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Nahost

Südkorea gerät ins Visier der Terroristen

Aufständische im Irak halten laut Medienberichten rund zehn ausländische Geiseln fest. Einem Südkoreaner drohen sie mit Enthauptung, falls seine Regierung nicht innerhalb von 24 Stunden ihre Truppen aus Irak abziehen.

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Schlechte Nachrichten in Südkorea

Radikale Islamisten haben erneut mit der Enthauptung einer ausländischen Geisel gedroht. In einer am Sonntagabend (20.6.2004) vom arabischen Fernsehsender El Dschasira veröffentlichten Videobotschaft drohten drei maskierte und bewaffnete Männer mit der Ermordung ihrer südkoreanischen Geisel, sollte Seoul an seiner Entscheidung zur Entsendung weiterer Truppen nach Irak festhalten. In dem Video bezeichneten sich die Entführer als Mitglieder derTerrorgruppe von Abu Mussab el Zarqawi. Die Gruppe des Jordaniers wird für eine Reihe von Entführungen und Anschlägen in Irak verantwortlich gemacht.

Das Video zeigt die südkoreanische Geisel, wie sie vor drei maskierten und bewaffneten Männern sitzt. Einer der Entführer forderte die Regierung in Seoul auf, alle Truppen aus Irak abzuziehen und bis Montagabend (21.6.2004) ihre Entscheidung über eine weitere Truppenentsendung wieder zurückzunehmen: "Schicken Sie keine weiteren Truppen, oder wir schicken Ihnen den Kopf dieses Koreaners", sagte der Mann weiter. Eine weitere Sequenz der Botschaft zeigt die verzweifelte Geisel, wie sie schreiend um ihr Leben fleht.

Keine Planänderung

Der südkoreanische Außenminister Ban Ki Moon hat die Entführer zur sofortigen und bedingungslosen Freilassung ihrer Geisel aufgefordert. Der Minister sagte am Montag bei einem Außenministertreffen im chinesischen Qingdao, die Nachricht von der Entführung des Südkoreaners in Irak habe ihn schockiert und beunruhigt. Seine Regierung versuche dem irakischen Volk zu helfen, "deshalb sollten die Entführer die Geisel sofort wieder freilassen". Wie schon zuvor sein Stellvertreter erteilte der Minister der Forderung nach einem südkoreanischen Truppenabzug eine Absage. An der Entscheidung der Regierung, "Truppen zum Wiederaufbau Iraks einzusetzen", ändere sich nichts.

Zurzeit hat Südkorea mehr als 600 Sanitäter und Armee-Ingenieure im Süden des Landes stationiert. Ab August sollen rund 3000 Soldaten folgen, um beim Wiederaufbau der Kurdengebiete im Norden Iraks zu helfen.

Zarqawi unter Verdacht

Wie die südkoreanischen Medien unter Berufung auf Diplomaten in Bagdad berichteten, handelt es sich bei der Geisel um einen 33-jährigen Mitarbeiter der südkoreanischen Handelsfirma Gana General Trading Company, die die US-Truppen in Irak mit Militärausrüstung beliefert. Der Mann, dessen Namen die Nachrichtenagentur Yonhap mit Kim Sun Il angab, war demnach erst am 15. Juni in der irakischen Hauptstadt eingetroffen. Nach Angaben des südkoreanischen Außenministeriums wurde er bereits zwei Tage später verschleppt.

Zarqawi werden enge Verbindungen zum internationalen Terrornetz El Kaida nachgesagt. Seine Gruppe Tawhid wal Dschihad soll für eine Reihe von blutigen Anschlägen auf irakische Politiker und Zivilisten verantwortlich sein. Unter anderem bekannte sie sich zum Mordanschlag auf den amtierenden Präsidenten des inzwischen aufgelösten Regierungsrats, Essedin Salim, Mitte Mai 2004 in Bagdad. Im vergangenen Monat hatten Anhänger Zarqawis die US-Geisel Nicholas Berg enthauptet. (kas)

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