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Europa

Russland stoppt Getreide-Export

Wegen der Hitze- und Brandkatastrophe in Russland verbietet Moskau den Export von Getreide bis zum Jahresende. Die Folgen dürften weltweit zu spüren sein: Die Verbraucher müssen mit höheren Brotpreisen rechnen.

Waldbrände (Foto: AP)

Das Feuer zerstört auch Getreidefelder

Die Waldbrände und die Dürre in Russland treffen nun auch die Landwirtschaft. Mindestens 20 Prozent der Getreide-Aussaat sind verbrannt oder vertrocknet, es wird mit Ernteausfällen von mindestens 20 Millionen Tonnen gerechnet. Die russische Regierung stoppt deshalb den Export von Getreide. Das Ausfuhrverbot für Weizen, Gerste, Roggen und Mais beginnt am 15. August und gilt zunächst bis zum 31. Dezember.

Nur so könnten die heimischen Lebensmittelpreise stabil gehalten werden, begründete der russische Ministerpräsident Wladimir Putin am Donnerstag (05.08.2010) die Maßnahme. "Wir müssen einen Anstieg der heimischen Lebensmittelpreise verhindern, wir müssen den Viehbestand erhalten und Reserven für das nächste Jahr aufbauen", sagte Putin. Die Preise für Lebensmittel sind wegen der Dürre und der Brandkatastrophe bereits um 15 Prozent gestiegen.

Weltweite Folgen

Putin und Feuerwehrleute (Foto: AP)

Putin will die Lebensmittelpreise stabil halten

Russland ist einer der größten Getreideexporteure der Welt und wollte dieses Jahr eigentlich 15 Millionen Tonnen Getreide ausführen. An der Börse in Chicago stieg der Weizenpreis nach Bekanntgabe des Exportstopps um 8,3 Prozent. Experten rechnen mit einem höheren Brotpreis vor allem im Nahen Osten, Afrika und Teilen Asiens.

Aber auch die Verbraucher in Europa und den USA müssen sich wohl auf leichte Preissteigerungen bei Brot und Getreide gefasst machen. Profitieren von dem Ausfall der russischen Getreideexporte könnten allerdings die Bauern in den USA, Argentinien und Australien. In der Europäischen Union und in Kanada wird dagegen in diesem Jahr ohnehin keine große Ernte erwartet.

Die Hitze hält an

Vermummte (Foto: AP)

Bis in die Hauptstadt Moskau zieht der Rauch

Hunderttausende Rettungskräfte kämpfen in Russland unterdessen weiter gegen das Flammenmeer. Die Zahl der Toten ist am Donnerstag um 2 auf 50 gestiegen. Tausende Menschen sind obdachlos, Hilfsorganisationen fürchten, dass es noch weit mehr Opfer gibt als bislang bekannt. Begünstigt werden die Brände durch eine extreme Trockenheit, wie sie in Russland seit mehr als 130 Jahren nicht registriert wurde. Und die hohen Temperaturen halten an, Regen ist nicht in Sicht.

Der russische Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu warnte zudem, dass die Waldbrände in der Region Briansk radioaktive Strahlung freisetzen könnten. Die 400 Kilometer südwestlich von Moskau gelegene Gegend ist seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 radioaktiv verseucht. Die Hitze könne dazu führen, dass Radionuklide in die Atmosphäre entweichen. Auf diese Weise könne "eine neue verstrahlte Zone entstehen", sagte Schoigu am Donnerstag im staatlichen Fernsehen.

Autor: Dirk Eckert (apn, dpa, rtr)

Redaktion: Susanne Eickenfonder

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