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Deutschland

Südeuropäer lernen Deutsch - mit Strategie

Deutsch gilt als schwer erlernbar. Wegen der europäischen Finanzkrise erleben deutsche Sprachkurse jedoch einen regen Zulauf: Südeuropäer ohne Perspektive in der Heimat büffeln, um leichter einen Job zu finden.

Ein aufgeschlagenes Lehrbuch der deustchen Sprache und ein Ubüngsheft. Quelle: REUTERS

Deutsch Lernen Spanien Übung

Drei Uhr nachmittags in einem Weiterbildungszentrum für Erwachsene, an der Hamburger Volkshochschule (VHS). Anmeldung zum Deutschkurs. Nacheinander ziehen die Neuankömmlinge Nummern und setzen sich in den Warteraum. VHS-Mitarbeiterin Anna Neves und ihre vier Kolleginnen werden die nächsten drei Stunden wie am Fließband arbeiten. "Schon seit etwa einem Jahr hat sich die Nachfrage für die Deutschkurse erhöht. Wir haben im Durchschnitt 100 Leute täglich, die wir beraten und einstufen", sagt Neves.

Im Vergleich zu 2010 sind das 30 Prozent mehr Anfragen. Vor allem aus den südeuropäischen Krisenländern kämen viele Menschen, um in Hamburg Deutsch zu lernen. "Es kommen sehr viele spanischsprachige Menschen, direkt aus Spanien oder aus Südamerika mit einem spanischen Aufenthaltstitel, die bei uns lernen wollen". Auch Portugiesen und Griechen, die früher selten waren, melden sich jetzt zum Intensivkurs Deutsch an.

Dichtes Gedränge bei der Anmeldung

Das Statistische Amt für Hamburg bestätigt die Beobachtungen von Anna Neves. Es registrierte 2011 einen stärkeren Zuzug in die Hansestadt. Mit 2200 Menschen kamen rund 600 mehr als 2010, darunter die meisten Spanier.

Im kleinen Warteraum der Volkshochschule steht inzwischen die Luft. Susana Millan Prol hat die Nummer 78 gezogen, 30 Wartende sind noch vor ihr an der Reihe. Die 31-Jährige kam vor zwei Monaten nach Hamburg. "Ich studiere in Spanien Tourismus, aber Arbeit habe ich nur im Sommer, " erzählt sie. "Also bin ich hierher gekommen, um ein bisschen Deutsch zu lernen. Ich denke, das ist gut für mich.“

Spanierin Susana Millán Prol bei Beraterin der Hamburger Volkshochschule Anna Neves Quelle: Kathrin Erdmann

Spanierin Susana Millan Prol (li.) mit Anna Neves von der Hamburger Volkshochschule

Hoffnung auf eine Perspektive

Susana studiert in Galizien im Nordwesten Spaniens, nahe der portugiesischen Grenze. Die Schuldenkrise hat sie nach Deutschland getrieben. Viele ihrer Freunde hätten die Hoffnung verloren, berichtet sie: "Die jungen Leute in Spanien haben ein großes Problem. Die Firmen haben keine Arbeit für sie. Ich kenne Ingenieure, die in Restaurants putzen".

Nach ihrer Ankunft in Hamburg hat sie zunächst auch geputzt, aber diesen Job hat sie aufgegeben. Er hat ihr nicht gefallen, weil sie dabei immer allein war. Jetzt hat sie sich in einem Restaurant als Kellnerin vorgestellt. So kann sie leichter Kontakte knüpfen und Deutsch lernen. Mit ihren 31 Jahren lebt sie sehr bescheiden, große Sprünge kann sie nicht machen. "Ich habe ein Zimmer bei einer Familie gemietet, aber sie sind nicht aus Deutschland, sondern aus Griechenland“, erzählt sie und lacht.

Auch einfache Jobs gefragt

Während Susana im Warteraum einen Sitzplatz ergattert hat, muss Cecilia Heras stehen, so voll ist es inzwischen. Die Ecuadorianerin hat in Spanien als Altenpflegerin gearbeitet. Vor einem Jahr verlor sie ihren Job und zog zu ihrem Bruder nach Hamburg. "Der Anfang war schwer, ich kannte niemanden, habe erst nach und nach die richtigen Kontakte bekommen" - und so schließlich einen Job als Haushaltshilfe gefunden.

Damit ist Cecilia weiter als Pedro. Der 28-jährige Portugiese hat bisher in Lissabon gelebt. "Ich will Deutsch lernen und mein Leben neu organisieren“, sagt er in leicht gehetztem Tonfall. In Portugal habe er alle möglichen Jobs gemacht, auf dem Bau gearbeitet, bei der Ernte geholfen. Was er in Hamburg sucht, weiß er noch nicht genau. Und dann ist Pedro auch schon weg.

Mancher hat Glück

Deutlich entspannter ist Juan Gomez. Der 27-Jährige ist gelernter Koch und hat vor zwei Monaten seine Heimat verlassen: "Natürlich bin ich wegen der Krise hier, aber ich möchte auch die Kulturen anderer Länder kennenlernen."

Spanischer Koch Juan Gomez hat zur Anmeldung in der Volkshochschule seine Freundin Ledicia mitgebracht Quelle: Kathrin Erdmann

Der spanische Koch Juan Gomez hat zur Anmeldung seine Freundin Ledicia mitgebracht

Schon von Spanien aus hat er einen Job in einem galizischen Restaurant gefunden. Direkt über dem Restaurant kann er wohnen. Juan ist die Neugier auf das neue Leben in Deutschland anzumerken. Gerade ist seine Freundin aus Spanien zu Besuch, aber schon bald wird sie wieder nach Hause fahren. Angst vor Einsamkeit oder gar dem tristen Wetter in Hamburg hat Juan nicht: "In Galizien, wo ich herkomme, ist es ähnlich: Regen, Sonne, Regen, Regen, Kälte".

Einziger Wehrmutstropfen: Die sechswöchigen Intensivkurse an der Volkshochschule sind inzwischen so stark nachgefragt, dass sich die Wartezeit von einem auf zwei Monate verlängert hat. Die Zuwanderer brauchen also einen langen Atem und einen festen Willen, denn dann wird es erst richtig losgehen: jede Woche 16 Stunden Deutschunterricht und das sechs Wochen lang. Bis zum Niveau B1, also bis zur einfachen Konversation, dauert es ein Jahr.