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Politik & Gesellschaft

RWE wegen Atomkurs unter Druck

Stürmische Zeiten für den Energieriesen RWE: Bei der Hauptversammlung verteidigt Konzern-Chef Großmann den Atomkurs. Doch bei den Aktionären wachsen die Bedenken gegen die Kernenergie.

Atomkraftgegner blockieren den Eingang zur Hauptversammlung der RWE in Essen mit Sitzblockaden (Foto: AP/dapd)

Umweltschützer contra Aktionäre bei der RWE-Hauptversammlung

Ein älterer Aktionär diskutiert mit einer Atomkraftgegnerin, flankiert von Polizeikräften (Foto: AP/dapd)

Auch dieser Aktionär musste erst an Atomkraftgegner vorbei

Seit der Atomkatastrophe in Japan stehen der Energieriese RWE, der fünf der 17 Atomkraftwerke in Deutschland betreibt, und insbesondere sein Chef Jürgen Großmann in der Kritik. Mit seinem strikten Pro-Atom-Kurs trifft der 59-Jährige zunehmend auf Widerstand, nicht nur bei Atomkraftgegnern, sondern auch bei den eigenen Aktionären. Besonders deutlich wurde das bei der Hauptversammlung des zweitgrößten deutschen Stromerzeugers, die am Mittwoch (20.04.2011) in der Essener Grugahalle stattfand.

Verpflichtung gegenüber den Aktionären

Bereits vor Beginn der Veranstaltung demonstrierten Hunderte Atomkraftgegner mit "Abschalten"-Rufen gegen den Atomkurs des Konzerns. Drinnen ging der Protest während der Rede Großmanns weiter. Der Manager, der seinen Atomkurs vehement verteidigte, zeigte sich allerdings davon wenig beeindruckt. "Wir betreiben Kernkraftwerke und dazu stehen wir", bestätigte er. Mit der Klage des Konzerns gegen das Atommoratorium habe das Unternehmen seine Verpflichtung gegenüber den Aktionären erfüllt, sagte der Manager. "Das sind wir Ihnen, unseren Aktionären schuldig." Die Klage sei jedoch keine Kampfansage an die Politik, zeigte sich Großmann gesprächsbereit. RWE sei an einer konstruktiven Lösung interessiert. Das Unternehmen hat als einziger der vier großen Energieversorger in Deutschland Klage eingereicht gegen das Moratorium der Bundesregierung und die damit verbundene vorübergehende Abschaltung von sieben Atommeilern. Es gebe keine Rechtsgrundlage dafür, so Großmann. Der Konzernchef rechnet mit einem Verlust im niedrigen dreistelligen Millionenbereich.

Großmanns Konfrontationskurs ist umstritten

Atomkraftgegner stören die Hauptversammlung des Energiekonzerns RWE, während der Vorstandsvorsitzende der RWE AG, Jürgen Großmann (hinten 2.v.r.) spricht (Foto: dapd)

Konzernchef Jürgen Großmann (hinten 2.v.r.) beeindruckten die Proteste wenig

Der Konfrontationskurs des Konzernchefs in der Atomfrage ist aber mittlerweile auch unter RWE-Aktionären umstritten. Zwar begrüßten die Aktionärsschützer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz ausdrücklich die Klage gegen das Atommoratorium. Andere Anleger äußerten dagegen Zweifel am Vorgehen Großmanns. So warnte Hans-Christoph Hirt von der Vereinigung institutioneller Privatanleger, Großmann setze mit seinem Konfrontationskurs Reputation und Akzeptanz des Essener Energiekonzerns aufs Spiel. Zudem wurden Äußerungen laut, der Manager nehme sein Bauchgefühl wichtiger als die Fakten. Auch Rücktrittsforderungen waren zu hören.

Aus den Reihen der kommunalen Aktionäre des Energiekonzerns soll es nach Informationen von "Spiegel-Online" massive Kritik an Großmanns Festhalten an der Atomkraft geben. Ein Teil der Anteilseigner wolle von der Atomkraft aussteigen, hieß es. Ein Unternehmenssprecher wollte den Bericht allerdings nicht bestätigen.

Warnung vor übereiltem Ausstieg

Ein Besucher der RWE-Hauptversammlung 2011 trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift 'Atomkraft? Nein Danke', während ein anderer einen Sticker mit der gleichen Aufschrift trägt (Foto: dapd)

Der Ruf nach einem Kurswechsel wird lauter

Vehement warnte Großmann vor den Folgen eines übereilten Atomausstiegs für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Ein solcher Schritt gefährde Arbeitsplätze und Wohlstand in der Bundesrepublik. Anders als Mitbewerber EnBW hält RWE trotz des Atommoratoriums an seinen Prognosen fest. Der Konzern rechnet 2011 unter anderem wegen der Brennelementesteuer mit einem Rückgang des Betriebsergebnisses um ein Fünftel nach 7,7 Milliarden Euro in 2010. EnBW hatte am Dienstag seine Prognose wegen des Moratoriums nach unten geschraubt.

Autorin: Pia Gram (dpa, dapd, afp, rtr)
Redaktion: Sabine Faber

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