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Koreanische Halbinsel

Südkorea: US-Visite unter schwierigen Vorzeichen

Der Raketentest Nordkoreas überschattet den Besuch von US-Vizepräsident Mike Pence in Seoul. Der Test ist zwar gescheitert - für Südkorea und die USA könnte jedoch eine rote Linie überschritten sein.

Südkorea Besuch US Vizepräsident Mike Pence (Reuters/K. Hong-Ji)

US-Vizepräsident Mike Pence mit seiner Frau Karen in Südkorea

Es ist kein gewöhnlicher Staatsbesuch, auch wenn es auf den ersten Blick danach aussieht. Auf der Agenda von US-Vizepräsident Mike Pence stehen Osterfeierlichkeiten mit US-Soldaten und Gespräche mit Vertretern der südkoreanischen Regierung. Diese finden nun unter verschärften Bedingungen statt. Nachdem Nordkorea in der Nacht eine Rakete getestet hatte, rief die Führung in Seoul den Nationalen Sicherheitsrat zusammen. Man werde "entschieden" reagieren, hieß es da. Aus dem südkoreanischen Außenministerium verlautete, sollte Nordkorea einen weiteren Nukleartest oder anderweitige Provokationen unternehmen, würde man mit "ernsthaften Strafmaßnahmen" reagieren.

Viele hatten befürchtet, das kommunistische Regime könne den Feiertag anlässlich des 105. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung nutzen, um ein weiteres Mal eine Rakete oder gar einen Atomsprengkörper zu testen. Zumindest teilweise machte Pjöngjan in der Nacht die Befürchtungen war: Eine Rakete unbestimmten Typs wurde in der Nähe der Hafenstadt Sinpo gezündet. Kurz darauf explodierte sie - der Test gilt damit als gescheitert. Das bestätigten sowohl das südkoreanische Verteidigungsministerium als auch das Pentagon in Washington.

Droht die Eskalation?

Pence sei bei einem Zwischenstopp in Alaska über den Raketentest informiert worden, berichtete der US-Sender CNN. Er habe auch gleich Kontakt mit Präsident Donald Trump gehabt. Der Präsident und sein Militärstab wüssten Bescheid, bestätigte US-Verteidigungsminister James Mattis wenige Stunden nach dem Vorfall. "Der Präsident hat dem nichts hinzuzufügen." Zuvor hieß es, Pence wolle dem südkoreanischen Alliierten die Solidarität der USA zusichern. Auch in Japan - dem nächsten Stop auf der zehntägigen Reise des Vizepräsidenten - dürfte die Lage auf der koreanischen Halbinsel eine Rolle spielen.

Nordkorea Militärparade Gedenkfeier Kim Il-Sung (Getty Images/AFP/E. Jones)

Bei einer Militärparade lässt Nordkorea die Muskeln spielen - und präsentiert seine neuesten Waffen

Der Ton zwischen Washington und Pjöngjang ist in den vergangenen Tagen schärfer geworden. So hatten die USA zuletzt angekündigt, wegen der Gefahr aus Nordkorea "militärische Optionen" zu prüfen. Vor einigen Tagen schickte US-Präsident Trump bereits einen Flugzeugträger und mehrere Kriegsschiffe vor die koreanische Halbinsel. Trump hatte außerdem erklärt, Nordkorea sei ein "Problem, um das wir uns kümmern werden". Mehrmals drohte er damit, das Atomprogramm Nordkoreas notfalls im Alleingang zu stoppen.

Diese Warnungen beantwortete die nordkoreanische Führung in gewohnt aggressiver Rhetorik. Pjöngjang sei bereit, einen "totalen Krieg mit einem totalen Krieg zu beantworten", erklärte Choe Ryong Hae, der zweite Mann in dem kommunistischen Staat.

Wirkungslose UN-Resolutionen

Auch in anderen Teilen der Welt sorgt der Raketentest Nordkoreas für Beunruhigung. Aus London hieß es, die britische Regierung verfolge die Situation sehr aufmerksam. Außenminister Boris Johnson forderte Nordkorea auf, sein Atomwaffenprogramm zu beenden und UN-Resolutionen zu befolgen, die zur Sicherung von "Frieden und Stabilität" in der Region beschlossen worden seien.

Doch diese hält das international isolierte Land seit Jahren nicht ein. Allein im vergangenen Jahr hatte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zwei Atomwaffentests vornehmen lassen. Gleichzeitig arbeitet die nordkoreanische Führung an der Entwicklung von Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe bis in die USA getragen werden könnten.

nin/ml (dpa, afp, ape)