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Fokus Osteuropa

Russland will mehr Energie nach Asien liefern

Russland intensiviert seine Energie-Projekte in Asien und setzt dabei nicht nur auf China. Dadurch soll auch die russische Position gegenüber Europa gestärkt werden, meinen Experten.

Gestapelte Rohre mit dem Logo von Gazprom (Foto: RIA Novosti)

Gazprom expandiert in Asien

Für Russland wird der Energieexport nach Asien ein immer wichtigeres Thema. Das zeigte der China-Besuch des russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin Mitte Oktober. Öl- und Gasprojekte spielten bei den Gesprächen eine zentrale Rolle.

Bau der Ostsibirien-Pazifischer Ozean-Pipeline (Foto: dpa)

Bau der Ostsibirien-Pazifik-Pipeline

Ein wichtiger Teil der russischen Strategie für mehr Diversifizierung im Energiesektor ist die Ostsibirien-Pazifik-Pipeline (ESPO), die sich teilweise noch im Bau befindet. Durch eine Abzweigung nach China sollen künftig 15 Millionen Tonnen russisches Öl pro Jahr ins Reich der Mitte fließen. Der Gesamtumfang der Energielieferungen Richtung Asien soll künftig bei 80 Millionen Tonnen liegen. Es ist geplant, dass 30 Millionen davon nach China und die restlichen 50 Millionen an andere Länder der Asiatisch-Pazifischen Region geliefert werden.

Östlicher Ölhebel

Im Vergleich zu Europa gibt es für Russland erheblichen Nachholbedarf in Asien. Der Erdölexport nach Europa beträgt zurzeit etwa 180 Millionen Tonnen im Jahr. In die Länder der Asiatisch-Pazifischen Region fließen dagegen nur 35 Millionen Tonnen des russischen Öls.

Experten in Russland schließen nicht aus, dass die für den Osten geplanten Exportsteigerungen auch zu Lasten der Lieferungen nach Westen gehen könnten. "Im Fall einer Umleitung des russischen Öls von der westlichen Richtung in die östliche kann in Europa ein Ölmangel entstehen, der zur Verteuerung des Rohstoffes führen würde", schätzt Viktor Markow, Senior Analyst des russischen Investment-Unternehmens 'Zerich Capital Management'. Seiner Meinung nach könnte Russland diese Entwicklung für sich nutzen, um mit europäischen Ländern höhere Preise für Energielieferungen auszuhandeln.

Gasverhandlungen mit China laufen noch

Ähnlich wie beim Öl setzt Moskau auch beim Thema Gas auf neue Partner. Da Europa sich inzwischen vermehrt Gedanken darüber macht, von russischem Gas unabhängiger zu werden, plant Moskau seine Exporte Richtung Osten zu vergrößern. Hauptkunde soll hier ebenfalls China werden, dessen Appetit auf Energie ständig wächst. Noch in diesem Jahr werden die Chinesen voraussichtlich ihren Energieverbrauch um 20 Prozent steigern, auf 130 Milliarden Kubikmeter. Im Jahr 2020 soll der Verbrauch laut Prognosen sogar 230 Milliarden Kubikmeter erreichen. Zum Vergleich: Heute erhält Europa aus Russland etwa 150 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich.

Wladimir Putin zu Besuch in China (Foto: AP)

Putin in Peking (11.10. 2011)

Bisher haben der staatliche russische Energiekonzern Gazprom und China nur das Zahlungsmodell vereinbart. Der Gaspreis selbst steht noch nicht fest und ist weiter Verhandlungsthema. Einer der Co-Leiter der russischen Finanz- und Analyseagentur 'Investcafe', Grigorij Brig, meint, der Vertrag mit China werde früher oder später unterschrieben. "China braucht viel mehr Energiereserven, als Turkmenistan oder Katar liefern können. Deshalb ist die Partnerschaft mit Russland für die Volksrepublik unverzichtbar", sagt der Analytiker. Falls das tatsächlich passiert, werde Moskau in den Verhandlungen mit europäischen Partnern eine "gefestigte Position" vorweisen, lautet Brigs Meinung.

Gleichzeitig werde Russland damit eine gute Versicherung gegen eine verringerte Nachfrage im Westen bekommen. Das sei der Hauptgrund, warum Moskau die Diversifizierung des Exports für wichtig hält, sagt Nikolaj Isain, Energie-Analyst am unabhängigen 'Institut für Probleme natürlicher Monopole' in Moskau. Seiner Ansicht nach versuche China lediglich den Zeitpunkt der Unterzeichnung des Vertrages mit Russland hinauszuzögern, bis sich die kritische politische Lage im Nahen Osten und Nordafrika entspannt.

Auch Südkorea wird attraktiver

Auch auf Südkorea könnte Gazprom künftig noch stärker setzen. Im Jahr 2010 kaufte das Land 43 Milliarden Kubikmeter Gas ein. Weniger als zehn Prozent davon hat Russland geliefert. "Der Bau einer Rohrleitung nach Russland würde sich sehr für Südkorea lohnen. Denn dadurch könnte das Land seine Gaskosten verringern und sich mit Gazprom einen langfristigen Partner sichern", sagt 'Investcafe'-Experte Grigorij Brig.

Für Gazprom wäre so ein Abkommen ebenfalls gewinnbringend. Wenn der Konzern seinen Anteil am koreanischen Gasmarkt von zehn auf 30 Prozent steigern könnte, wäre Südkorea von der Kaufmenge her mit Italien vergleichbar, das 2010 der zweitgrößte Kunde für russisches Gas in Europa war.

Allerdings gebe es hier noch ein großes Hindernis: Die politischen Spannungen zwischen Süd- und Nordkorea blockierten den Bau einer direkten Pipeline, meint Analyst Grigorij Brig. "Solange Südkoreas Energiebedarf befriedigt ist, wird es bestimmt schwierig sein, Seoul zu überreden, sich von Nordkorea abhängig zu machen", sagt der Experte. Doch solange es eine Pipeline durch Nordkorea nach Südkorea nicht gebe, könnte eine größere Mange von Flüssiggas aus Russland nach Südkorea transportiert werden. Eine Anlage dafür könnte in Wladiwostok entstehen.

Autorinnen: Jewlalia Samedowa/Xenia Polska
Redaktion: Bernd Johann/tko