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Korea

Südkorea zu passiv in der Krise um Nordkorea?

Donald Trump spricht mit dem chinesischen Präsidenten Xi über Nordkorea, die USA entsenden einen Flugzeugträger in die Region, Pjöngjang droht Washington mit "härtesten Gegenmaßnahmen". Nur von Südkorea hört man wenig.

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Nordkorea warnt die USA

"Wird ein zweiter Korea-Krieg ausbrechen?" Diese Frage stellt die südkoreanische Zeitung "Korea Herald" auf ihrer Internetseite. Dazu eine Fotomontage: Links der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un, daneben ein Raketenstart. Auf der rechten Seite ein amerikanisches Kampfflugzeug sowie US-Präsident Donald Trump. Die angespannte Lage auf der Koreanischen Halbinsel ist das beherrschende Thema in den südkoreanischen Medien: Wie wird die Krise sich weiter entwickeln? Wie groß ist die Gefahr, dass Nordkorea bald einen sechsten Atomtest durchführt? Und: Welche Rolle sollte Seoul spielen?

James Mattis und Hwang Kyo-ahn (picture alliance/dpa/YNA)

James Mattis und Hwang Kyo Ahn: Seine erste Auslandsreise führte den US-Verteidigungsminister im Februar nach Südkorea

Bislang hält sich die Regierung in Seoul auffallend zurück. Man rechne mit "größeren Provokationen", so Interims-Präsident Hwang Kyo Ahn an diesem Dienstag als Reaktion auf die jüngsten verbalen Drohungen aus dem Norden. Er wies das südkoreanische Militär an, alle Aktivitäten Pjöngjangs genau zu verfolgen und die enge Kommunikation mit den amerikanischen Verbündeten sicherzustellen. "Es ist möglich, dass Nordkorea größere Provokationen wie beispielsweise einen Atomtest durchführt", so Hwang weiter.

Die verstummte Regierung im Süden

Als "quälend abwesend" in der ganzen Entwicklung bezeichnet der Kommentator der Zeitung "Korea Times" die "führungslose Regierung".  Wo ist Südkorea?, fragt  Choi Sung Jin. Seiner Meinung nach werden die nächsten 30 Tage "für 80 Millionen Koreaner von entscheidender Bedeutung" sein. Der Autor verweist auf den anstehenden 105. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung und den 85. Jahrestag der Gründung der Nordkoreanischen Armee. Traditionell sind derartige Jubiläen in Nordkorea gern genutzte Stichtage für Demonstrationen militärischer Stärke.

"Sollte Pjöngjang in den kommenden Tagen einen sechsten Atomtest durchführen, dann würden die Spannungen zwischen beiden Ländern auf ein unkontrollierbares Level ansteigen. Jede flüchtige Fehleinschätzung der Absichten der der Gegenseite könnte zu einem offenen Krieg führen und Hunderttausende Leben kosten."  Südkorea solle auf allen offenen und geheimen diplomatischen Wegen weiter versuchen, jede Möglichkeit eines derartigen Desasters zu verhindern.

Südkorea USA Militärübung Foal Eagle (AFP/Getty Images)

Ende März beendeten die USA und Südkorea ihre regelmäßigen gemeinsamen Manöver

Die Anforderungen an den künftigen Staatschef in Seoul steckt der Kommentar hoch. "Der nächste südkoreanische Präsident sollte derjenige sein, der die Initiative ergreift, um die nukleare Krise und die jahrzehntealte Pattsituation in den innerkoreanischen Beziehungen zu beenden. Er sollte derjenige sein, der Pjöngjang zurück an den Verhandlungstisch holt und es gleichzeitig schafft, die enge Allianz mit den USA beizubehalten, und zwar ohne China zu düpieren."

Seoul ohne eigene Position

Auch der Kommentator der konservativen "Dong-A Ilbo"  beklagt eine zu passive Haltung seiner Regierung: "Sowohl ein Präventiv-Schlag als auch ein unerwarteter Dialog zwischen Washington und Pjöngjang würden für Südkorea eine Krise bedeuten." In beiden Fällen seien die USA für Südkorea überlebenswichtig, dementsprechend sei eine enge Zusammenarbeit mit Washington geboten. Stattdessen aber scheue sich Südkorea, offen Position zu beziehen." Die südkoreanische Regierung hat sich noch für gar keine Haltung entschieden, was solch sensible Themen wie Präventivschlag, taktische Stationierung von nuklearen Waffen oder Dialog zwischen den USA und Nordkorea angeht." 

Kim Jong Un mit Militärs als Zuschauer eines Raketenstarts (Reuters/KCNA)

Welchen Schritt plant Kim Jong Un als nächstes?

Die ebenfalls konservativ ausgerichtete "Chosun Ilbo" warnt davor, Ängste vor einem unmittelbar bevorstehenden Angriff zu schüren. Dies sei unverantwortlich. "Viel wahrscheinlicher ist es auch, dass sich das seit 20 Jahren wiederholende Muster aus Spannungen auf der Koreanischen Halbinsel gefolgt von Dialog wiederholt." Die USA müssten nun die Sanktionen weiter verschärfen, und China müsse sich klar dazu bekennen, die Maßnahmen mitzutragen. Und weiter heißt es dort: "Thae Yong Ho, der ehemalige stellvertretende nordkoreanischer Botschafter in London, der sich im vergangenen Jahr nach Südkorea absetzte, hat ausgesagt, dass die nordkoreanische Regierung unter immensem Druck steht. Jetzt ist die Zeit für Geduld, strikte Umsetzung der Sanktionen und beständigen Druck auf den Norden."

Was ist mit den Präsidentschaftskandidaten?

Der Kommentator der liberalen Tageszeitung "The Hankyoreh" beschäftigte sich nach dem Gipfeltreffen der beiden Präsidenten Trump und Xi  mit der Sorge vor einer militärischen Eskalation in Korea.

Flugzeugträger USS Carl Vinson (picture-alliance/dpa/U.S. Navy/D. Howell)

Die USA schickten unter anderem den Flugzeugträger "USS Carl Vinson" in die Region

Es bestehe durchaus die Möglichkeit, dass die Regierung Trump die Halbinsel an die Schwelle einer solchen Entwicklung bringe, so etwas könne man derzeit nicht ausschließen. "Aber es scheint, als würden die aussichtsreichsten Kandidaten für die anstehenden Präsidentschaftswahlen in Südkorea es vermeiden, die Themen Nordkorea, nukleare Bedrohung, Diplomatie und Sicherheitsfragen anzusprechen – es sei denn, sie versprechen sich davon Stimmen." Der Autor kritisiert diese Haltung: "Jetzt es ist Zeit für die Kandidaten, die sich um das Amt des nächsten Staatschefs bewerben, sich dem Nordkorea-Problem zu stellen und verantwortungsbewusst das Wort zu ergreifen. Das beinhaltet auch, Forderungen an die Adresse der USA und Chinas zu stellen."

"Müssen mit Kim reden"

Einen Tag später äußert sich Moon Jae In, liberaler Präsidentschaftskandidat mit guten Chancen, nächster Staatschef im Blauen Haus in Seoul zu werden, gegenüber dem "Korea Herald" zu diesem Thema.

Moon Jae In (Reuters/K. Kyung-Hoon)

Moon Jae In geht als Kandidat ins Rennen um die südkoreanische Präsidentschaft

Im Interview mit der Zeitung  vertritt er eine klare Position, wie Südkorea sich in der Krise verhalten sollte. Er plädiert für direkte Gespräche des Südens mit dem verfeindeten Nachbarn. Und fordert, Seoul solle dabei die Initiative ergreifen. "Wir müssen Kim Jong Un als den nordkoreanischen Führer anerkennen, und wenn wir eine Lösung für den Atomkonflikt finden wollen, dann müssen wir auch mit Kim verhandeln."

Auch Moon bemängelt die Passivität Südkoreas in der seit Monaten angespannten Situation. "Die Lage auf der Koreanischen Halbinsel ist unser Problem, wir sind direkt von dem Atomwaffenkonflikt betroffen." Aus diesem Grund solle Südkorea bei der Lösung des Konflikts eine Führungsrolle einnehmen. Doch genau davon sei das Land derzeit weit entfernt. "Momentan sind wir nur Zuschauer, die darauf hoffen, dass die Gespräche zwischen den USA und China gut laufen."

 

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