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Politik

Südkorea zieht umstrittenes Manöver durch

Trotz massiver Drohungen Nordkoreas hat Südkorea in Grenznähe eine Militärübung abgehalten. Eine Reaktion des Nordens blieb aus. Das Land soll aber bereit sein, seine Atomanlagen wieder inspizieren zu lassen.

Soldaten patrouillieren im Dunst am Strand (Foto:AP)

Trotz Drohungen aus Nordkorea: Soldaten Südkoreas üben nahe der Grenze

Ungeachtet einer Kriegsdrohung Nordkoreas hat die südkoreanische Armee am Montag (20.12.2010) eine umstrittene Militärübung abgehalten. Reporter berichteten von teils heftigem Artillerie-Feuer auf der grenznahen südkoreanischen Insel Yonpyong. Nach etwa eineinhalb Stunden bestätigte das Verteidigungsministerium in der Hauptstadt Seoul das Ende des Manövers. Zwischenfälle wurden nicht gemeldet. Aus Nordkorea verlautete schließlich, es sei nicht wert, auf die Provokation Südkoreas zu reagieren, die von der Übung Südkoreas ausgehe.

Die Regierung in Seoul hatte die Übung vergangene Woche angekündigt, aber keinen genauen Termin genannt - außer, dass sie bis Dienstag stattfinden solle.

Drohender Militärschlag

Armeesprecher Lee Boong-woo Foto: dpa)

Erklärt das Ende der neuerlichen Militärübung: Südkoreas Armeesprecher Lee Boong-woo

Die kommunistische Regierung in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang hatte mit Militärschlägen gedroht, sollte Südkorea das Manöver abhalten. Südkorea erklärte wiederum, es werde in diesem Fall zur Selbstverteidigung gezwungen.

Südkoreas Marine entsandte etwa ein Dutzend Schiffe ins Gelbe Meer, darunter einen Zerstörer, um gegen eventuelle Provokationen durch Nordkorea gewappnet zu sein. Außerdem standen Kampfjets in Bereitschaft. Alle Zivilisten auf Yonpyong und vier benachbarten Inseln wurden vorsorglich aufgerufen, Schutzräume aufzusuchen. Der Beginn der Übung verzögerte sich dann wegen dichten Nebels.

Auf der anderen Seite der Grenze hatte Nordkorea die Alarmbereitschaft seines Militärs in Erwartung der angekündigten Militärübung in dem umstrittenen Seegebiet erhöht. Russland und China appellierten an Südkorea, auf das Manöver zu verzichten. Die Regierung in Seoul wies das zurück.

Wasserfläche, dahinter Rauchsäulen vor den Bergen (Foto: AP)

Ziel nordkoreanischer Artillerie: die südkoreanische Insel Yonpyong am 23. November 2010

Weltsicherheitsrat scheitert

Eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zur Entschärfung der Korea-Krise war am Sonntag in New York gescheitert. Das Gremium konnte sich bei stundenlangen Verhandlungen nicht auf den Wortlaut eines Appells an Seoul und Pjöngjang verständigen, trotz der Spannungen Ruhe und Besonnenheit zu bewahren.

Vor einem Monat war die Insel Yonpyong während eines ähnlichen Manövers Südkoreas von nordkoreanischer Artillerie beschossen worden. Dabei wurden am 23. November vier Menschen getötet. Nordkorea erkennt die südliche Seegrenze nicht an. Sie war zum Ende des Korea-Kriegs (1950-53) einseitig von einem UN-Kommando gezogen worden.

Nordkorea wieder zu Atom-Kontrollen bereit?

Unterdessen kommen aus Nordkorea Meldungen ganz anderer Art: Der US-Sender CNN berichtet, die Regierung in Pjöngjang sei jetzt wieder bereit, UN-Inspektionen eines Atomkomplexes zuzulassen. Auch habe das kommunistische Land bei einem Besuch des US-Gesandten Bill Richardson signalisiert, es wolle Verhandlungen über den Verkauf von 12.000 Brennstäben ins Ausland aufnehmen.

Da Richardson aber nicht mit offiziellem Auftrag in Nordkorea war, ist unsicher, ob sich das Land an seine Zusagen gebunden fühlt. Nordkorea hatte im April 2009 Inspektoren ausgewiesen und die Sechs-Länder-Gespräche über sein Atomprogramm abgebrochen. Die Regierung kündigte ein Abkommen, im Gegenzug für Abrüstung internationale Hilfe zu erhalten.

Autor: Herbert Peckmann (rtr, dpa, afp)
Redaktion: Reinhard Kleber

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