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Politik

Südafrikas Kampf gegen die Apartheid

"Der lange Weg zur Freiheit" ist der Titel der Memoiren von Nelson Mandela. Sein Leben spiegelt wie kein anderes die Geschichte seines Landes und den Kampf gegen Unrecht und Rassentrennung wieder.

Ein Schild mit der Aufschrift Weiße Zone in Südafrika aus dem Jahr 1976, Foto: AP

Strikte Trennung

"Niemals wieder soll in diesem Land eine Gruppe die andere unterdrücken. Lasst die Freiheit regieren!" Mit diesem Appell tritt Nelson Mandela am 10. Mai 1994 sein Amt als erster schwarzer Präsident Südafrikas an. Ein großer Moment für das Land: Das Kap bekommt eine neue, moderne Verfassung, die Apartheid ist endgültig vorbei.

Die Geburtsstunde der Apartheid ist 1948, fast dreihundert Jahre nach der kolonialen Eroberung des heutigen Südafrika durch den Holländer Jan van Riebeek und die Vereinigte Ostindische Kompanie. Als Architekt der Apartheid gilt der niederländische Soziologe und Politiker Hendrik Frensch Verwoerd, der, inspiriert vom nationalsozialistischen Gedankengut Deutschlands der 1930er Jahre, die vielleicht obszönste Form des Kolonialismus erdachte: Er definiert Apartheid harmlos als "separate development", als "getrennte Entwicklung".


Nazi-Gedankengut

Zonen für 'Weiße' in Johannesburg 1965, Quelle: AP

'Getrennte Entwicklungen'?

Nach dem Wahlsieg der Nationalpartei 1948 kann Verwoerd seine Theorien auch in die politische Praxis umsetzen: Als "Minister für Eingeborenenfragen" schafft er die Homelands, scheinbar unabhängige Siedlungsgebiete für Schwarze, die jedoch nichts anderes als Reservate waren - nur, dass dort keine Tiere lebten, sondern Menschen. Seine Bantustan-Politik läuft de facto auf die räumliche Trennung von Schwarzen und Weißen hinaus.

Die Rassenordnung der Buren bestimmt fortan das gesamte südafrikanische Leben. An öffentlichen Orten ist eine strikte Trennung vorgeschrieben, "Mischehen" verboten und mit dem "Group Areas Act" von 1950 wird die Trennung der Wohngebiete besiegelt. Bildung, Ausbildung und Arbeitsplatz richten sich später nach Zugehörigkeit der von den Buren definierten Rasse, es entsteht die Idee des "ethnischen Designs". Außerhalb ihrer Reservate müssen Schwarze einen Pass bei sich tragen.

Wachsender Widerstand

Schnell formiert sich Protest: Der als Widerstandsbewegung bereits 1912 gegründete African National Congress (ANC) erhält immer mehr Zulauf, 1942 tritt ihm auch ein junger Jura-Student namens Nelson Mandela bei. Demonstrationen, Boykotte, Streiks und das öffentliche Verbrennen der Pässe werden zum Ausdruck des Protests.

Nelson Mandela als junger Jura-Student 1952, Quelle: AP

1942 tritt Nelson Mandela dem ANC bei

Dieser erreicht am 21. März 1960 in Sharpeville südlich von Johannesburg den vorläufigen Höhepunkt, als bis zu 20.000 Schwarze ohne Pass zu einem Polizeirevier ziehen, um sich inhaftieren zu lassen. Die Demonstration endet in einem Massaker, bei dem die Polizei 69 Schwarze, zumeist von hinten, erschoss und weitere 180 verletzte.

Der ANC wird verboten und Mandela akzeptiert schließlich die Notwendigkeit des gewaltsamen Kampfes gegen die Apartheid - obwohl er eigentlich ein Vertreter des Gewaltverzichts ist: Er geht in den Untergrund und wird Anführer des bewaffneten Flügels des ANC "Umkhonto we Sizwe", was auf Zulu soviel wie "Speer der Nation" bedeutet.

Bewaffneter Kampf

Der wohl berühmteste politische Häftling der Welt, Nelson Mandela und seine Ehefrau Winnie, grüßen mit erhobener Faust am 11.02.1990 nach seiner Freilassung die jubelnde Menschenmenge, Quelle: AP

Freiheit nach 27 Jahren: Nelson Mandela

1964 wird die Führungsriege um Nelson Mandela festgenommen und zu lebenslanger Haft verurteilt. Trotz oder vielleicht sogar wegen der Inhaftierung der führenden Köpfe des Widerstands wächst der Druck auf das Apartheid-Regime. Nach dem Massaker von Soweto 1976 geht das Foto des sterbenden Schülers Hector Peterson um die Welt. Aber das Apartheid-Regime gibt nicht auf, die Gesetze der Rassentrennung werden weiter verschärft.

1986 muss Präsident Pieter Willem Botha, den Nationalen Notstand erklären. Er dauert vier blutige Jahre, in denen die Armee auch in den Townships eingesetzt wird. Botha setzt auf "total onslaught", auf "gnadenlosen Angriff".


Auf dem Weg zur Regenbogennation

Durch die Apartheid wird Südafrika immer mehr zu einem Außenseiter der Völkergemeinschaft. Handels- und finanzpolitische Sanktionen treffen Ende der 80er Jahre die Nationalistische Regierung schwer. Innerer und äußerer Druck führen dazu, dass die Regierung von Frederik Willem De Klerk Verhandlungen mit dem ANC aufnimmt: In einer Parlamentsrede im Frühjahr 1990 kündigt Präsident De Klerk weit reichende Reformen an – und das Ende der Verbannung aller Aktivisten. Der Präsident überschreitet den Rubikon - die Demokratie wird greifbar.



Der südafrikanische Präsident Frederik de Klerk (r.) und der südafrikanische ANC-Führer Nelson Mandela wurden am 10.12.1993 in Oslo in Norwegen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, Quelle: AP

Nobelpreis für einen südafrikanischen Neuanfang

Nach 27 Jahren Haft wird Nelson Mandela schließlich im Alter von 74 Jahren am 11. Februar 1990 entlassen. Er übersteht die Zeit, weil er keine Sekunde an sich und an seiner Mission gezweifelt hat. Dafür bekommt er 1993 zusammen mit De Klerk den Friedensnobelpreis. Ein Jahr später, 1994, finden die ersten freien Wahlen des Landes statt und Mandela wird erster schwarzer Präsident Südafrikas. Er prägt den Begriff der "Regenbogennation" als Symbol für die Vielfältigkeit der südafrikanischen Gesellschaft: Heute hat die Regenbogennation die Apartheid überwunden. Doch Südafrikas Versöhnung mit sich selbst dauert noch an.



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