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Aktuell Asien

Russland will seine Militärpräsenz im Pazifik ausbauen

Moskau will auf der Inselgruppe der Kurilen offenbar neue Militärstützpunkte aufbauen. Verteidigungsminister Schoigu kündigte auch die Verlegung von Flugabwehrsystemen dorthin an. Japan dürfte das Sorgen bereiten.

Russland prüft den Aufbau von Marinestützpunkten für seine Kriegsflotte auf der Inselgruppe der Kurilen im Pazifikraum. Marineexperten würden von April an drei Monate lang den Archipel zwischen der russischen Halbinsel Kamtschatka und der japanischen Insel Hokkaido untersuchen, sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu laut Agentur Tass. Derzeit sind Wladiwostok und Kamtschatka die Heimathäfen der Pazifikflotte. Schoigu kündigte auch die Verlegung von Flugabwehrsystemen auf die Inseln an. So sollten noch in diesem Jahr Raketensysteme vom Typ Bal und Bastion sowie unbemannte Drohnen vom Typ Eleron-3 auf die Inseln verlegt werden.

Proteste aus Japan sind programmiert

Seit dem Zweiten Weltkrieg schwelt zwischen Russland und Japan ein Konflikt um die vier südlichsten Kurilen-Inseln, die am Ende des Krieges von der Sowjetunion besetzt worden waren. Seitdem wird die gesamte Inselgruppe von Moskau kontrolliert, Tokio beansprucht jedoch weiterhin die vier südlichen Inseln für sich.

Karte des Kurilen-Archipels (Quelle: DW)

Wem gehören die vier südlichen Kurilen? Japan und Russland befinden sich darüber im Streit.

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses in der Staatsduma, Wladimir Komojedow, verteidigte den Bau einer Marinebasis auf den Kurilen gegen zu erwartende Proteste aus Japan. Diese könnten nichts an der Entscheidung Russlands ändern. "Der Stützpunkt ist nötig. Unsere Küsten müssen geschützt werden", sagte der frühere Marinechef. Die Auflösung der Sowjetunion habe viele Löcher in die Grenzen gerissen, diese müssten wieder undurchdringlich werden, so Komojedow.

Inselstreit verhindert japanisch-russischen Friedensvertrag

Im September hatte der russische Außenminister Sergej Lawrow einen Kompromiss über die Hoheitsrechte ausgeschlossen und seinem japanischen Kollegen Fumio Kishida gesagt, die Regierung in Tokio solle "die historischen Realitäten" anerkennen.

Im Dezember hatte Russland bereits mit dem Bau neuer Militärstützpunkte auf den Inseln Iturup und Kunashir begonnen. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministers sollen dort insgesamt 392 Gebäude in Fertigbauweise errichtet werden. Der Streit um die vier Inseln verhinderte bislang den Abschluss eines formalen Friedensvertrags zwischen Russland und Japan.

Rund 19.000 russische Einwohner

Die felsigen Kurlien-Inseln waren 1634 durch den Niederländer de Vries entdeckt und gehörten ab 1875 zu Japan. Sie wurden am Ende des Zweiten Weltkriegs von den Alliierten in der Jalta-Konferenz der UdSSR zugesprochen und im August 1945 von der Sowjetunion besetzt. Seitdem wird die gesamte Inselgruppe von Moskau kontrolliert.

Zwar hatte Japan 1951 alle Ansprüche auf die Inseln aufgegeben, später forderten die Japaner allerdings die vier südlichen Inseln Habomai, Shikotan, Kunashiri und Etorofu zurück, da sie nicht zur Kurilen-Kette gehören würden, sondern Japans "nördliche Territorien" seien. Auf den Inseln und im umliegenden Meeresboden werden Vorräte an wertvollen Mineralien und Metallen vermutet. Derzeit werden die Kurilen von rund 19.000 Russen bewohnt.

cw/sti (dpa, afp)