag für Überlebende beginnt

Zehn Wochen nach der Fährkatastrophe vor der Südwestküste Südkoreas begann für mehr als 70 Schüler, die den Untergang der "Sewol" überlebt haben, der Schulalltag. Die Schüler seien am Mittwoch auf eigenen Wunsch an ihre Schule zurückgekehrt. Von ihren Mitbürgern wollten sie als normale 18-Jährige behandelt werden, sagte einer der 73 Schüler bei der Rückkehr zur Danwon-Oberschule in der Stadt Ansan bei Seoul. Die Schüler wurden von ihren Eltern begleitet. Fast alle der Schüler waren nach dem Unglück mehr als zwei Monate lang in psychologischer Behandlung.

Beim Untergang der "Sewol" am 16. April waren mindestens 293 Menschen ums Leben gekommen. Noch immer gelten elf der 476 Insassen als vermisst. Unter den Fahrgästen befanden sich 325 Jugendliche aus Ansan auf einem Schulausflug. Der Kapitän und 14 andere Crewmitglieder stehen wegen des Vorwurfs vor Gericht, die Insassen im Stich gelassen zu haben. Auch der Chef der Reederei und andere Manager müssen sich vor Gericht unter anderem wegen des Vorwurfs der Fahrlässigkeit verantworten. Die Fähre war den Ermittlern zufolge extrem überladen.

kle/det (dpa, afp, ape)