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Politik

Söldner im Irak besonders gefährdet

Beim bislang brutalsten Angriff auf Ausländer im Irak starben am Mittwoch (31.3.) vier Mitarbeiter privater Sicherheitsfirmen. Über die Hintergründe der Söldner-Truppen im Irak berichtet Steffen Leidel.

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Anschläge hemmen den Wiederaufbau im Irak

Die vier US-Bürger waren auf der Durchfahrt in der Widerstands-Hochburg Falludscha, als sie in einen Hinterhalt gerieten. Mehrere Angreifer gingen mit Handfeuerwaffen und Granaten auf den Konvoi los und steckten zwei Jeeps in Brand. Eine wütende Menge zerrte die vier Männer aus den Autos, schlug mit Schaufeln auf sie ein und übergoss sie mit Benzin. Die verkohlten Leichen schleifte sie durch die Straßen und hängte mindestens zwei an eine Brücke über den Fluss Euphrat auf.

Die Bilder von den verbrannten und verstümmelten Leichen erinnern in fatale Weise an die Ereignisse in Somalia 1993. Damals waren tote US-Soldaten von einem aufgebrachten Mob durch die Straßen von Mogadischu geschleift worden.

Boom der Sicherheitsfirmen

Die Opfer im Irak waren Mitarbeiter der privaten Sicherheitsfirma Blackwater, die sich um die Sicherheit von Lebensmitteltransporten im Gebiet um Falludscha kümmern sollte. Das Unternehmen mit Sitz in North Carolina ist auch für den Personenschutz des Chefs der US-Zivilverwaltung Paul Bremer zuständig. Blackwater ist dabei nur eine von zahlreichen privaten Sicherheitsfirmen, die unablässig ins Land strömen. Und es ist auch nicht das erste Mal, dass Mitarbeiter einer solchen Firma bei Anschlägen gestorben sind. Wie viele, ist jedoch unbekannt: die Opfer tauchen in den offiziellen Statistiken der Besatzer nicht auf.

Die regulären Streitkräfte können die Sicherheitslücken, die an vielen Stellen im Irak klaffen, nicht füllen. Davon profitieren die privaten Sicherheitsfirmen. Experten schätzen die Zahl der Mitarbeiter solcher Unternehmen im Irak auf mindestens 15.000. Meist agieren sie im offiziellen Auftrag der US-Regierung ausgestattet mit Millionen-Dollar-Verträgen.

Elitekämpfer werden abgeworben

"Ohne die privaten Sicherheits- und Militärfirmen hätte der Irak-Krieg überhaupt nicht geführt werden können", sagt Herbert Wulf vom Internationalen Konversionszentrum Bonn (BICC) zu DW-WORLD. Die Firmen warten Waffen, sorgen für die Logistik der Truppen oder kümmern sich um Sicherheitsaufgaben. Der Trend zur Privatisierung der Streitkräfte ist dabei keine Erfindung der Bush-Regierung, sondern begann bereits Anfang der 1990er Jahre. "Die Entwicklung wird sich aber wohl noch weiter ausweiten", sagt Wulf. Der Grund: "Es gibt ökonomische Anreize. Solche Firmen können bestimmte Aufgaben billiger ausführen als herkömmliche Streitkräfte."

Die Nachfrage nach Sicherheitspersonal im Irak ist bereits so groß, dass es selbst den Firmen an qualifizierten Mitarbeitern fehlt. Besonders begehrt sind Mitglieder von Eliteeinheiten wie die britische SAS (Special Air Service) oder die amerikanische Delta-Force. Die Elite-Kämpfer lassen sich für üppige Gehälter von bis zu 200.000 Dollar pro Jahr abwerben. Die Zeitschrift "Economist" zitiert einen SAS-Veteranen, der behauptet, dass 40 der 300 Mitglieder der bei Hereford stationierten Eliteeinheit im vergangenen Jahr um eine vorzeitige Auflösung ihrer Verträge gebeten hätten, um für private Sicherheitsfirmen zu arbeiten.

Bei hochrangigen Militärs der US-Streitkräfte ist die Furcht, Elitekämpfer an die Privatwirtschaft zu verlieren, so groß, dass sie sich vergangene Woche sogar zu einem Krisentreffen versammelten. Nur ungern will man die teuren High-Tech-Kämpfer, deren Ausbildung rund 250.000 Dollar kostet, ziehen lassen.

Rechtliche Normen fehlen

Auch wenn einige Firmen großen Wert auf Seriosität legen, bleibt die Branche insgesamt undurchsichtig, die Grenzen zum Söldnertum sind oft fließend. Manche Firmen sind bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter nicht gerade zimperlich. Die Firmen suchen überall auf der Welt nach Profis in der Kriegführung. Der britische Konzern Armorgroup, eines der größten Unternehmen im globalisierten Security-Geschäft, hat mindestens 500 nepalesische Gurkha-Söldner angeheuert, die für den Schutz der Mitarbeiter von US-Firmen wie Bechtel oder der Halliburton-Tochter Kellogg, Brown & Root (KBR) sorgen sollen.

Auch ehemalige Elitekämpfer des südafrikanischen Apartheid-Regimes sowie Ex-Soldaten aus der Ukraine, Israel und den Fidschi-Insel tummeln sich im Irak. Die jetzt von den Anschlägen betroffene Firma Blackwater geriet bereits im Februar in die Schlagzeilen, als sie 60 chilenische Soldaten, die während des blutigen Regimes von Augusto Pinochet ausgebildet worden waren, für einen Einsatz im Irak anheuerte. "Das Problem ist, dass es für diese Firmen noch keine gültigen Regelungen gibt", sagt Wulf. Sie agieren quasi in rechtsfreiem Raum und sind somit auch niemandem für ihre Aktionen verantwortlich, außer sich selbst.

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