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Fokus Osteuropa

Russland: Zahl der potentiellen Auswanderer nimmt zu

Aufgrund der Wirtschaftskrise wächst in Russland die Bereitschaft zur Auswanderung. Vor allem gut qualifizierte Bürger wollen das Land Richtung Westen verlassen. Auch im Inland nimmt die Migration zu.

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Fachkräfte wandern aus

Zwei Tendenzen sind neu, beide stehen in Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise. Zum einen werden kaum noch Arbeitskräfte aus den ehemaligen Unionsrepubliken nach Russland angeworben. Jahrelang stellte die Gruppe den größten Anteil an Migranten. Zum anderen wollen nun immer mehr Menschen Russland verlassen. Zu diesen Ergebnissen kommt das russische Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen.

Die potentiellen Auswanderer

Die Migrationsexpertin des Instituts, Walentina Wedenejewa, erklärte der Deutschen Welle: Vor allem solche Menschen würden auswandern wollen, die in ihrem Leben bereits etwas erreicht hätten und fähig seien, im Westen etwas Neues anzufangen. Das decke sich, so Wedenejewa, mit einer anderen Umfrage: Danach sehe das typische Profil eines potentiellen Auswanderers wie folgt aus: zwischen 25 und 39 Jahre alt, Hochschulabschluss und überdurchschnittliches Einkommen. Die Befragten gaben an, das Land verlassen zu wollen, falls sich die Lage verschlechtert. Dass sich die Situation zuspitzt, davon gehen 60 Prozent fest aus.

Schwierigkeiten bei der Erfassung

Der Leiter des Zentrums für Arbeitsstudien an der Höheren Wirtschaftsschule, Wladimir Gimpelson, machte im Gespräch mit der Deutschen Welle auf Schwierigkeiten bei der statistischen Erfassung aufmerksam. Bislang fehlten noch konkrete Zahlen, die das genaue Ausmaß der Auswanderung belegen. Der Grund: "Heute verlassen die Menschen das Land, wenn sie einen Arbeitsvertrag im Ausland haben. Dabei melden sie sich aber beispielsweise in den zuständigen Meldestellen in Moskau nicht ab, was bedeutet, dass sie in keiner Statistik auftauchen."

Ein weiteres Problem bei der Erfassung der Auswanderer ist Gimpelson zufolge der Umstand, dass viele Russen Immobilien im Ausland gekauft haben. Dieser Personenkreis meldet sich in der Regel auch nicht bei den russischen Behörden ab.

Eindeutig sind hingegen die Länder, in die es russische Fachkräfte zieht. Wedenejewa zufolge wandern vor allem Fachkräfte in die USA, nach Kanada und Deutschland aus. Kluge Köpfe also: Biologen, Physiker, Chemiker, Mathematiker und Computerfachleute.

Abwanderung aus Moskau

Bemerkenswert ist auch ein weiterer neuer Trend: Wie Wedenejewa berichtet, verlassen immer mehr Top-Manager Moskau und ziehen um in die Provinz. Vor der Wirtschaftskrise hätte man Manager nicht einmal mit höheren Verdienstmöglichkeiten aus der Hauptstadt locken können. Eine Abwanderungswelle erwarte man, so Wedenejewa, insbesondere im Fernen Osten. Der Grund ist, dass nach der Einführung höherer Einfuhrzölle auf ausländische Automobile tausende Menschen dort ihre Arbeit verloren hätten.