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Afrika

Südafrikas Präsident will mehr China im Land

Südafrikas Präsident Jacob Zuma ist auf Staatsbesuch in Shanghai. Bis zum Ende der Woche trifft er sich mit chinesischen Spitzenpolitikern. Denn die beiden Staaten haben eine Menge gemeinsamer Interessen.

Südafrikas Präsident Zuma mit dem chinesischen Staatschef Hu Jintao (Foto: AP)

Südafrikas Präsident Zuma zu Gast beim chinesischen Staatschef Hu Jintao

Zunächst einmal ist es die typisch afrikanisch-chinesische Beziehung: Südafrika hat Bodenschätze, China braucht sie. Das Land am Kap verfügt über fast 90 Prozent der Weltproduktion an Platin, an Gold, Diamanten und Kohle. Doch Südafrika ist über den Status des reinen Lieferanten von Ressourcen hinaus: So hat der Energiekonzern Sasol ein Verfahren zur Verdieselung von Kohle entwickelt, an dem die Chinesen großes Interesse zeigen.

Gemeinsame Nuklearforschung

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Südafrikas Infrastruktur ist im afrikanischen Vergleich noch immer gut

Beide Länder arbeiten an neuen Atomreaktoren, die nach deutschem Vorbild mit Hochtemperaturreaktoren betrieben werden. Auch in diesem Bereich existiert bereits ein Kooperationsvertrag, die Zusammenarbeit bei der Entwicklung soll noch verstärkt und die Reaktortechnik später sogar exportiert werden.

Noch aus der Zeit der Apartheid stammt das Entwicklungs-Know-How im Bereich der Rüstungstechnik.

Das für China wohl interessanteste Produkt ist ein Kampfhubschrauber namens Rotfalke. Der Panzerabwehrhubschrauber wurde zwar schon vor elf Jahren in Dienst gestellt, gilt aber noch immer als technisch modern, vielseitig einsetzbar und dem chinesischen Kampfhubschrauber WZ 10 sehr ähnlich – was für eine homogene Ausrüstung spricht.

Stabilität ist wichtiger Pluspunkt

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Chinesische Billigwaren überschwemmen afrikanische Märkte

Anders als der überwiegende Rest des Kontinents ist Südafrika nicht nur als Absatzmarkt für China interessant. Die einst für afrikanische Verhältnisse extrem gute Infrastruktur hat zwar in den vergangenen Jahren gelitten – das gilt für Strassen und Schienen wie für Stromnetze und Wasserversorgung – sie ist aber immer noch vergleichsweise gut. Im Zusammenspiel mit der hohen Rechtssicherheit und der relativen Geldstabilität rückt Südafrika als Investitionsstandort für China in den Fokus.

Südafrikanische Telefonkonzerne expandieren in die nördlichen Länder ebenso wie Einzelhändler, Banken und Bergbaukonzerne. Südafrika als Einfallstor für den Kontinent – ein Pfund, mit dem Jacob Zuma bei seinem Staatsbesuch wuchern kann.

Doch es gibt auch Probleme: Zunehmend verdrängen chinesische Billigprodukte einheimische Unternehmen. Zudem gelten die vermutlich 250.000 Chinesen in Südafrika als abgekapselte Gesellschaft, die sich als Arbeitgeber unsozial und arrogant geben. Als eine Lösung des erstgenannten Problems erhöhte China bislang die Zahl der zollfreien Importgüter aus Afrika um mehr als das Doppelte. Doch ob angesichts der geringen Produktivität afrikanischer Hersteller, afrikanische Waren auf dem chinesischen Markt auch nur den Hauch einer Chance haben ist fraglich.

Im vergangenen Jahr betrug das Handelsdefizit Südafrikas mit China – dem größten Handelspartner des Landes - über 2,7 Milliarden US-Dollar. Und auch in diesem Jahr wird es nach Schätzungen kaum besser aussehen.

Unsoziale chinesische Arbeitgeber

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Chinesische Arbeitgeber gelten als unsozial

Auf der anderen Seite stehen chinesische Investitionen in den Energiesektor und das Schienennetz, die im Vorfeld der Reise vereinbart wurden und immerhin 300 Millionen US-Dollar ausmachen.

Und das unsoziale Gebären chinesischer Arbeitgeber in Afrika hat bereits zu heftigen Protesten geführt – allerdings in Ländern wie Angola und Sambia – wo die Rechtssicherheit einheimischer Kräfte generell gering ist. Im Konzert der afrikanischen Handelspartner mit China dürfte Südafrika jedenfalls eine deutlich gewichtigere Rolle spielen.

Autor: Dirk Bathe

Redaktion: Stephanie Gebert

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