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Wirtschaft

Süßwarenmesse: Naschen in Krisenzeiten

Die Weltwirtschaft steht Kopf: Rote Zahlen, Rezessionen, Firmenpleiten. Beinahe täglich ergreift die Krise eine neue Branche. Die Süßwarenhändler aber bleiben gelassen: Süßes geht immer!

Die ISM bietet Süßigkeiten in allen Farben, Formen und Variationen (Foto: DW)

Die ISM bietet Süßigkeiten in allen Farben, Formen und Variationen

Schokolade, Kaugummis, Gummibärchen, Kuchen und Plätzchen - Süßes, so weit das Auge reicht. Auf der größten Süßwarenmesse der Welt, der Internationalen Süßwarenmesse in Köln (ISM), bieten knapp 1600 Aussteller aus 65 Ländern zuckerreiche Verführung in allen nur denkbaren Formen, Farben und Variationen an.

Spargelgebäck (Foto: DPA)

Neu im Angebot: Spargelgebäck

Das größte Interesse gilt - wie in jedem Messejahr - den Neuheiten. Besonders ins Auge fallen das Spargelgebäck und die Rosenbonbons. Die Füllung des Gebäcks besteht aus Spargelcremesuppe, verfeinert mit Marzipan, Nougat und Schokolade. Gewöhnungsbedürftig schmecken auch die Rosenbonbons: Karamellbonbons verarbeitet mit Rosenkonfitüre. Auffallend ist: So ungewöhnlich die Versuchskost auch schmeckt, die Laune auf der Messe ist gut - Krisenstimmung: Fehlanzeige.

"Wir merken die Wirtschaftskrise nicht. Im Gegenteil: Die Leute haben in solchen Zeiten Lust zu naschen. Man gönnt sich das kleine, besondere Extra", sagt ein deutscher Hersteller und zeigt sein innovativstes Produkt: Einen Schokobrunnen, an dem die Besucher Gebäck ihrer Wahl selbst versüßen können.

"Bad times are sweet times"

Ein Hingucker - der riesige Schokobrunnen (Foto: DW)

Ein Hingucker - der riesige Schokobrunnen

"Wenn es einem schlecht geht, dann hat man noch mehr Lust auf Süßes, dann wird noch mehr gegessen", sagt auch der Schweizer Keks-Fabrikant nebenan. Diese Erfahrung teilt der Vertreter einer der größten Süßwarenfirmen Deutschlands: "Die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass bad times auch sweet times sein können. Unsere Branche war bisher immer verhältnismäßig krisenresistent."

Warum eigentlich? Eigentlich müsste der Mensch in Zeiten der Krise und Geldknappheit doch an allem sparen, was er nicht zwingend zum Leben braucht. Kein Urlaub, kein neues Auto, weniger neue Klamotten und natürlich auch weniger Süßigkeiten. So ist es aber nicht, versichern zumindest die Süßwarenhändler: "Der Mensch ist ein Genussmensch, selbst in schlechten Zeiten gönnt er sich etwas. Man verzichtet zwar auf die puren Luxusartikel, aber die kleine Nascherei zwischendurch, die muss sein, auch mit weniger Geld in der Tasche."

Das süße Geschäft brummt: Allein die deutschen Herstellerbetriebe produzierten insgesamt 3,7 Millionen Tonnen Süßigkeiten im Wert von 12,5 Milliarden Euro im Jahr 2008, wie der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie mitteilte. Jeder Deutsche verzehrte somit im Durchschnitt 31 Kilogramm Süßigkeiten im Wert von 112 Euro. Damit konnten die deutschen Hersteller mehr absetzen als im Jahr zuvor. Für das laufende Kalenderjahr rechnen die Süßwarenproduzenten mindestens mit einem gleichbleibenden Umsatz.

"Wenn alles vergeht - das Süße besteht"

Ganz in rot: Mozart-Schokolade (Foto: DW)

Ganz in rot: Mozart-Schokolade

"Wenn alles vergeht - das Süße besteht", dieser Slogan könnte auf einem imaginären Banner über der ISM stehen. Die Hersteller und Händler lassen sich von düsteren Zahlen und Prognosen nicht beirren und vertrauen lieber auf ihre Beobachtungen: darauf, dass sich der Hang zu Süßem und Genuss nicht abrupt ändern wird. Und so wird die Süßwarenbranche von der Weltwirtschaftskrise wohl weitestgehend verschont bleiben.

Daran glauben auch die Belgier, die mit ihren teuren Pralinen werben: "Schokolade ist eine Genussware wie Bier oder Wein. Die Leute werden sich das nicht nehmen lassen." Leben sei das Genießen von kleinen Dinge - und Schokolade sei nun einmal eine solche Sache, behauptet der Belgier überzeugt.

Ein Leben ohne Süßigkeiten ist auf der ISM schwer vorstellbar. Der einhellige Tenor auf der Messe lautet: Genascht wird immer!

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