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Asien

Südkorea ist die Spannungen gewohnt

Südkorea hat sein umstrittenes Militärmanöver auf der Insel Yeonpyeong durchgeführt. Nordkorea hatte zuvor mit einem Vergeltungsschlag gedroht. Christoph Pohlmann von der Friedrich-Ebert-Stiftung über die Lage in Seoul.

Das südkoreanische Militär patrouilliert auf der Insel Yeonpjong (Foto: AP)

Das südkoreanische Militär patrouilliert auf der Insel Yeonpjong

DW-World: Im Vorfeld gab es Bedenken, dass das Manöver die Spannungen dramatisch verschärfen könnte. Nun hat Südkorea die Übung durchgeführt. Wie ist die Lage jetzt?

Christoph Pohlmann: Die Lage ist weiterhin angespannt. Zu diesem Zeitpunkt kann man noch nicht ausschließen, dass die nordkoreanische Seite nicht doch noch auf das Manöver reagiert. Insofern ist die südkoreanische Armee weiter in Alarmbereitschaft und beobachtet die Situation auf der nordkoreanischen Seite. Die Bevölkerung in Südkorea ist äußerlich gelassen, das Alltagsleben geht weiter wie bisher, es war auch tagsüber hier normal. Aber man ist natürlich besorgter als vor dem Artilleriebeschuss im vergangenen Monat auf Yeonpyeong.

Wie macht sich diese Sorge bemerkbar?

Trotz der Spannungen - Südkoreaner lassen sich nicht vom Shoppen abhalten (Foto: Lina Elter)

Trotz der Spannungen - Südkoreaner lassen sich nicht vom Shoppen abhalten

Das zeigt sich zum Beispiel in Gesprächen zwischen Freunden, Bekannten oder in den Familien. Man tauscht sich darüber aus, wie man sich verhalten würde im Fall einer militärischen Konfrontation. Das ist insofern außergewöhnlich, als es zeigt, dass der Angriff auf südkoreanisches Territorium als eine neue Situation, als Eskalation mit neuer Qualität wahrgenommen wird.

Das Manöver vom Montag ist nicht das erste seit dem Zwischenfall von Yeonpyeong. Was bezweckt die Regierung mit dem Aufbau dieser Drohkulisse?

Zum einen will man Stärke zeigen. Die Regierung musste sich von einigen Teilen der Bevölkerung und von der konservativen Presse vorwerfen lassen, sie habe nicht entschlossen genug reagiert, und dann kam der Vorwurf, dass es nur geringe Verteidigungsmöglichkeiten auf Yeonpyeong gab, wo immerhin rund 1300 Fischerfamilien lebten. Hinzu kam, dass die Hälfte der Haubitzen, die eingesetzt wurden, um Vergeltungsschüsse loszufeuern, nicht funktionierte. Das hat natürlich die Frage genährt, wie gut eigentlich das südkoreanische Militär vorbereitet ist. Deswegen fährt man jetzt mit den Mitteln der Rhetorik als auch mit den Manövern eine harte Linie.

Kommt das an? Ist die Bevölkerung jetzt davon überzeugt, dass Südkorea gerüstet ist?

Das ist schwer zu sagen. Auf der einen Seite unterstützen bis zu 80 Prozent der Bevölkerung die Idee eines militärischen Vergeltungsschlages, zumindest begrenzter Art, falls sich so ein Angriff seitens Nordkorea noch einmal wiederholen sollte. Gleichzeitig ist man sich durchaus der südkoreanischen Verwundbarkeit bewusst. In Seoul liegt 40 Kilometer von der Grenze entfernt, an der ja Nordkorea massive Artillerie stationiert hat. Man weiß also, dass es bei einer militärischen Konfrontation um das Überleben von Millionen ginge, trotz der militärischen Überlegenheit Südkoreas. Deswegen könnte auch nur ein geringer Schlag Nordkoreas hier im Süden große Schäden anrichten.

Südkoreanische Demonstranten zerschneiden er nordkoreanische Fahne (Foto: AP)

...dennoch reagierten einige auf die nordkoreanischen Provokationen mit Wut

Reden denn beide Seiten noch über irgendwelche Kanäle miteinander?

Soweit ich weiß, ist das derzeit nicht der Fall. Nach dem Untergang des Cheonan-Kriegsschiffes im März, für den die südkoreanische Regierung die nordkoreanische verantwortlich macht, wurden alle Kanäle zwischen den Militärs eingestellt. Politisch redet man sowieso schon lange nicht mehr miteinander. Es gab zwar zwischendurch wieder diese Familienzusammenführung, die vom südkoreanischen Roten Kreuz organisiert wurde mit nordkoreanischen Partnern zusammen. Aber nicht mal auf miliärischer Ebene gibt es derzeit eine Not-Hotline.

Christoph Pohlmann leitet das Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.

Die Fragen stellte Mathias Bölinger

Redaktion: Silke Ballweg

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