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Wirtschaft

RWE kündigt Aufspaltung an

Nach dem Energiekonzern Eon will sich nun auch der ebenfalls kriselnde Konkurrent RWE aufspalten. In einer neuen, börsennotierten Tochter sollen alle zukunftsträchtigen Sparten zusammengefasst werden.

RWE werde das Geschäft mit Erneuerbaren Energien, Netzen sowie den Energievertrieb in eine börsennotierte neue Tochtergesellschaft auslagern, teilte das Unternehmen am Dienstag in Essen mit. Der RWE-Mutterkonzern werde sich künftig nur um die konventionelle Stromerzeugung und den Energiehandel an den Großhandelsbörsen kümmern.

"Wir schaffen zwei zukunftsfähige Unternehmen unter einem Dach", teilte Vorstandvorsitzender Peter Terium mit. RWE gehe mit der Aufspaltung jetzt "den nächsten logischen Schritt" in seinem "Transformationsprozess". Es handle sich dabei keineswegs um eine Abkehr von der konventionellen Stromerzeugung, betonte Terium. RWE sei überzeugt, dass diese "noch über Jahrzehnte als Partner der erneuerbaren Energien unverzichtbar sein wird."

Eigener Zugang zum Kapitalmarkt

Die Gründung der neuen börsennotierten Tochtergesellschaft schaffe "eine Wachstumsplattform mit eigenem Zugang zum Kapitalmarkt" und stärke so "die Zukunftsfähigkeit des Gesamtkonzerns", erklärte RWE. Den Angaben zufolge ist die Aufspaltung formell bisher nicht beschlossen und muss noch vom RWE-Aufsichtsrat abgesegnet werden.

Der Börsengang der neuen Tochter soll nach Angaben des Konzerns voraussichtlich gegen Ende kommenden Jahres erfolgen, RWE will langfristig als Mehrheitsaktionär engagiert bleiben. Nur zehn Prozent des Aktienkapitals sollen im Zuge einer Kapitalerhöhung am Finanzmarkt platziert werden. Zeitgleich oder zeitversetzt könnten auch noch weitere Anteile verkauft werden, allerdings ohne die Kapitalmehrheit der RWE-Mutter zu gefährden.

RWE konzentrierte sich lange auf die Stromerzeugung in konventionellen Kohle- und Atomkraftwerken. Ähnlich wie Eon geriet das Unternehmen daher durch den Atomausstieg, die großen Veränderungen auf den Energiemärkten durch die Energiewende und sinkende Margen bei konventioneller Stromerzeugung in große Probleme. RWE musste zuletzt hohe Verluste verbuchen.

Verantwortung für Atomkraft bleibt

Die Aufspaltung führe nicht zu einer Veränderung bei der "Haftungsmasse", betonte der Konzern in Bezug auf das kontroverse Thema Atomausstieg, bei dem die Frage der Haftung der Akw-Betreiber für die hohen Kosten der Atommüll-Entsorgung im Raum steht. "Mit Blick auf den Ausstieg aus der Kernenergie gewinnt der RWE-Konzern jedoch mehr finanzielle Flexibilität bei der Bedienung der Rückstellungen".

Terium erklärte dazu, durch die Aktien seiner neuen Tochtergesellschaft erhalte RWE einen Vermögenswert, der den Konzern "noch besser in die Lage versetzt, bei Bedarf unsere Rückstellungen zu bedienen - in welcher Konstellation auch immer". An der Verantwortung von RWE für die Atomkraft ändere die neue Struktur nichts.

Konkurrent Eon wird sein Kohle- und Gasgeschäft zum Januar 2016 in eine eigene Gesellschaft namens Uniper ausgliedern. Der Eon-Mutterkonzern konzentriert sich dann ganz auf das Geschäft mit erneuerbaren Energien, den Betrieb von Energienetzen sowie Dienstleistungen. Zusätzlich verbleibt aber auch das Atomgeschäft, das Eon zunächst ebenfalls in die Tochtergesellschaft ausgliedern wollte, auf Druck der Politik bei Eon.

Den Angaben von RWE zufolge würde auf die neue Tochter auf Basis der Geschäftszahlen für 2015 ein Umsatz von mehr als 40 Milliarden Euro und ein Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen in Höhe von mehr als vier Milliarden Euro entfallen. Bei ihr wären rund 40.000 der insgesamt 60.000 Konzernmitarbeiter beschäftigt.

wen/ul (dpa,rtr,afpd)