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Fokus Osteuropa

Russland will Gaspreis für Armenien verdoppeln

Armenien gilt als treuer Verbündeter Russlands. Dennoch verlangt Moskau in Zukunft mehr Geld für Erdgas – oder die Kontrolle über armenische Leitungen. Im Land wächst das Unverständnis gegenüber dem russischen Partner.

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Russen wollen Kontrolle über Erdgas-Leitungen

Armenien erhält russisches Erdgas zum günstigen Preis von 55 US-Dollar pro 1000 Kubikmeter. Dieser Preis gilt aber nur noch bis zum 1. April 2006. Danach will Russland den Preis auf 110 US-Dollar pro 1000 Kubikmeter Erdgas anheben. Zu diesem Preis erhalten bereits Georgien und Aserbaidschan russisches Erdgas. Wenn man die Kosten für den Transit durch Georgien, die um das Fünffache gestiegen sind, hinzurechnet, dann kann man absehen, welche Folgen die Preiserhöhung für die Wirtschaft des nicht gerade reichen Armeniens haben wird.

Meinungswandel in Armenien

Das Erdgas-Problem beschäftigt auch die armenischen Bürger. Das zeigen Meinungsumfragen, die am 18. Januar veröffentlicht wurden. Wenn Russland den Preis für an Armenien geliefertes Gas erhöht, dann werden 75 Prozent der Befragten ihre Haltung gegenüber Russland ändern, so das Ergebnis einer Umfrage des Armenischen Zentrums für Gesellschaftsreformen. Etwa 84 Prozent der Befragten sehen in Russland weiterhin ein befreundetes Land. Etwa genau so viele Menschen glauben nicht, dass Russland den Gaspreis für Armenien, seinen treuen strategischen Partner in der Region, erhöhen wird.

Moskau fordert Gasleitungen

Moskau erklärte, es sei dazu bereit, auch weiterhin zum alten Preis Erdgas an Armenien zu liefern – aber nur, wenn Jerewan den 5. Energieblock eines der größten Wärmekraftwerke des Landes sowie das gesamte armenische Erdgasleitungs-Netz in russisches Eigentum überträgt. Diesen Preis hält man in Jerewan für inakzeptabel. Fast das gesamte Energienetz Armeniens wird ohnehin schon heute von Russland kontrolliert.

Jerewan lehnt Kredit ab

Die armenische Regierung wies auch den Vorschlag Moskaus zurück, einen Kredit als Ausgleich für die gestiegenen Gaspreise zu nehmen. Der armenische Premierminister Andranik Markarjan erklärte, wenn in Armenien der Bedarf an Krediten entstehen sollte, dann könne das Land diese zu günstigeren Bedingungen bei westlichen Partnern oder internationalen Organisationen erhalten.

Armenier zunehmend enttäuscht

Die Haltung der armenischen Öffentlichkeit gegenüber Russland ändere sich, und das sei abzusehen gewesen. Die Enttäuschung über die russische Politik gegenüber seinem Verbündeten nehme in Armenien zu, sagte der Deutschen Welle der Vorsitzende des armenischen Politologen-Verbandes, Amojak Oganesjan. Wenn Russland die Preise erhöhen werde, müsse man den Begriff „strategische Partnerschaft“ präzisieren, betonte Oganesjan.

Aschot Gasasjan, Jerewan

DW-RADIO/Russisch, 18.1.2006, Fokus Ost-Südost