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Aktuell Europa

Russland will Ergebnis der Ukraine-Wahl respektieren

Beim Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg teilt Kremlchef Putin gegen den Westen aus. In der Ukraine habe es einen Putsch gegeben, unterstützt von den USA. Das Ergebnis der Präsidentenwahl will er dennoch "respektieren".

Kurz vor der Präsidentenwahl in der Ukraine an diesem Sonntag hat Russlands Präsident Wladimir Putin die Lage in der ehemaligen Sowjetrepublik mit einem Bürgerkrieg verglichen. Die Ukraine-Krise sei entstanden, nachdem der damalige Präsident Viktor Janukowitsch die Unterzeichnung eines Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Union verschoben habe, sagte Putin bei einer Rede vor Unternehmern beim Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg. "Darauf folgte ein Putsch, der durch unsere amerikanischen Freunde unterstützt wurde. Das Ergebnis ist Chaos und ein echter Bürgerkrieg". Russlands größte Sorge sei, dass die Ukraine der NATO beitreten könnte, fügte er hinzu. Dann könnten dort schon bald Teile der US-Raketenabwehr stationiert werden.

Bumerang-Effekt der Sanktionen

Dennoch werde Russland die Ukraine-Wahl "respektieren", so der Kremlchef. "Wir verhalten uns mit Respekt zur Wahl des ukrainischen Volkes". Er sprach aber nicht von einer "Anerkennung" der Wahl.

Putin bekräftigte seine indirekte Drohung an den Westen, dass Sanktionen gegen Russland einen Bumerang-Effekt haben würden. Das Streben der USA nach einer unipolaren Weltordnung sei gescheitert. Zugleich lobte der Präsident die Vertreter europäischer Firmen für ihren "pragmatischeren" Umgang mit Russland. Zahlreiche europäische Unternehmenschefs und Wirtschaftsverbände hatten vor Sanktionen gegen Russland gewarnt, weil ihre Firmen auf dem russischen Markt deutlich stärker vertreten sind als ihre US-Konkurrenten. Zudem bezieht Europa rund ein Drittel seiner Öl- und Gasvorräte aus Russland.

Erneut Tote im Osten der Ukraine

Unterdessen sind im Osten der Ukraine bei Kämpfen zwischen Regierungseinheiten und prorussischen Separatisten erneut mehrere Menschen ums Leben gekommen. Bei Gefechten im Raum Luhansk seien mindestens zwei Soldaten getötet und sieben verwundet worden, teilten die Behörden in Kiew mit. Bei Karlowka rund 30 Kilometer nordwestlich von Donezk starb mindestens ein Soldat, neun Armeeangehörige wurden angeschossen. Nach Angaben von Augenzeugen soll es auch in Reihen der militanten Aktivisten zahlreiche Tote und Verletzte gegeben haben.

Interimspräsident Alexander Turtschinow rief seine Landsleute trotz der instabilen Lage zur regen Teilnahme an der Abstimmung am Sonntag auf. "Die Zukunft der Ukraine hängt von der Haltung eines jeden von uns ab!", hieß es in einer Mitteilung. "Mit der Wahl vollenden wir die Bildung einer verantwortungsvollen, legitimen Regierung", betonte Turtschinow, der selbst nicht kandidiert.

Poroschenko in Umfragen vorn

Bei der Abstimmung am Sonntag gilt der schwerreiche Unternehmer Petro Poroschenko als haushoher Favorit. Nach jüngsten Umfragen dürfte er im ersten Wahlgang mit etwa 44 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit aber verfehlen. Somit müsste er am 15. Juni bei einer Stichwahl antreten.

Zwei von der Europäischen Union unterstützte ukrainische Meinungsforschungsinstitute sehen die anderen Kandidaten weit abgeschlagen hinter dem "Schokoladenbaron". Für die frühere Ministerpräsidentin Julia Timoschenko und Ex-Verteidigungsminister Anatoli Grizenko werden Werte deutlich unter zehn Prozent vorhergesagt, für den ehemaligen Zentralbanker Sergej Tigipko noch weniger.

Der Unternehmer Poroschenko hatte sich als einziger Oligarch des Landes von Beginn an offen hinter die proeuropäische Maidan-Bewegung gestellt und war ihr wichtigster Geldgeber.

cr/kle (afp, dpa, rtr)