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Aktuell Europa

Russlands Präsident Putin revanchiert sich für EU-Sanktionen

Angesichts der vom Westen verschärften Strafmaßnahmen holt Kremlchef Putin zum Gegenschlag aus. Er droht mit einer "angemessenen Antwort". Erwogen wird auch, Überflugrechte europäischer Gesellschaften zu streichen.

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EU-Sanktionen - Auswirkungen für Europas Wirtschaft

Russlands Präsident Wladimir Putin hat eine Reaktion auf die in der Ukraine-Krise von EU und USA verhängten Sanktionen angekündigt. "Ich habe heute eine entsprechende Anordnung erteilt", sagte er und kritisierte die westlichen Wirtschaftssanktionen nochmals als inakzeptabel. Die Antwort müsse angemessen sein, dürfe aber nicht heimischen Unternehmen oder den Verbrauchern schaden, zitieren russische Nachrichtenagenturen den Kremlchef.

Medwedew droht mit Vergeltung

Auch Ministerpräsident Dmitri Medwedew drohte mit Vergeltung für den schweren Schlag, den die EU-Sanktionen der russischen Aeroflot-Tochter Dobrolet zugefügt hätten. Die Billigfluggesellschaft der staatlichen Fluglinie musste nach eigenen Angaben am Montag ihren Betrieb einstellen, weil die Strafmaßnahmen ihre Leasing-Vereinbarungen mit europäischen Partnern zunichte machten. Dobrolet bot bisher Verbindungen auf die Halbinsel Krim an, die Russland sich im März völkerrechtswidrig einverleibt hatte. Die Region ist ein beliebtes Urlaubsziel vieler Russen.

Bislang hatten sich russische Regierungsvertreter stets demonstrativ unbeeindruckt von den Sanktionen gezeigt. Internationale Experten gehen jedoch davon aus, dass die russische Wirtschaft wegen der Strafmaßnahmen in die Rezession stürzen wird. EU und USA hatten ihre Sanktionen nach dem mutmaßlichen Abschuss eines malaysischen Verkehrsflugzeuges über dem Rebellengebiet in der Ostukraine ausgeweitet. Sie wollen Moskau so zu einem Kurswechsel in der Ukraine-Krise zwingen. Der Westen wirft Putin vor, die prorussischen Separatisten im umkämpften Osten der Ukraine mit Waffen und Kämpfern zu unterstützen.

Die Sanktionen schränken unter anderem den Zugang russischer Staatsbanken zum westlichen Finanzmarkt ein. Zudem wird der Verkauf von Waffen und militärisch einsetzbarer Gütern an Russland verboten. Auch die Lieferung von Technologie für den Ölsektor ist eingeschränkt worden.

Flugverbot über Sibirien?

Nach Informationen der russischen Zeitung "Wedomosti" werden als Reaktion nun möglicherweise die Überflugrechte für europäische Fluggesellschaften über Sibirien beschnitten oder sogar gestrichen. Das Außen- und das Verkehrsministerium in Moskau diskutierten über einen solchen Schritt, der für die Europäer deutliche Wettbewerbsnachteile gegenüber ihren asiatischen Konkurrenten bedeuten würde.

Denn durch den so erzwungenen Umweg würden bei Verbindungen nach Asien die Flugzeiten ebenso steigen wie die Treibstoffkosten. Zugleich müsste Russland dann allerdings auch auf die Überfluggebühren verzichten. Allein Aeroflot profitiert laut "Wedomosti" mit umgerechnet rund 220 Millionen Euro pro Jahr von diesen Abgaben.

Künftig über den Polarkreis nach Asien?

Ein Flugverbot über Sibirien könnte die europäischen Fluglinien einschließlich der deutschen Lufthansa, British Airways und Air France laut "Wedomosti" jeweils etwa eine Million Euro pro Quartal kosten. Schon in der Vergangenheit während des Kalten Krieges durften westliche Fluggesellschaften nicht durch den russischen Luftraum nach Asien fliegen. Sie mussten stattdessen eine Route über den Persischen Golf wählen oder den US-Flughafen Anchorage in Alaska auf dem Weg über den Polarkreis ansteuern.

Die Lufthansa fliegt nach eigenen Angaben 180 Mal pro Woche durch den sibirischen Luftraum, wollte sich aber nicht weiter zu dem Thema äußern.

se/det (rtr, ape, afp, dpa)

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