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Nahost

Russlands dringender Appell: Verlasst Aleppo!

Eine neue Welle der Gewalt erschüttert das umkämpfte Aleppo. Russland mahnt die Bevölkerung, die Stadt zu verlassen. Drohen nach der Feuerpause weitere Luftangriffe? Die humanitäre Lage wird immer unübersichtlicher.

Syrien Alltag in Aleppo (Foto: picture alliance/abaca/J. al Rifai )

Bis zu 300.000 Zivilisten halten sich noch in Aleppo auf - der am heftigsten umkämpfte Stadt im syrischen Bürgerkrieg

Vor einer für Freitag angekündigten Feuerpause in Aleppo hat das russische Militär bewaffnete Kämpfer und Zivilisten dringend zum Verlassen der syrischen Stadt aufgefordert. Eine halbe Million Flugblätter seien über der Millionenstadt abgeworfen worden. Sie sollen über die Korridore aus dem eingekesselten Ostteil Aleppos informieren, sagte Generalleutnant Sergej Rudskoj in Moskau. Unklar ist, ob Russland mit Ablauf der Feuerpause seine Luftangriffe in Aleppo wieder aufnehmen will. Denn aus dem Kreml werden Drohungen laut: Wenn die Opposition bis dahin die Stadt nicht verlassen habe, könnten "Säuberungen gegen Terroristen" beginnen, sagte der Abgeordnete und Verteidigungspolitiker Franz Klinzewitsch. Nach Kreml-Angaben beriet Präsident Wladimir Putin mit seinem Sicherheitsrat über die Lage in Syrien.

Trotz Waffenruhe kaum Versorgung möglich

In den vergangenen Tagen hatte Russland seine international heftig kritisierten Luftangriffe auf Aleppo unterlassen. Feuerpausen am Boden schufen aber nie so viel Sicherheit, dass die Zivilbevölkerung tatsächlich von außen versorgt werden konnte. Die gerät in Aleppo immer mehr zwischen die Fronten. Rebellen versuchen, die Belagerung Ost-Aleppos zu durchbrechen und beschießen den Westteil. Dabei sind nach Angaben von Beobachtern und der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana mehrere Menschen getötet und zahlreiche verletzt worden. Während die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien von mindestens 14 getöteten Zivilisten und mehr als 100 weiteren Verletzten berichtete, sprach die syrische Nachrichtenagentur von zwölf Toten und mehr als 200 Verletzten.

Syrien Bombenangriff in Aleppo (Foto: picture alliance/AP Photo)

Rauch steigt nach einem Selbstmordanschlag im Westen Aleppos auf

Am Morgen hatten die Rebellen nach eigenen Angaben die zweite Phase der Offensive begonnen. Dabei hätten auch drei Selbstmordattentäter Autobomben gezündet, berichteten die Beobachter. Ein Sprecher der Oppositionsgruppe Nureddin al-Sinki berichtete von heftigen Straßenkämpfen in von syrischen Truppen dominierten westlichen Stadtvierteln. Die staatliche Nachrichtenagentur sprach zudem von schwerem Granatenbeschuss mehrerer Viertel im Westen durch die Aufständischen.

Steinmeier fordert Abgrenzung von Rebellen und Radikalen

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier kritisierte Russland: Die kurzzeitige Waffenruhe sei bei weitem nicht genug. "Weder ist es ausreichend Zeit, um Kranke und Schwerverletzte zu evakuieren noch um die ausbleibende humanitäre Versorgung für die Bewohner Aleppos auf den Weg zu bringen", hieß es in einer Mitteilung des Außenministeriums. Auch forderte er die syrischen Aufständischen auf, sich deutlich von radikalen Islamisten zu distanzieren. Die Kämpfer müssten sich klar von der terroristischen Al-Nusra-Front abgrenzen, erklärte Steinmeier nach einem Gespräch mit dem Oppositionsvertreter Riad Hidschab in Berlin. Alle Seiten müssten ihrer Verpflichtung nachkommen, das Leid der Menschen in der umkämpften Großstadt Aleppo zu beenden.

Auch Russland hat gefordert, dass sich die moderate Opposition von den Dschihadisten abgrenzen müsse. Alle Versuche, eine friedliche Lösung für Aleppo zu finden, sind bisher gescheitert. Steinmeier forderte deswegen auch weitere Gespräche zwischen Russland und den USA sowie anderen Ländern. Mit dem Regierungswechsel in den USA dürfe kein Vakuum entstehen. In den von Rebellen kontrollierten Vierteln im Osten sollen nach Schätzungen der Vereinten Nationen zwischen 250.000 und 300.000 Menschen eingeschlossen sein.

pab/kle (ape, dpa, rtr)

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