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Politik

Säbelrasseln zwischen Indien und Pakistan

Die Anschläge von Bombay haben die Spannungen zwischen den Atommächten Indien und Pakistan wieder eskalieren lassen – mit möglicherweise gefährlichen Folgen auch für Afghanistan und den Westen.

Indische und pakistanische Soldaten beim Hissen ihrer Staatsflaggen am Grenzübergang Wagha

Indische und pakistanische Soldaten beim Hissen ihrer Staatsflaggen am Grenzübergang Wagha (Quelle: AP)

Das indische Außenministerium hat wegen der blutigen Anschläge in Bombay den pakistanischen Botschafter einbestellt. Dies berichtete die indische Nachrichtenagentur Press Trust of India am Montag (1.12.). Dem pakistanischen Vertreter in Neu Delhi, Shahid Malik, sei bei dem Treffen eine erste offizielle Beschwerde der indischen Regierung überreicht worden. Darin wird Pakistan dem Bericht zufolge vorgeworfen, beim Kampf gegen den "von seinem Boden ausgehenden Terrorismus" versagt zu haben.

Indische Regierung unter Druck

Dabei steht die indische Regierung wegen der Angriffe von Bombay selber unter scharfer Kritik. Dem Druck vor den im Frühjahr anstehenden Wahlen mag geschuldet sein, dass Neu Delhi noch während der Gefechte in Bombay "Elemente in Pakistan" verantwortlich machte - vorschnell, wie pakistanische Medien meinen. Indische Zeitungen berichteten zwar, ein festgenommener Terrorist habe im Verhör angegeben, in einem Trainingslager der muslimischen Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba in Pakistan für die Angriffe von Bombay ausgebildet worden zu sein. Die pakistanische Polizei teilte aber mit, in dem angeblichen Heimatdorf des Terroristen fehle niemand mit dessen Namen.

Die pakistanische Zeitung "The Nation" kritisierte: "Um ihre Haut zu retten, flüchtet sich die Kongress-geführte (indische) Regierung in Säbelrasseln." Das rechtskonservative Blatt warnte: "Wenn sich nicht wieder gesunder Menschenverstand in Neu Delhi durchsetzt, dann könnten die Armeen beider Länder sich innerhalb von Tagen wieder bei einer Konfrontation Auge in Auge gegenüberstehen."

Pakistans Militärs stellen Anti-Terror-Kampf in Frage

Vilasrao Deshmukh (Quelle: AP)

Will zurücktreten: Vilasrao Deshmukh, der Ministerpräsident des Bundesstaates Maharashtra

Nicht nur zwischen Indien und Pakistan wächst die Spannung. Auch zwischen der Regierung in Islamabad und der pakistanischen Armee, die zuletzt 1999 geputscht hatte, tun sich Differenzen auf. Die liberale "The News" schrieb von "gefährlichen Dissonanzen". Das Militär glaube, dass die Regierung "Indien zu leicht nachgibt". Bereits am Wochenende musste der neue pakistanische Präsident Asif Ali Zardari vermutlich auf Druck der Armee ankündigen, nun doch nicht den Chef des berüchtigten militärischen Geheimdienstes ISI nach Indien zu schicken - obwohl die Regierung diesem Wunsch Neu Delhis zuvor ausdrücklich entsprochen hatte.

Die pakistanische Armee ergriff nach den indischen Vorwürfen selbst die Initiative. Ein hochrangiger Offizier sagte pakistanischen Journalisten, Indien habe Pakistan "ernsthafte Konsequenzen" angedroht - was die Regierung in Islamabad prompt dementierte. Der Offizier drohte, Pakistan müsse seine rund 100.000 Soldaten von der afghanischen Grenze im Westen abziehen, sollten die Spannungen mit Indien im Osten eskalieren. Der NATO und den USA sei mitgeteilt worden, dass die Armee den Kampf gegen den Terrorismus in den Stammesgebieten dann nicht mehr weiterführen könne.

Lage am Hindukusch könnte sich verschlimmern

In einem solchen Fall könnten Taliban und El-Kaida vom Grenzgebiet aus fast ungehindert Ziele in Afghanistan angreifen und die ohnehin prekäre Lage am Hindukusch weiter destabilisieren - ein Horrorszenario für den Westen.

Wie ernst die Lage ist, zeigt der Blitzbesuch von US-Außenministerin Condoleezza Rice, die am Mittwoch in Neu Delhi erwartet wird. Auf Unterstützung von ihr wird Islamabad kaum bauen können. Die USA erwarteten nach der Terrorserie "uneingeschränkte" Kooperation Pakistans, sagte die Ministerin am Montag.

Weiteres Rücktrittsgesuch

Derweil bot der Ministerpräsident des Bundesstaates Maharashtra, zu dem Bombay gehört, seinen Rücktritt an. Seine Partei müsse nun darüber entscheiden, sagte Vilasrao Deshmukh, der Mitglied der auch auf Bundesebene regierenden Kongress-Partei ist. Die Regierung hat im Bund bereits politische Konsequenzen gezogen und nach scharfer Kritik an ihrem Krisenmanagement den Innenminister und Nationalen Sicherheitsberater entlassen. (je)

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