Russland will in Afrika wieder mitreden | Afrika | DW | 07.03.2018
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Afrika

Russland will in Afrika wieder mitreden

Fünf Tage ist Russlands Außenminister Sergej Lawrow in Afrika unterwegs. Auf den Spuren alter sowjetischer Verbindungen geht es dabei vor allem um mehr wirtschaftliche Zusammenarbeit und um Rohstoffe. Aber nicht nur.

Russlands Außenminister Sergei Lawrow mit Namibias Präsident Hage Geingob (imago/ITAR-TASS/A. Shcherbak)

Russlands Außenminister Sergej Lawrow (links) in Namibia

Den Auftakt seiner Afrikareise machte Russlands Außenminister Sergej Lawrow am Montag in Angola. Nach Gesprächen mit Präsident Joao Lourenco und seinem angolanischen Amtskollegen Manuel Domingos Augusto betonte er die langjährigen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Geht es nach Lawrow, dann soll die Zusammenarbeit  wieder enger werden. Dazu gehören für ihn Bereiche wie Bildung, Energie oder die militärischen Zusammenarbeit.

"Wir halten daran fest, dass afrikanische Probleme afrikanische Lösungen brauchen", sagte der russische Chefdiplomat bei einer Pressekonferenz in der angolanischen Hauptstadt. "Die internationale Gemeinschaft sollte die Entscheidung der Afrikaner respektieren, wie ein Konflikt zu beenden ist, und sie moralisch, politisch und finanziell dabei unterstützen, Personal für Friedensmissionen auszubilden. Russland hat sich daran aktiv beteiligt."

Ohne Afrika geht es nicht mehr

Damit hatte Lawrow auch den Ton für die übrigen Stationen seiner Reise angegeben. Namibia, Mosambik, Simbabwe und Äthiopien will er neben Angola diese Woche noch besuchen.  Bei der Afrika-Visite des Ministers gehe es um nicht weniger als eine Rückkehr Russlands nach Afrika, sagt Jewgenij Korendjasow. Der Ex-Diplomat war einst sowjetischer Botschafter in Burkina Faso und dann russischer Vertreter in Mali. Heute leitet er das Zentrum zur Erforschung der russisch-afrikanischen Beziehungen an der Akademie der Wissenschaften in Moskau.

Außenminister Lawrow beim Besuch einer Gedenkstätte in Angola (imago/ITAR-TASS/A. Shcherbak)

In Angola beschwor Russlands Außenminister die historischen Bindungen beider Länder

"Afrika ist ein Kontinent, der sich sehr schnell entwickelt", sagt Korendjasow im DW-Interview. "Seine politische und wirtschaftliche Bedeutung nimmt zu." Durch die Verschiebungen im globalen Kräfteverhältnis ergebe sich ein Wettbewerb neuer Partner auf dem Kontinent. "Ohne Afrika lässt sich keine Antwort auf die drängenden Probleme des neuen Jahrhunderts wie den Klimawandel, den Terrorismus oder die transnationale Kriminalität finden."

Auf historischen Pfaden

Insbesondere geht es Russland darum, die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen mit Afrika auszubauen. Bodenschätze spielen dabei eine wichtige Rolle. Der russische Rohstoffbedarf sei weit größer als die eigene Produktion, sagt Korendjasow: Das Metall Mangan müsse beispielsweise komplett importiert werden, Chrom zu achtzig Prozent.  Auch den Uranbedarf könne Russland nicht mit seinen eigenen Reserven decken. Es ist daher kein Zufall, dass Lawrow ausgerecht vier Länder in Afrikas rohstoffreichen Süden besucht. Namibia etwa ist dabei, zum drittgrößten Uranproduzenten weltweit zu werden. In Mosambik will sich das russische Unternehmen Rosneft an der Offshore-Ölförderung beteiligen.

Doch die Wahl der Länder folgt noch einem weiteren Muster: Lawrow bewegt sich auf historischen Pfaden. Zu Zeiten des Kalten Krieges war Moskau ein wichtiger Partner vieler junger afrikanischer Staaten. Die Sowjetunion unterstützte viele Unabhängigkeitsbewegungen. Darunter die SWAPO in Namibia, die heute Regierungspartei ist. Diese alten Gemeinsamkeiten wird der Außenminister bei seinen Visiten diese Woche nicht müde zu beschwören. Da passt es ins Bild, dass er sich - wie am Dienstag in Namibia - hinter die Forderungen der Afrikanischen Union stellt und für Afrika einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat fordert.

Kämpfer der MPLA beraten 1969 über einen Angriffsplan (Archivbild) (picture-alliance/dpa)

Die Sowjetunion unterstützte zahlreiche Befreiungsbewegungen wie die MPLA in Angola

"Die Errungenschaften der sowjetischen Epoche lassen sich nicht kleinreden", sagt Korendjasow. Vielmehr wolle man auf die Erfahrungen aus dieser Zeit bauen. Angola, Namibia, Mosambik, Simbabwe, Äthiopien: Für den russischen Afrika-Experten Korendjasow sind das die "Big five" auf  dem Kontinent.

Russland und Äthiopien: 120 Jahre verbunden

Letzte Station der Lawrow-Reise wird Ende der Woche Äthiopien sein. Das Land ist Russlands ältester Partner in Afrika. Die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Staaten existieren bereits seit 120 Jahren. Beide Länder feiern das Jubiläum mit einer Reihe von Veranstaltungen und gegenseitigen Besuchen. Rund 20.000 Äthiopier haben in der ehemaligen Sowjetunion und der Russischen Föderation studiert, schätzt Grum Abay, Äthiopiens Botschafter in Russland.

An Lawrows Besuch knüpft er hohe Erwartungen. Unter anderen hofft er auf Direktflüge zwischen beiden Ländern: "Wir glauben, dass die Verhandlungen über den Luftverkehr zwischen Äthiopien und Russland in kurzer Zeit abgeschlossen sein werden", so  Abay im DW-Gespräch. "Dann können wir den Blumenhandel im großem Stil ausbauen. Nicht nur Blumen, sondern sämtliche äthiopische Exportartikel werden wir dann in Russland auf den Markt bringen."

Für Aufsehen sorgt vorab vor allem die Aussicht auf ein Treffen Lawrows mit seinem US-amerikanischen Amtskollegen Rex Tillerson, der am Mittwoch in Äthiopien eingetroffen ist. Der zeitgleiche Besuch der beiden Chefdiplomaten sei aber kein Machtspiel der beiden Länder, sagt Afrikakenner Korendjasow. Man werde sich in Äthiopien sicher zum gemeinsamen Vorgehen im Kampf gegen Terrorismus und Armut in Afrika austauschen, sagt er. Und vermutlich werde es auch um bilaterale Fragen gehen.

Mitarbeit: Azeb-Tadesse Hahn, Kossivi Tiassou

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