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Fokus Osteuropa

Russlands Energie: Boom als Lieferant, Krise im eigenen Land?

Russland versucht konsequent, Preise für Energielieferungen ins Ausland zu erhöhen und weitere Versorgungswege unter seine Kontrolle zu bringen. Unterdessen droht dem Land selbst eine Energiekrise.

Die Unternehmen EES Rossii und Gasprom warnen vor einem kritischen Strom- und Erdgasmangel in Russland. Trotz Energiesparmaßnahmen und Exportreduzierungen ist bisher keine Lösung des Problems in Sicht. Bereits seit Jahren wird auf die Krise in der russischen Stromversorgung hingewiesen. Die erste deutliche Warnung war der Blackout vom Mai vergangenen Jahres, als halb Moskau ohne Strom war. Der Winter heizt die Diskussionen nun wieder an, auch weil in Moskau Beschränkungen beim Stromverbrauch eingeführt werden mussten. Über die fehlenden Kapazitäten wird auf unterschiedlichen Ebenen gesprochen.

Am 23. November beauftragte Premier Michail Fradkow während einer Regierungssitzung die Ministerien und Behörden, ein gemeinsames Vorgehen zur Lösung der Energieprobleme zu erarbeiten. Das Energieministerium, das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung, aber auch das Finanzministerium und der Föderale Tarif-Dienst sollen nun einen Plan vorlegen. Premier Fradkow schloss eine Änderung der Strom- und Erdgaspreise nicht aus, weil dies wesentlichen Einfluss auf die Nachfrage habe.

Moskau muss Energie sparen

Unterdessen begannen die Moskauer Behörden eine Jagd auf diejenigen, die städtische Stromleitungen anzapfen. Als erste waren die Besitzer von Kiosken getroffen. Der Leiter des Amts für Brennstoff- und Energiewirtschaft der russischen Hauptstadt, Wsewolod Pljeschiwzew, teilte mit, Besitzer von Verkaufsständen, die städtischen Strom gestohlen hätten, würden hart bestraft. Er sagte ferner, dass 600 von 27.000 Kiosk-Besitzern wegen nicht genehmigten Heizgeräten zur Verantwortung gezogen würden.

Pljeschiwzew erklärte weiter, diesen Winter werde eine Kampagne gestartet, bei der die Bevölkerung aufgerufen werden soll, den Stromverbrauch in den Wohnungen zu reduzieren. Er schloss nicht aus, dass es zu Stromabschaltungen kommen werde. Es gebe sogar einen Plan zur Abschaltung von Unternehmen, betonte Pljeschiwzew. Moskau will mit diesen Maßnahmen Energie sparen.

Reduzierung beim Energie-Export

Parallel zu den Energiesparmaßnahmen in Russland soll auch der Energieexport reduziert werden. Der Vizepräsident der Aserbaidschanischen Stromgesellschaft, Marlen Askerow, teilte mit, Russland habe vorgeschlagen, die Lieferungen um das Fünffache zu reduzieren: "Im vergangenen Jahr exportierte Russland 300 Megawatt pro Tag und nun wurde uns vorgeschlagen, den Umfang auf 60 Megawatt zu begrenzen."

Gegenüber der Deutschen Welle bestätigte die russische Gesellschaft Inter RAO EES, dass es eine Reduzierung beim Export geben werde, und das nicht nur bei Lieferungen nach Aserbaidschan. Gleichzeitig steigt in Russland der Energieverbrauch weiter an. Dabei wächst der Bedarf schneller als die Kapazitäten.

Jegor Winogradow
DW-RADIO/Russisch, 23.11.2006, Fokus Ost-Südost

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