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Fokus Osteuropa

Russland und Ukraine: Tauziehen um turkmenisches Erdgas

Sowohl die Ukraine als auch Russland wollen Erdgas aus Turkmenistan beziehen. Beide Länder haben Abkommen mit Aschgabad. Aber die Kapazitäten der Pipelines von Turkmenistan über Russland bis zur Ukraine sind begrenzt.

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Beide Seiten setzen auf Gas aus Turkmenistan

Turkmenische Erdgaslieferungen sind für die Ukraine von großer Bedeutung Aber die Verhandlungen zwischen Kiew und Aschgabad verlaufen schwierig. Am Dienstag (2.1.) erklärte das Vorstandsmitglied der ukrainischen Energiegesellschaft Naftogas Ukrajiny, Mykola Hontscharuk, die Ukraine habe das Recht, täglich 126 Millionen Kubikmeter Erdgas aus Zentralasien zu beziehen. Damals fügte er hinzu: „Wir entnehmen etwa 100 bis 110. Alles hängt von den klimatischen Bedingungen ab. Wenn die Temperatur auf minus zehn Grad sinkt, dann wird die Ukraine zur Sicherung ihres Bedarfs weitere 40 Millionen Kubikmeter entnehmen müssen - dann wird die Ukraine gezwungen sein, russisches Erdgas zu entnehmen.“ Aus Hontscharuks Worten geht hervor, dass der reale Bedarf der Ukraine an russischem Erdgas für eigene Zwecke nicht so groß ist. Viel größer ist die Abhängigkeit von zentralasiatischen Partnern, in erster Linie von Turkmenistan. Doch Aschgabad hat auch langfristige Erdgas-Verpflichtungen gegenüber Moskau.

Wem gehört welches Gas?

Im Gasstreit zwischen der Ukraine und Russland wurde das turkmenische Erdgas zu einem wichtigen Faktor. Kiew einigte sich mit Aschgabad über die Lieferung von 40 Milliarden Kubikmeter Erdgas für dieses Jahr. Die Ukraine teilte mit, sie erhalte jenes Erdgas seit dem Neujahrstag. Moskau wies dies zurück und bestand darauf, das gesamte Erdgas gehöre Russland. Deswegen, so Gasprom, gebe es allen Grund, der Ukraine Diebstahl russischen Erdgases vorzuwerfen. Auch Wolfgang Putschek von der österreichisch-russischen Gesellschaft RosUkrEnergo, die turkmenisches Erdgas an die Ukraine liefert, erklärte, die Versorgung der Ukraine mit turkmenischem Erdgas sei gestoppt worden. Dies führte er auf Druck seitens Gasprom zurück. Gasprom teilte mit, der Grund für den Stopp der Lieferungen turkmenischen Erdgases seien fehlende Transportkapazitäten für gleichzeitige Lieferungen aus Turkmenistan an Russland und die Ukraine.

Gleichzeitig erklärte aber der ukrainische Energieminister Iwan Platschkow, die Ukraine erhalte Erdgas aus Turkmenistan. Er betonte: „In der Ukraine wird kein Erdgas illegal entnommen. Die Ukraine nutzt nur Gas aus eigener Förderung, aus Gasspeichern und gemäß dem unterzeichneten Abkommen über turkmenisches Gas.“ Auch aus der Gesellschaft Naftogas Ukrajiny verlautete, die Ukraine habe das Recht, turkmenisches Erdgas zu erhalten. Naftogas-Pressesprecher Eduard Sanjuk sagte, das Gas aus Turkmenistan brauche 36 Stunden, bis es über die Pipelines die Ukraine erreiche. Deswegen habe die Ukraine am 1. Januar, als Gasprom Kiew Gasdiebstahl vorgeworfen habe, turkmenisches Erdgas aus dem Vertrag für das Jahr 2005 erhalten. Sanjuk wies die Erklärung von Gasprom zurück, wonach kein turkmenisches Erdgas die Ukraine erreicht haben könne, da dieses sich bereits in russischem Besitz befunden habe.

Mehr, als die Pipelines schaffen können

Jurij Bojko, der unter Präsident Leonid Kutschma die Gesellschaft Naftogas Ukrajiny leitete, schließt nicht aus, dass die vor Neujahr erzielte Vereinbarung über zusätzliche Lieferungen turkmenischen Erdgases an Russland zu Problemen bei dessen Transit durch Usbekistan und Kasachstan führen wird. Er erinnerte daran, dass Turkmenistan sein Erdgas nur bis zur Grenze zu Usbekistan verkauft. Danach sei es Sache des Käuferlandes, sich um den weiteren Transport des Gases bis zu seinem Territorium zu kümmern. Bojko zufolge sieht die Lage wie folgt aus: Wenn 40 Milliarden Kubikmeter Erdgas an die Ukraine und weitere 30 Milliarden an Gasprom verkauft wurden, dann reichen dafür die Transportkapazitäten aus Turkmenistan über Usbekistan, Kasachstan und Russland bis an die ukrainische Grenze nicht aus, denn sie schaffen nur 40 Milliarden Kubikmeter. Gerade dies, so Bojko, führe zu dem Interessenkonflikt zwischen Moskau und Kiew.

V. Volkov, D. Brjanzewa, O. Sawyzkyj

DW-RADIO/Russisch, 3.1.2006, Fokus Ost-Südost