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Politik

Südkorea will sich Zeit lassen

Das Atomprogramm Nordkoreas macht jede Annäherung an den Süden sehr schwer. Seit der deutschen Wiedervereinigung hat es Südkorea auch nicht mehr so eilig. Die Euphorie für das Vorbild ist in Ernüchterung umgeschlagen.

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Präsident Roh Moo Hyun

Die beiden Staaten verband einst die Erfahrung, was es bedeutet, ein politisch und militärisch geteiltes Land zu sein. Seit 1989 ist Deutschland wieder vereint. Zwischen dem kommunistischen Nordkorea und dem Industriestaat Südkorea besteht die Grenze seit dem Korea-Krieg (1950 bis 1953) weiter.

Südkorea Soldat Grenze Nordkorea

Ein südkoreanischer Soldat hält Wache an der Grenze zum Norden

Während des Deutschland-Besuches von Südkoreas Präsident Roh Moo Hyun (10. bis 14.4.2005) wird das Thema Wiedervereinigung seine Erwähnung in politischen Reden finden. Doch das große Vorbild Deutschland hat in Südkorea an Glanz verloren. "Südkorea hat abschließend die Konsequenzen aus der deutschen Wiedervereinigung gezogen: Man kann sie nicht so schnell und chaotisch durchführen", sagt Kay Möller, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. "Die Lehre daraus war für Seoul: 'Wenn wir es so machen, sind wir wirtschaftlich am Ende'", fasst er zusammen.

Einheit kostet Geld

Von "Ernüchterung" spricht auch Patrick Köller vom Institut für Asienkunde (IFA) in Hamburg: "Die Euphorie in Südkorea über eine eigene Wiedervereinigung hat sicherlich stark abgenommen. Wegen der wirtschaftlichen Kosten", so der Korea-Kenner. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" von Freitag (8.4.2005) sagte Regierungschef Roh zu der Frage, ob die Wiedervereinigung Deutschlands für ihn eher beispielhaft oder abschreckend wirke: "Die koreanische Halbinsel braucht einen langsameren und längeren Prozess."

Südkorea Flagge

Südkoreas Flagge

Für Roh ist der Deutschland-Besuch Auftakt für das "Korea-Jahr 2005", das sein Land initiiert hat, um auf zahlreichen Veranstaltungen Werbung für sich zu machen. So ist die Republik Korea im Herbst Gastgeber für die diesjährigen Asien-Pazifik-Wochen in Berlin (19.9. bis 2.10.). Als Höhepunkt des Jahres ist Südkoreas Auftritt als Schwerpunktland auf der Frankfurter Buchmesse vorgesehen (18. bis 23.10.).

Gescheiterte EU

Zum Atomkonflikt mit Nordkorea ist während des Besuches nach Ansicht von Experten nicht viel Konkretes zu erwarten, außer zu betonen, wie sinnvoll die Sechs-Parteien-Gespräche seien und wie notwendig der Verzicht Nordkoreas auf sein Atomprogramm. "Die EU ist an dem Thema gescheitert und Deutschland ist kaum in der Lage, Einfluss zu nehmen", meint Möller. Von den fünf Ländern - China, Japan, Russland, Südkorea und die USA - die die Verhandlungen mit Nordkorea führen, sei keines daran interessiert, die EU einzubeziehen.

Statt dessen versucht Roh, international Unterstützter für eine Wiederbelebung der eigenen Entspannungspolitik zwischen Nord und Süd zu finden. Wichtigster Bündnispartner Südkoreas im Atomkonflikt mit dem Norden sind zwar die USA. Doch deren Verhandlungslinie in den Gesprächen wird in Seoul keineswegs vollständig geteilt, meint Möller von der SWP.

Mehr oder weniger Druck?

Straßenbild von Seoul, Südkorea

Reges Treiben auf der Sungsoo-Brücke in Seoul

So besteht Washington auf einer schnellen, umfassenden und nachvollziehbaren Umkehr des nordkoreanischen Atomprogramms - des Plutonium- und Uranprogramms. Die USA wollen zudem, dass der UN-Sicherheitsrat Sanktionen gegen das Land erlässt. Der südkoreanische Nachbar will hingegen weniger Druck machen und einen Prozess in Gang setzen, der Anreize schafft, das Atomprogramm langsam abzubauen. Wobei es - anders als für das Plutonium - bis heute keinen Nachweis dafür gibt, dass Pjöngjang tatsächlich Uran besitzt. Seoul spricht sich außerdem dafür aus, bestehende US-Sanktionen gegen den Norden abzubauen.

Verbündete für das eigene Vorgehen will Roh auch in Deutschland finden. Dieser eigene Weg wurde bereits im Juni 2000 beschritten, als sich Rohs Vorgänger mit dem nordkoreanischen Regierungschef Kim Jong Il traf. Seitdem ging es damit jedoch wenig voran. Den Auftakt für das historische Gipfeltreffen soll die so genannte "Berliner Rede" des damaligen südkoreanischen Regierungschefs Kim Dae Jung kurz zuvor im Jahr 2000 gegeben haben. Auch Roh wird während seines Deutschland-Besuchs reden. Er hat jedoch im Vorfeld bereits angekündigt, er werde nicht alles daran setzen, den Vorschlag für ein neues Gipfeltreffen zu machen. Sollte Pjöngjang jedoch so etwas vorschlagen, wäre er bereit dazu.

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