1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Afrika

Südafrikas Kultklotz am Boden

Er dominiert die Skyline von Johannesburg: Der Wolkenkratzer Ponte-City. Das umstrittene 54-stöckige Gebäude hat trotz seiner monströsen Hässlichleit und Baufälligkeit seinen festen Platz in der Stadt.

Der Wolkenkratzer Ponte-City in Johannesburg (Foto: Leonie March)

Der 54 Stockwerke hohe Bau wurde in den 1970ern errichtet

Brian Mc Kechnie kann nicht glauben, was er sieht. Vor zwei Jahren hatte der junge Architekt noch überlegt, eines der Penthäuser im Hochhaus zu kaufen. Seitdem hat er Ponte-City nicht mehr betreten. Jetzt ist er schockiert über den Zustand des Gebäudes. Überall liegt Müll und die Fenster sind zerbrochen. Es ist ein echtes Endzeitszenario. Vom Wolkenkratzer steht kaum mehr als das Skelett. Wie ein hohler Zahn ragt der runde Betonbau über 170 Meter in die Höhe. In der Mitte ein kreisrunder Ausschnitt bis nach oben. Ein düsterer Kern, ursprünglich so konstruiert, damit alle Zimmer in den Apartments Fenster haben, nach draußen und nach drinnen. Jetzt starren sie, wenn überhaupt noch vorhanden, stumpf in den Abgrund. Oben ein kleines Stück blauer Himmel, unten türmen sich Müll und Bauschutt. Zwei Arbeiter beladen damit ihre Schubkarren, ansonsten ist weit und breit keine Menschenseele. Gruselig, meint Brian McKechnie. Ponte sei immer auch mit den Menschen assoziiert worden, die sich hier in den Tod gestürzt haben. "Aber die meisten von ihnen sind nach draußen gesprungen, nicht in diesen inneren Kern. Es ist einfach ein unmenschlicher Ort."

Rassisten, Drogenbarone und Immobilienhaie

Baufällige Etagen im Hochhaus Ponte-City in Johannesburg (Foto: Leonie March)

Hier waren früher Wohnungen

Mit der düsteren, monumentalen Architektur ist 1976 der Machtanspruch der Apartheid einbetoniert worden. Eine Schönheit war Ponte City auch damals nicht. Trotzdem waren die Appartements begehrt. Als Ponte gebaut wurde, waren Hillbrow und Berea extrem elegante Wohnviertel. "Fast wie Manhattan in New York. Wenn man hier wohnte, hatte man es geschafft", erzählt der junge Architekt. Hier lebte die weiße, obere Mittelschicht. Doch im selben Jahr, 1976, wurde in Soweto der Schüleraufstand blutig niedergeschlagen. Die Leute begannen an der politischen Stabilität Südafrikas zu zweifeln und in die sichereren Vororte zu ziehen. Die Innenstadt Johannesburgs war nicht mehr länger eine gute Adresse. Um die Jahrtausendwende übernahmen Drogenkartelle und andere Gangster, zogen kurzfristig auch in Ponte-City ein, bis die Besitzer des Hochhauses sie vertrieben und vermeintliche Investoren mit dem Umbau begannen. Ihre Vision: Luxuswohnungen. Doch das Ganze war reine Spekulation. Die Immobilienhaie tauchten ab, die Besitzer blieben auf einem Hochhaus sitzen, das bis zum 23. Stock entkernt ist. Keine Wände, keine Leitungen, keine Fenster. Nur die Fassade steht noch.

Im Penthouse lebt man gefährlich

Blick aus Ponte-City (Foto: Leonie March)

Blick auf Johannesburg

Es ist schwer vorstellbar, dass in den oberen Etagen trotz allem noch jemand wohnt. 128 Wohnungen sind vermietet, sagt Jaap Breedt, der Mann, der Ponte nach dem Bankrott wieder aufbauen soll. Er selbst wohnt im Penthouse. Doch die Aussicht auf Johannesburg ist das einzig schöne daran. Es sei gefährlich, sagt Jaap Breedt. "Ich lebe hier oben mit meiner Frau in ständiger Angst." Denn die Nachbarn würden sich regelmäßig betrinken, immer käme es dann auch zu Handgreiflichkeiten. Nachts könnten sie die Wohnung nicht verlassen. "Wir gehen um vier Uhr noch schnell einkaufen, bevor es dunkel wird und schließen uns dann ein. Wir sind schon mehrmals bedroht worden. Es gibt Leute, die wollen uns erschießen."

Hat Ponte-City eine Zukunft?

Baustelle im Ponte-City Hochhaus in Johannesburg (Foto: Leonie March)

Die Etagen sollen wieder wohnbar gemacht werden

Unter diesen Bedingungen soll Jaap Breedt dafür sorgen, dass die entkernten Wohnungen wieder renoviert und vermietet werden. Damit sich für Ponte City ein Käufer findet. Eine Mammutaufgabe, aber zu schaffen, meint Brian McKechnie. Er rechnet damit, dass die Wohnungen für niedrige bis mittlere Einkommensschichten ausgebaut werden. Angesichts der immer noch üblen Gegend sind Luxuswohnungen ein Luftschloss. Abriss sei keine Alternative, fügt der Architekt hinzu: "Ponte gehört einfach zu Johannesburg, auch wenn es zweifellos ein hässliches Gebäude ist. Aber es ist Teil der Identität der Stadt, ob man es liebt oder hasst, es gehört einfach dazu."

Autorin: Leonie March

Redaktion: Katrin Ogunsade