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Wirtschaft

Russlands Pkw-Markt fährt Achterbahn

Schon öfter schickte sich Russland in der Vergangenheit an, Deutschland als wichtigsten Absatzmarkt in Europa zu überholen. Doch die Hoffnungen der Hersteller wurden immer wieder enttäuscht.

Denn jedes Mal kam etwas dazwischen, etwa die Finanz- und Wirtschaftskrise oder zuletzt die Rubel- und Absatzschwäche. Jetzt droht, um westliche Sanktionen wegen der Ukraine-Krise zu kontern, laut russischen Medienberichten ein Einfuhrverbot für Fahrzeuge aus der EU und den USA. Dies könnte vor allem Hersteller treffen, die nicht vor Ort fertigen - zum Beispiel Daimler. VW und BMW produzieren zwar in Russland, importieren aber dennoch Fahrzeuge. Auf der Moskauer Automesse, die nächste Woche ihre Tore öffnet, dürfte für Diskussionsstoff gesorgt sein.

Mit zuletzt 2,78 Millionen verkauften Fahrzeugen ist der russische Pkw-Markt fast so groß wie der deutsche mit 2,95 Millionen Neuzulassungen im vergangenen Jahr. Allerdings leben im größten Flächenland der Welt rund 140 Millionen Menschen. "Russland ist für den Volkswagen-Konzern der strategische Wachstumsmarkt Nummer 1 in Europa", betonte Vorstandschef Martin Winterkorn im vergangenen Herbst. Bis 2018 will VW den Absatz dort um mehr als 60 Prozent auf rund 500.000 Fahrzeuge pro Jahr steigern.

Lichtblick in Europa

Während der langen Absatzflaute war Russland einer der wenigen Lichtblicke im gebeutelten Europa, wo Länder mit kräftigen Zuwachsraten oder überhaupt mit Wachstum rar waren. Zudem waren viele Pkw-Märkte schon vor der Krise weitgehend gesättigt und versprechen keine großen Potenziale mehr. In Russland dagegen legten die Verkaufszahlen mehrere Jahre hintereinander zweistellig zu, auch dank günstiger Kredite und staatlicher Förderprogramme.

Vor allem für die deutschen Oberklasse-Hersteller Mercedes, BMW und Audi war dies ein kleiner, aber feiner Markt mit positiven Perspektiven. Automanager und Experten glaubten lange, Russland werde Deutschland als größtes Absatzland in Europa ablösen - spätestens 2015, allerspätestens 2020.

Schlechte Erwartungen für 2014

Doch 2013 stotterte der Konjunkturmotor, und der russische Pkw-Absatz sackte um 5,5 Prozent ab. Für 2014 sind die Erwartungen noch schlechter. "Die Tendenz ist in diesem Jahr ganz klar rückläufig", heißt es beim Branchenverband VDA. Fachleute gehen von höheren Minusraten aus als 2013. Im bisherigen Jahresverlauf 2014 sackten die Verkaufszahlen um fast zehn Prozent ab, auch wenn viele wohlhabenden Russen aus Angst vor einem weiteren Währungsverfall ihr Geld lieber in ein neues Auto stecken.

Verliefen die ersten Monate für Premium-Hersteller noch glimpflich, spüren neuerdings auch sie die Folgen der Ukraine-Krise und der Sanktionen gegen Russland im eigenen Geschäft. Bei BMW brach der Absatz im Juni um zwölf Prozent ein; Modelle, die eigentlich für den Verkauf in Russland gedacht waren, sollen jetzt in andere Märkte umgeleitet werden. Daimler berichtet ebenfalls von schlechteren Geschäften in Russland.

Jeder fünfte Neuwagen stammt von deutscher Marke

Zu einem drohenden Einfuhrverbot wollen sich westliche Hersteller lieber nicht äußern. "Wir sind ernsthaft besorgt", sagt Jörg Schreiber, der in der Vereinigung europäischer Firmen in Russland (AEB) die Autobauer vertritt, zu Reuters. Man hoffe, dass die russische Regierung zweimal nachdenke, ehe sie zu solchen Mitteln wie einem Importstopp greife. "Das würde allen Herstellern weh tun."

Größter Pkw-Bauer ist der russische Lada-Produzent Avtovaz, der mit dem französisch-japanischen Konzern Renault -Nissan verbandelt ist. Gemeinsam kamen sie laut AEB im ersten Halbjahr auf einen Marktanteil von fast 31 Prozent. Die VW-Gruppe mitsamt der Töchter Audi, Seat und Skoda lag demnach bei elf Prozent. Die meistverkauften Automarken in Russland waren im ersten Halbjahr 2014 Lada, Kia und Hyundai. Deutsche Marken sind ebenfalls beliebt: 2013 trug laut VDA rund jeder fünfte Neuwagen das Emblem eines deutschen Herstellers.

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