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Asien

Säbelrasseln in Peking und Manila

Seit Monaten schwelt ein Streit zwischen China und den Philippinen. Beide Länder erheben Anspruch auf Seegebiete im Südchinesischen Meer. Es droht eine militärische Auseinandersetzung.

Der Ton zwischen China und den Philippinen wird rauer. Die chinesische Armee teilte mit, man bereite sich vor, den Konflikt um Gebiete im Südchinesischen Meer notfalls mit Gewalt zu beenden. China und die Philippinen gehören zu einer Gruppe von sechs Ländern – zusammen mit Brunei, Malaysia, Taiwan und Vietnam – die allesamt Anspruch auf Seegebiete und Inseln im Südchinesischen Meer erheben.

Das Gebiet ist wirtschaftlich äußerst attraktiv. Dort wird ein reiches Vorkommen an Bodenschätzen vermutet. Die Gewässer sind auch wichtig für die Fischfangindustrie. Zudem verlaufen dort wichtige Schifffahrtsrouten.

Philippinische Soldaten inspizieren den Fang chinesischer Fischer

Philippinische Soldaten inspizieren den Fang chinesischer Fischer

Besonders angespannt ist die Situation am Scarborough-Riff (chinesisch: Huangyan, in Tagalog: Panatag). Anfang April kam es an dem Riff, das rund 230 Kilometer vor der philippinischen Küste und rund 1.200 Kilometer von China entfernt liegt, zu einer Konfrontation zwischen chinesischen Fischerbooten und der philippinischen Marine. Zwar zogen sowohl die Fischerboote als auch die Marine wieder ab, jedoch stehen sich in dem Gebiet um das Riff seitdem nichtmilitärische Patrouillenboote beider Seiten gegenüber.

Militärische Drohung aus China

Die Regierung in Peking warnte am Donnerstag (10.05.2012) ihre Bürger vor Reisen auf die Philippinen. Chinesische Veranstalter setzten Touristenreisen dorthin aus. Die Kontrolle von importiertem Obst aus dem Land wurde verschärft. China ist der größte Abnehmer von philippinischen Bananen.

Die staatlichen chinesischen Medien warnen unterdessen vor einer militärischen Intervention, falls der Konflikt weiter eskaliert. "Ganz gleich, ob wir gewillt sind, über diese Sache zu verhandeln, die derzeitige philippinische Führung ist entschlossen, uns in eine Ecke zu drängen, in der uns keine andere Option bleibt als der Gebrauch von Waffen“, schreibt "China Daily" in einem Leitartikel.

Die Regierung in Peking habe bereits in den vergangenen Wochen eine militärische Intervention in den nationalen Medien angedeutet, sagt Gerhard Will, Experte für Südostasien von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Nun nutze sie englisch-sprachige Medien, "um diese Botschaft global zu verbreiten“.

Die Regierung in Manila hat in Peking bereits diplomatischen Protest gegen das chinesische Verhalten in dem Seegebiet eingelegt und warnt die internationale Gemeinschaft vor einem "chinesischen Angriff auf die freie Schifffahrt." Die philippinische Regierung stellte außerdem klar, sie werde ihre territorialen Ansprüche mit militärischer Ausrüstung aus den USA absichern.

Am Freitag (11.05.2012) versammelten sich mehrere hundert Demonstranten vor der chinesischen Botschaft in Manila und protestierten gegen das "arrogante" Auftreten Chinas.

Grafik: Besitzanspruch Chinas im Südchinesischen Meer

Chinas Besitzansprüche im Südchinesischen Meer

Intervention der USA?

Beobachter gehen von einer Intervention der USA aus, sollte die Lage weiter eskalieren. "Es wird in Asien viel über die Rolle der USA in diesem Konflikt gesprochen“, sagt Stephanie Kleine-Ahlbrandt, Leiterin des Pekinger Büros der International Crisis Group (ICG). "Wenn das so weiter geht, wird es mit Sicherheit zu einer Einmischung der USA kommen.“ Eine Deeskalation sehe sie zurzeit nicht, so Kleine-Ahlbrandt gegenüber der Deutschen Welle (DW). "Keine Seite ist bereit, Zugeständnisse zu machen.“

Südostasienexperte Will stimmt dem zu. "Die Situation eskaliert und wird immer schwieriger. Die Philippinen haben enge Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Und viele dort wollen, dass die USA nun Farbe bekennen“, so Will im DW-Interview.

Die philippinische Regierung sagte am Mittwoch (09.05.2012) , die US-Regierung habe Schutz gegen Angriffe im Südchinesischen Meer zugesichert. Die Armeen beider Länder führten erst vor kurzem ein gemeinsames Militärmanöver durch.

Diese Woche erst verkündete das US-Verteidigungsministerium eine zehnmonatige Stationierung von neuen Kriegsschiffen in Singapur. Ein Schritt, der den Zorn Chinas auf sich ziehen wird.

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