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Kuba

Russlands langer Schatten in Kuba

Während sich Kubas Beziehungen zu den USA abkühlen, werden die zum Ex-Partner Russland wieder enger - vor allem im Ölsektor. Aber auch in anderen Bereichen baut Wladimir Putin Russlands Einfluss massiv aus.

Im Juli 2014 sorgte eine Meldung der angesehenen Moskauer Tageszeitung "Kommersant" für Aufsehen, wonach Russland seine Abhörstation "Lourdes" auf Kuba, nur 160 Kilometer von der US-Küste entfernt, wieder aktivieren wolle. Rund 3000 Mitarbeiter arbeiteten einst auf diesem größten geheimen Horchposten außerhalb Russlands. Während des Kalten Krieges nutzte Moskau die Basis, um Telefongespräche und Funkverkehr in den USA abzuhören. Im Jahr 2001 ordnete Wladidmir Putin aus Geldgründen die Schließung der Basis an. Die angeblichen Wiedereröffnungspläne vor drei Jahren galten als Ausdruck eines verstärkten Interesses Moskaus an Lateinamerika und seinem langjährigen Verbündeten Kuba, auch und gerade angesichts der gespannten Beziehungen zum Westen und den Vereinigten Staaten infolge des Syrien-Konflikts und der Ukraine-Krise.

Kuba Putin Besuch Archiv 2000 (picture-alliance/dpa)

"Willkommen auf Kuba Präsident Putin" - Plakat auf den Straßen von Havanna

Zwar ist die Abhörstation weiterhin stillgelegt, die aktuellen Rahmenbedingungen aber ähneln jenen vom Sommer 2014. Während die Beziehungen zwischen Kuba und den USA wegen der mutmaßlichen "akustischen Angriffe" gegen US-Diplomaten auf der Insel rapide abkühlen, werden die zu einem früheren Partner wieder enger: Russland. Wie zu Sowjetzeiten hilft Russland als Öllieferant Kubas aus. Der Kreml und die kubanische Regierung, so berichtete die russische Nachrichtenagentur Tass, vereinbarten Mitte Oktober die Ausweitung russischer Öllieferungen und die Vertiefung der Zusammenarbeit bei der Ölförderung auf der Insel. Angesichts der Lieferschwierigkeiten Venezuelas, das von wirtschaftlichen und politischen Problemen geplagt wird, springt der halbstaatliche russische Energiekonzern Rosneft in die Bresche.

Ölbranche als Vorreiter

Bereits im März hatte sich Rosneft verpflichtet, 250.000 Tonnen Öl und Diesel nach Kuba zu liefern. Beobachter vermuten, dass das Geschäft Teil eines Dreiecks-Deals ist. Rosneft hatte in diesem und im vergangenen Jahr dem venezolanischen Staatskonzern PDVSA geschätzte 5 Milliarden US-Dollar geliehen. Künftige Öllieferungen von PDVSA nach Kuba könnten damit verrechnet werden.

Das Szenario erinnert ein wenig an die 1970er und 1980er Jahre, als die Sowjetunion der Hauptgarant für das wirtschaftliche - und damit auch politische - Überleben Kubas war. Dies ging einher mit der Sowjetisierung des Landes. Sowjetische Produkte strömten nach Kuba und ersetzten Kühlschränke, Fernseher und andere Gebrauchsartikel aus den USA. Außerdem tauchten immer mehr Ladas und Moskwitsch im Straßenbild der Insel auf. 1972 wurde Kuba neben Vietnam als einziges Land der sogenannten Dritten Welt Mitglied des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW).

In den 1980ern leistete die Sowjetunion Wirtschaftshilfe von jährlich rund 2 Milliarden US-Dollar; hinzu kamen rund 13 Millionen Tonnen Öl. Kuba wurde immer stärker abhängig von der Sowjetunion. 1989 wickelte das Land 85 Prozent seines Außenhandels über den RGW ab. Umso härter traf die Karibikinsel das Ende der Sowjetunion und die Auflösung des RGW. Die Erdöllieferungen fielen von 13 auf 4 Millionen Tonnen im Jahr 1993, die Importe brachen um 75 Prozent ein. Kuba stürzte in eine tiefe und umfassende Wirtschaftskrise. Die Schulden gegenüber der Sowjetunion beliefen sich 1991 auf rund 35 Milliarden US-Dollar.

Putin in Kuba (picture-alliance/dpa)

Putin auf Kuba mit Raul Castro im Juli 2104

Russland als Nachfolgestaat der Sowjetunion erließ Kuba 2014 90 Prozent dieser Schulden. Die verbliebenen rund 3,5 Milliarden US-Dollar sollen mit Vorzugskonditionen für russische Investitionen auf der Insel ausgeglichen werden. So soll Rosneft auch Kubas größte Raffinerie in Cienfuegos modernisieren, die wegen der reduzierten Öllieferungen aus Venezuela derzeit nur mit halber Kraft läuft. Kubas engster Verbündeter Venezuela hat aufgrund der dortigen politischen und wirtschaftlichen Krise seine Öllieferungen drastisch reduziert. Statt 100.000 Barrel (1 Barrel = 159 Liter) liefert Caracas derzeit nur noch rund 55.000 Barrel täglich auf die Karibikinsel. Auch vor diesem Hintergrund hat Kuba Probebohrungen in seiner 1999 eingerichteten Exklusiven Wirtschaftszone im Golf von Mexiko (ZEEC-GOM) ausgeweitet. Daran beteiligt sind auch russische Unternehmen.

Geostrategische Interessen

Vor allem seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten haben sich die diplomatischen und wirtschaftlichen Kontakte zwischen Russland und Kuba intensiviert. Im September unterschrieben beide Länder ein ganzes Paket von Vereinbarungen, unter anderem im Energiesektor und Eisenbahnbereich. Weitere Abkommen betreffen die Lebensmittelproduktion und die Textilindustrie. Zudem liefert Russland LkWs, Busse, Lokomotiven und  und Fahrstühle.

Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern stieg im ersten Halbjahr 2017 um 73 Prozent auf 176,2 Millionen US-Dollar. Es ist damit zwar noch weit entfernt von dem Kubas mit seinen wichtigsten Handelspartnern China und Venezuela, die Tendenz aber ist klar steigend. So auch im Tourismus. Kuba erwartet für dieses Jahr die Rekordzahl von 100.000 russischen Touristen. Auch auf Sport- und Kulturebene nehmen die Kontakte zu.

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USA ziehen nach Schallangriffen Diplomaten aus Kuba ab

Ende 2016 unterschrieb Russland eine Vereinbarung, Kubas Streitkräfte zu modernisieren. Auch Meldungen, wonach Russland wieder eine Militärbasis auf Kuba eröffnen könnte, tauchen immer mal wieder auf. Allerdings dürfte das eher unwahrscheinlich sein, wenn Havanna an einer Verbesserung der Beziehungen zu den USA gelegen ist.

Die hatten sich zuletzt allerdings rapide verschlechtert, nachdem US-Diplomaten in den vergangenen Monaten auf Kuba mutmaßlich Opfer "akustischer Attacken" wurden. Bei mindestens 22 US-Diplomaten und deren Angehörigen waren Migräne, Übelkeit, Gedächtnislücken und Taubheitssymptome bis hin zum Verlust der Hörkraft aufgetreten. Die US-Regierung hatte daraufhin vor wenigen Wochen einen Großteil ihres Botschaftspersonals aus Kuba abgezogen und 15 kubanische Diplomaten ausgewiesen.

Während unter Donald Trump die Spannungen zwischen den USA und Kuba also wieder zunehmen, springen - wie von Experten vorhergesagt - Länder wie China, der Iran oder eben Russland als Partner ein. "Kuba versucht, seine Beziehungen zu diversifizieren", sagt Richard Feinberg, Lateinamerika-Experte vom Think Tank Brookings Institution. "Da engere wirtschaftliche Beziehungen zu den USA in den kommenden Jahren nicht sehr wahrscheinlich erscheinen, sucht man nach alternativen Verbündeten; vor allem starke Länder wie Russland oder China können günstige Zahlungsbedingungen anbieten."

Russland verfolgt dabei auf Kuba ganz klar geostrategische Interessen. "Putins Botschaft ist nicht schwer zu verstehen", so Feinberg weiter. "Putin sehnt sich danach, die imperiale Herrlichkeit Russlands zurückzugewinnen, und die Beziehungen zu Kuba folgen diesem Muster."

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