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Europa

Russlands Wirtschaft fürchtet Sanktionen

In der russischen Geschäftswelt mehren sich Stimmen, die auf Auswirkungen westlicher Sanktionen gegen Russland aufmerksam machen. Experten sagen, in welchen Bereichen Strafmaßnahmen die Wirtschaft am härtesten treffen.

Der Abschuss des malaysischen Flugzeugs über dem von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiet in der Ostukraine hat eine Diskussion über weitere

Sanktionen

des Westens gegen Russland ausgelöst. "Die russische Wirtschaftselite ist entsetzt", sagte Igor Bunin vom Moskauer Zentrum für politische Technologien der Agentur Bloomberg - und beschreibt mit diesen Worten die Stimmung in der russischen Geschäftswelt.

Weitere Strafmaßnahmen seitens der Europäischen Union könnten für russische Unternehmen sehr schmerzvoll sein, heißt es beim russischen Manager-Verband, einer unabhängigen gesellschaftlichen Organisation, die die Interessen der russischen Wirtschaft vertritt. Der schwerste Schlag wäre es, wenn sektorale Beschränkungen gegen Unternehmen eingeführt würden, beispielsweise im Bereich der Verkehrstechnik, erklärte der Verband. Sanktionen würden auch für Hersteller hochtechnologischer Produkte ernsthafte Risiken bedeuten - zum Beispiel für Unternehmen, die Ausrüstungen für den Energiesektor oder die chemische Industrie herstellen. Diese Unternehmen sind auf westliches Know-how angewiesen. In jedem Fall leide schon jetzt Russlands Ruf, und das sei der größte Schaden, so der Manager-Verband.

Finanzierung großer Projekte fraglich

Rosneft Logo (Foto: DMITRY KOSTYUKOV/AFP/Getty Images)

Betroffen von den Sanktionen ist der größte russische Ölförderkonzern "Rosneft"

Die EU hat bereits am 16. Juli 2014 die Finanzierung von Projekten über die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) und die Europäische Investitionsbank (EIB) eingefroren. Und die USA haben Sanktionen gegen die größten russischen Unternehmen verhängt. Auf der Liste stehen das staatliche Mineralölunternehmen "Rosneft", die "Gazprombank" sowie die "Vnesheconombank" (VEB), aber auch der private Gasproduzent "Novatek", der zweitgrößte nach dem staatlichen Energiekonzern "Gazprom". US-Bürger dürfen diese vier Unternehmen weder finanzieren, noch ihnen Darlehen mit einer Laufzeit von mehr als 90 Tagen gewähren.

Im Fall von "Rosneft" und "Novatek" schränken die US-Sanktionen die Finanzierungsmöglichkeiten für beide Unternehmen stark ein, heißt es bei der internationalen Ratingagentur Moody's. So könnten sich die Strafmaßnahmen negativ auf Großprojekte auswirken, darunter auch auf "Yamal LNG", einem Vorhaben zur Produktion von Flüssiggas. Weitere Sanktionen der EU im Finanzsektor könnten die Investitionstätigkeit der russischen Unternehmen noch stärker einschränken und deren künftige Entwicklung deutlich bremsen, betont Moody's.

Einstellung zu Russland ändert sich

Gazprombank Logo (Foto: REUTERS/Sergei Karpukhin)

Russlands drittgrößtes Geldinstitut "Gazprombank" sieht sich durch Sanktionen nicht gefährdet

Die Entscheidung, solch große russische Unternehmen auf die Sanktionsliste zu setzen, ändert die Einstellung ausländischer Investoren zu

Russland

dramatisch, meinen Experten des internationalen Beratungsunternehmens "Russia Consulting". Die Geschäftsbeziehungen der vier genannten Unternehmen zu ihren westlichen Partnern, Kunden und Lieferanten seien umfangreicher als die all der Firmen zusammengenommen, gegen die bisher Sanktionen verhängt worden seien.

"Rosneft", "Gazprombank", "Vnesheconombank" und "Novatek" teilten nach Bekanntgabe der Sanktionen mit, die Einschränkungen würden sich nicht auf ihre Fähigkeit auswirken, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Experten gehen jedoch davon aus, dass die westlichen Sanktionen auf lange Sicht für die Unternehmen durchaus schwerwiegende Folgen haben werden.

Langfristige Auswirkungen

Dass die Sanktionen langfristige Konsequenzen für die betroffenen Unternehmen mit sich bringen werden, davon ist Alexander Abramow von der Russischen Akademie für Volkswirtschaft überzeugt. "Die Finanzierung künftiger Investitionsprojekte wird schwierig", sagte er der DW. Auf die aktuellen Aktivitäten der Unternehmen werden die Sanktionen Abramow zufolge wahrscheinlich keinen großen Einfluss haben. Die Auslandsverschuldung der Unternehmen sei nicht so groß und stelle deswegen für sie kein erhebliches Risiko dar.

Beobachter betonen unterdessen, die westlichen Sanktionen würden russische Unternehmen zunehmend zwingen, über engere Beziehungen zu asiatischen Ländern nachzudenken. Abramow meint allerdings, eine Neuausrichtung Russlands gen Osten erfordere viel Zeit und Geld. "Und wenn man an das malaysische Flugzeug denkt, dann könnten deswegen für Russland auch noch Probleme mit asiatischen Investitionen entstehen", so der Experte.

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