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Politik

Südkorea demonstriert Stärke

Südkorea hält sein Militär auf Trab. Auf eine Schießübung der Armee folgt ein viertägiges Manöver der Marine. Zugleich kündigt die Armee ein weiteres Manöver mit scharfer Munition und in Grenznähe zu Nordkorea an.

Südkoreanische Marineschiffe warten in der Nähe von Yeonpyeong auf den Beginn der Übung (Foto: AP)

Südkoreanische Marineschiffe warten bei Yeonpyeong auf den Übungseinsatz

Das Säbelrasseln auf der koreanischen Halbinsel geht weiter. Beunruhigte das kommunistische Regime mit einem blutigen Artillerieangriff und kriegerischen Parolen über Wochen hinweg die internationale Gemeinschaft, demonstriert nun Südkorea mit einer Serie von Militärübungen demonstrativ seine Stärke.

Die schwer bewachte Grenzlinie beim Dorf Panmunjom (Foto: AP)

Die schwer bewachte Grenzlinie beim Dorf Panmunjom

Am Mittwoch (22.12.2010) begann eine viertägige Übung der südkoreanischen Marine vor der Ostküste des Landes, rund hundert Kilometer von der Grenze zu Nordkorea entfernt. Beteiligt sind sechs Kriegsschiffe sowie Hubschrauber. Es gehe darum, Reaktionen auf ein mögliches Eindringen nordkoreanischer U-Boote oder Patrouille-Boote in südkoreanische Gewässer zu üben, teilte die Marine mit. Nordkorea erkennt die Grenzlinie im Gelben Meer nicht an, die zum Ende des Korea-Kriegs (1950-53) einseitig von einem UN-Kommando gezogen wurde und als Verlängerung der militärischen Demarkationslinie auf dem Land dienen sollte.

Bisher größte Schießübung

Weit größer als die Marine-Übung wird das kombinierte eintägige Manöver von Armee und Luftwaffe werden, das am Donnerstag in Pocheon, nur 20 Kilometer südlich der Grenze zu Nordkorea, stattfinden soll. Auf dem Truppenübungsplatz in Pocheon finden zwar häufig Manöver statt. Doch diesmal sollen sechs Mal so viel Artillerie-Einheiten das Schießen mit scharfer Munition üben als sonst.

An der Militärübung werden außerdem 800 Soldaten, sechs Kampfjets sowie Hubschrauber und Panzer teilnehmen. Es sei die bisher größte gemeinsame Schießübung geplant, teilte die Armee mit. Der Kommandeur des Ersten Panzerbataillons, Choo Eun Sik, sagte der Nachrichtenagentur Yonhap: "Wir werden gründlich Vergeltung üben, wenn der Norden einen weiteren provokativen Akt wie den Artillerieangriff auf Yeonpyeong begeht."

Landkarte Korea (DW-Grafik)

Hier ereignete sich im November der schwere nordkoreanische Granatenangriff

Machtdemonstration auf Yeonpyeong

Bereits am Montag hatte Südkorea ein umstrittenes Manöver auf der grenznahen Insel Yeonpyeong abgehalten, die am 23. November Ziel eines nordkoreanischen Artillerieangriffs gewesen war, bei dem zwei südkoreanische Soldaten und zwei Zivilisten getötet worden waren. Im Vorfeld der Übung hatte Nordkorea mit schwerwiegenden Konsequenzen gedroht, es verzichtete aber auf irgendwelche Vergeltungsaktionen. Es lohne nicht, "auf jede verachtenswerte Provokation" mit einem Gegenschlag zu antworten, hieß es von nordkoreanischer Seite.

Die neuen Militärübungen sind nach Einschätzung von Fachleuten Machtdemonstrationen zur Abschreckung Nordkoreas. "Wenn man sich entspannt und unvorbereitet ist und versucht, nett zu den Nordkoreanern zu sein, werden sie niemals aufhören", sagte Daniel Pinkston von der Denkfabrik "International Crisis Group" in Seoul. In Umfragen eine Woche nach dem Granatenangriff auf Yeonpyeong hatten rund 80 Prozent der Südkoreaner angegeben, dass das Militär härter auf den nordkoreanischen Beschuss hätte reagieren müssen.

Richardson erreicht nordkoreanische Zusage

Der US-Gouverneur Bill Richardson im Porträt (Archivfoto von 2007: AP)

Der US-Gouverneur Bill Richardson sondiert die Lage in Pjöngjang

Die südkoreanische Manöverserie ist umso bemerkenswerter, als aus Nordkorea in den vergangenen Tagen gemäßigtere Töne zu hören waren. So erhielt der Gouverneur des US-Bundestaates New Mexico, Bill Richardson, der sich zu einem inoffiziellen Besuch in Pjöngjang aufhielt, von der dortigen Führung die Zusage, erstmals seit April 2009 wieder Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ins Land zu lassen. Richardson sagte weiter, das Angebot könne zu einer Wiederbelebung der Sechs-Länder-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm führen, die Nordkorea im April 2009 verlassen hatte.

Die Reaktion des Weißen Hauses in Washington blieb jedoch kühl. Erst wenn Nordkorea "seine Verpflichtungen erfüllt", könnten die Sechs-Nationen-Gespräche wieder aufgenommen werden, sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Robert Gibbs, am Dienstag. Die USA seien nicht zu einer Wiederaufnahme der Gespräche "nur für das gute Gefühl" bereit.

Autor: Reinhard Kleber (afp, dpa, rtr, dapd)

Redaktion: Dirk Eckert

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