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Sächsisch

Sächsische Hochsprache

Der sächsische Dialekt wird gerne imitiert, vor allem von Leuten aus dem Westen. Manche glauben, alle "Ossis" sprächen Sächsisch. Dabei reden eigentlich alle Deutschen Sächsisch. Sie sprechen es nur falsch aus!

Schon im Mittelalter war Sachsen eine florierende Region. Es übte eine große Anziehungskraft auf Menschen aus allen Ecken und Enden des übrigen deutschen Sprachgebietes aus. Jeder brachte seine eigene Sprache mit.

Aus dem babylonischen Sprachengewirr entwickelte sich schließlich im Spätmittelalter eine einheitliche Verkehrssprache: das Meißner Kanzleideutsch. Und weil sich in Sachsen die Handelsstraßen Europas kreuzten, wurde der sächsische Dialekt fast überall im Heiligen Römischen Reich verstanden.

Wartburg bei Eisenach

Preußen gegen Sachsen
So übersetzte Luther die Bibel eben nicht einfach in irgendein Deutsch, sondern ins Sächsische – und erhob den Dialekt damit zum Standarddeutsch. Auch Preußen übernahm Wortschatz und Grammatik des Sächsischen, nur sprach es die Worte anders aus.

Der Rest ist Geschichte: Preußen besiegte Sachsen 1763 im Siebenjährigen Krieg. Sachsens kulturelle Vorbildfunktion war dahin. Das Hochdeutsche orientierte sich nun nicht mehr an der sächsischen sondern an der preußischen Aussprache. Die neuen Herrscher waren nicht daran interessiert, auch nur ein gutes Haar an den Sachsen zu lassen. Sachsen wurde der Lächerlichkeit preisgegeben.

Gemälde von Martin Luther

Sächsisch plätschert
"Die Sprache dieser Leute beleidigt mein Ohr!", schrieb der Dramatiker Franz Grillparzer im 19. Jahrhundert und verglich die Sachsen mit quakenden Fröschen. Der Vergleich hinkt. Sachsen quaken nicht. Sachsen lassen’s vielmehr loofn. Das Sächsische plätschert weich aus dem Mund.

Der Dialekt sei Maulfaulheit, behaupten manche. In der Tat verkürzt das Sächsische sehr stark. Aus haben wir oder sind wir werden hammer und simmer. Daneben gilt es, den Mund nur nicht zu weit aufmachen. Das a tendiert zu oOrbeit, das o zum uOufen.

Zudem unterscheiden die Sachsen den ch- und den sch-Laut nicht. Verheerend sei die Rechtschreibung in sächsischen Kinderaufsätzen, stöhnen die Lehrer. Für die Schulkinder ist es eben nicht einfach, zu verstehen, warum sie Disch manchmal wie Tisch und manchmal wie Dich schreiben sollen. Klingt doch alles gleich!

Altes Rathaus in Leipzig Sachsen

Die Weichen besiegen die Harten
Die auffälligste Sprachregel des Sächsischen ist jedoch: "De Weechn besiechn de Hardn". Die weichen Konsonanten besiegen die harten. Aus k wird g, aus p wird b, aus t wird d. Es heißt also nicht kaputt sondern gabudd.

Der Grund: Die Sachsen haben die "Behauchung" der harten Konsonanten aufgegeben. Spricht man p, t, oder k schlägt immer ein h nach. Ohne diesen Hauch werden die Buchstaben unaussprechlich. Der einzige Ausweg: man spricht die harten Konsonanten weich aus. B, d und g lassen sich nämlich ohne "Behauchung" sprechen.

Wer sich einmal an die Aussprache gewöhnt, wird Sächsisch leicht verstehen. Lexikalisch und grammatisch ist es eng an das Hochdeutsche angelehnt – oder eher umgekehrt: Wir wissen ja nun, dass sich das Hochdeutsche vielmehr an das Sächsische angelehnt hat.

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