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Wirtschaft

Ryanair sendet SOS

Europas größter Billigflieger Ryanair hat im abgelaufenen Quartal einen 85-prozentigen Gewinneinbruch erlitten. Doch auch andere Fluggesellschaften ächzen unter dem hohen Ölpreis. Sind Billigflieger ein Auslaufmodell?

Ein Flugzeug der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair faehrt zum Rollfeld

Ryanair ist nicht der einzige Billigflieger in Bedrängnis

Der irische Billigflieger Ryanair musste im ersten Quartal vor allem wegen dramatisch gestiegener Treibstoffkosten einen Gewinnrückgang auf 21 Millionen Euro verbuchen. Die Kerosinrechnung von Ryanair sei im Vergleich zum Vorjahresquartal um 93 Prozent auf 367 Millionen Euro gestiegen, betonte die Konzernführung bei Vorlage der Geschäftszahlen am Montagmorgen (28.7.). Die Treibstoffkosten machten nun die Hälfte aller Ausgaben aus - verglichen mit 36 Prozent vor einem Jahr.

"Richtig schlechtes" Zahlenwerk

Auch der Ausblick auf das Gesamtjahr fiel düster aus: Ryanair rechnet für das seit April laufende Geschäftsjahr nunmehr mit einem Verlust von bis zu 60 Millionen Euro. Bestenfalls könnte beim Ergebnis eine Null erreicht werden, prognostizierte die Airline. Daraufhin brachen Ryanair-Aktien in London und Dublin um mehr als 20 Prozent ein und zogen auch die Kurse anderer Fluggesellschaften in Mitleidenschaft. "Die Zahlen von Ryanair waren richtig schlecht", kommentierte ein Händler.

Dabei hatte Ryanair-Chef Michael O'Leary noch vor kurzem getönt, sollte sich der Ölpreis weiterhin über der Marke von 120 Dollar pro Barrel halten, "dann werden wir eine der wenigen profitablen Fluggesellschaften in Europa sein, die übrig bleiben".

Ölpreishausse lässt Billigflieger bluten

Öl-Pipeline in Venezuela

Der Preis für ein Barrel Öl hat sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt

Tatsächlich hängt die Zukunft der Billigflieger direkt von den weiteren Entwicklungen beim Ölpreis ab. Dieser war zwar zuletzt bis auf 123 Dollar je Barrel zurückgefallen und hatte sich damit wieder deutlich von seinem Anfang Juli erreichten Hoch von knapp 150 Dollar entfernt. Doch während manche Experten den Ölpreis bis Jahresende nun wieder bei der runden Marke von 100 Dollar sehen, gehen andere Analysten von neuerlichen dramatischen Preissteigerungen aus. Irans Opec-Gesandter Mohammed Ali Chatibi hält gar einen Anstieg des Ölpreises auf 500 Dollar pro Barrel innerhalb weniger Jahre für denkbar.

Die am Montag vorgelegten Geschäftszahlen von Ryanair machen dabei nur allzu deutlich, wie eng es allmählich für die Fluggesellschaften mit den Billigtickets wird. Bei Branchenkennern gelten Billigflieger als besonders anfällig für die hohen Ölpreise. Fluggesellschaften wie Ryanair oder auch Air Berlin und Easyjet bleibt angesichts ihrer ohnehin schon recht schlanken Kostenstruktur wenig zum Wegsparen.

Preiserhöhungen sind wiederum auch kein Mittel der Wahl, denn damit würden sich die Billigflieger ihres zentralen Marktvorteils berauben. Bislang haben die Billigflieger daher vor allem mit Stilllegungen von Maschinen und einer gnadenlosen Zusammenstreichung ihrer Flugpläne auf die Ölpreishausse reagiert.

Böses Gerücht um Air Berlin

Ein Flugzeug von Air Berlin setzt zur Landung an

Harte Landung bei Air Berlin?

Die dramatischen Entwicklungen an der Kostenfront der Billigflieger spielt sich auch in deren Kursentwicklung wider: So hat beispielsweise die Air-Berlin-Aktie seit Jahresbeginn rund 75 Prozent ihres Werts eingebüßt.

Seit kurzem hat Air Berlin gar mit dem Gerücht zu kämpfen, der Flugkonzern steuere direkt auf die Insolvenz zu. Ausgelöst wurden derartige Spekulationen durch eine Analystenstudie der Dresdner Bank, die wegen einer drohenden Pleite des Billigfliegers als neues Kursziel für den Titel null Euro ausgegeben hatte. Dagegen setzte sich Air Berlin allerdings mittlerweile mit rechtlichen Mitteln zur Wehr. (ag)

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