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Wirtschaft

Südkorea kämpft mit Konjunkturpaket gegen Folgen von Mers

Aus Angst vor der Atemwegserkrankung Mers bleiben tausende Südkoreaner zu Hause. Das wirkt sich auf die Wirtschaft aus. Die Regierung steuert mit einem Milliarden-Konjunkturpaket dagegen.

Im Kampf gegen die sich ausbreitende tödliche Atemwegserkrankung Mers (Middle East Respiratory Syndrome) schnürt Südkorea ein milliardenschweres Konjunkturpaket. Umgerechnet mehr als zwölf Milliarden Euro (15 Billionen Won) werden dafür bereitgestellt, beschloss die Regierung am Donnerstag in Seoul. "Der Nachtragshaushalt soll die Steuerausfälle ausgleichen", sagte Finanzminister Choi Kyung-Hwan. Die Konjunktur leide bereits unter der schwachen Weltwirtschaft, nun sei auch noch die Mers-Krise hinzugekommen. "Wir mussten etwas machen." Finanziert werden soll das Paket über den Verkauf von Geldmarkpapieren an Investoren.

Südkorea MERS

Desinfizieren reicht nicht, um die Wirtschaft aufzumöbeln

Seit Ausbruch von Mers in Südkorea vor gut einem Monat starben laut südkoreanischem Gesundheitsministeriums 29 Menschen, 180 sind erkrankt. Zudem sind mehrere Tausend Menschen in Quarantäne. Aus Angst vor einer Ansteckung bleiben viele Südkoreaner zu Hause, statt zur Arbeit oder Einkaufen zu gehen.

Mers versetzt Südkoreas Konjunktur einen Dämpfer

Mers hat - zusammen mit der jüngsten Dürre - der Konjunktur des Landes einen deutlichen Dämpfer versetzt. Das Finanzministerium senkte seine diesjährige Prognose für Asiens viertgrößte Volkswirtschaft von 3,8 auf 3,1 Prozent. "Die Wirtschaft wird durch Mers belastet", sagte Finanzminister Choi Kyung Hwan im Fernsehen. Besonders betroffenen seien der Konsum und der Dienstleistungsbereich. Im Einzelhandel schrumpften die Umsätze zuletzt zum Teil im zweistelligen Prozentbereich.

Südkorea MERS

Die Angst vor Mers hält potentielle Kunden vom Konsum ab

Am vergangenen Donnerstag hatte auch die Ratingagentur Moody's erklärt, die Mers-Krise belaste das Verbrauchervertrauen inmitten eines ohnehin schwachen Binnenkonsums. Dies könne die gerade einsetzende Erholung der Wirtschaft gefährden. Auch wenn der Effekt möglicherweise nur kurzfristig sei, müsse der Staat mit negativen Auswirkungen auf seine Bonität und daher mit höheren Kosten bei der Kreditaufnahme an den Kapitalmärkten rechnen.

Die Zentralbank senkte bereits vorsorglich ihren Leitzins auf das Rekordtief von 1,5 Prozent, um mit billigem Geld die Wirtschaft anzuschieben. Analysten rechnen mit weiteren Zinssenkungen.

Vom erweiterten Haushalt versprechen sich Experten allerdings keinen großen Konjunkturimpuls. "Der Schub für die heimische Wirtschaft dürfte nicht so stark sein, wie die Größe des Pakets nahelegt. Aber jedes Bisschen hilft ein wenig", sagt Ökonom Frederic Neumann von der Großbank HSBC.

Mers - ein weltweites Problem

Das Atemwegsvirus Mers-CoV wurde 2012 erstmals nachgewiesen - bei einem in London gestorbenen Patienten aus Saudi-Arabien. Es kursiert wahrscheinlich schon seit vielen Jahren auf der arabischen Halbinsel.

Weltweit sind inzwischen mehr als 1300 bestätigte Mers-Fälle erfasst. Die Dunkelziffer dürfte allerdings um ein Vielfaches höher liegen. Eine zugelassene vorbeugende Impfung oder eine gezielte Therapie gibt es bislang nicht. Typische Symptome sind Fieber, Atemprobleme, Lungenentzündung, Durchfall und Nierenversagen.

iw/hmf (rtrs, dpa)

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