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Kultur

Süßer die Bässe nie brummten ...

Die Hauptstadt Berlin gleicht einer dröhnenden Partymetropole - es ist "Love Parade"! "Access Peace" lautet das Motto des Spektakels - Alles Friede, Freude, Eierkuchen?

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Es kann haarig werden ...

Die Veranstalter der Loveparade waren zu optimistisch: Sie erwarteten auch in diesem Jahr wieder eine Million tanzende Raver aus aller Welt - gekommen sind aber nur halb so viele. Die Bahn war von Anfang an skeptisch: Sie registrierte nur eine verhaltene Nachfrage nach Tickets für die Sonderzüge. Und die Hauptstadthotels erlebten die "Chill-out"-Phase schon vorab: die Bettenbelegung lässt deutlich zu wünschen übrig.

Ist Techno noch "hip"?

Mal ganz abgesehen von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten, der auch die Techno-Jünger nicht

Love Parade in Berlin, Hintergrund Siegessäule

verschonen, und der abschreckenden Wirkung von Gerüchten über einen angeblich geplanten Anschlag: Tatsache ist, dass der "Hype" um die Loveparade nachgelassen hat. Seit der ersten Veranstaltung 1989, damals noch auf dem "Ku'damm", trafen sich jedes Jahr immer mehr Jugendliche in der deutschen Hauptstadt um das "Sommerfest der Liebe" zu feiern. Das Jahr 1999, als rund 1,5 Millionen farbenfroh, wenn auch spärlich bekleidete Raver durch den "Tiergarten" hopsten, markierte die Trendwende. Man mag sich fragen, ob Techno überhaupt noch "hip" ist.

Für einige Musik-Experten ist der Loveparade jeglicher revolutionärer Charakter abhanden gekommen. Techno ist zwar nicht tot, dafür aber eine Musikrichtung wie viele andere geworden. Die Loveparade erscheint nicht mehr als Kultveranstaltung, als Muss für jeden Techno-Fan. Dennoch kommen Fans guter Techno-Musik beim Paraden-Wochenende immer noch auf ihre Kosten - nicht zuletzt dank der vielen Clubparties am Rande der Veranstaltung.

Viva la Rave-o-lución!

Es gibt seit einigen Jahren Versuche, die "globale Techno-Community" weiter zusammenzuführen: In Wien, Lüttich, Tel Aviv oder Kapstadt ist die Loveparade schon etabliert. Und vor kurzem hieß es auch in Mexico City "Viva la Rave-o-lución" - mit freundlicher Unterstützung der deutschen Bundesregierung, die zu der Veranstaltung über das örtliche Goethe-Institut 25.000 Euro beisteuerte. Die Loveparade sei halt ein "Exportschlager, der durchaus auch im Interesse der deutschen Wirtschaft" liege, so die Stellungnahme des Auswärtigen Amtes.

Love Parade 2001

Der "Klassiker" unter den Straßenumzügen mit Beat und Liebe bleibt aber Berlin. Da geht die Post ab - egal wie viele Raver sich nun letztendlich der musikalischen Behämmerung aussetzen. Beim abschließenden "Line up" unter der Siegessäule die totale Dröhnung angesagt: Der große Stern wird mit rund sieben Millionen Watt beschallt. Die Lärmschutzverordnung ist vorübergehend außer Kraft gesetzt, weil - so das Verwaltungsgericht in Berlin - "eine Gesundheitsgefährdung der Anwohner nicht zu befürchten" sei.

String-Tanga als Fahrschein

Tatsächlich besteht diese Gesundheitsgefährdung eher für die Teilnehmer - und das nicht nur in Form von Hörstürzen. Die größten Probleme ergäben sich durch die Selbstüberschätzung der Techno-Freaks bei Drogen- und Alkohol-Konsum, erklärt Polizeisprecher Thomas Piotrowski. Nicht umsonst gilt die Loveparade als weltgrößte Drogenparty.

Aber wirklich einzigartig ist die Loveparade schließlich deshalb, weil nur hier die Unterwäsche als Fahrkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel dient. Voraussetzung: man oder frau trägt die richtigen Dessous - den String-Tanga aus der "Underwear-Kollektion" der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Ein Teil der Verpackung ist als Fahrschein gestaltet, damit die Träger(innen) sich bei Verkehrskontrollen nicht bis auf die Unterwäsche ausziehen müssen - obwohl manche(r) sich gerade daraus bestimmt einen Spaß machen würde.

Autor: Wim Abbink
Redaktion: Ingun Arnold

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