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Wirtschaft

Russland stoppt Gaslieferungen an europäische Länder

Im Gasstreit mit der Ukraine hat Russland seine Lieferungen drastisch gekürzt. Bulgarien, Kroatien, die Türkei, Griechenland und Mazedonien erhalten kein Gas mehr. Auch Deutschland soll ab heute betroffen sein.

Gaspipeline in Russland (dpa)

Gaspipeline in Russland

Die Belieferung der drei letztgenannten Länder erfolgt über Transitleitungen in Bulgarien. Der Vorstandschef des Pipeline-Betreibers Bulgargaz, Dimitar Gogov, sagte, man bemühe sich, die Gründe für den Lieferstopp von Dienstag (06.01.09) zu erfahren. Bulgariens Regierungschef Sergej Stanischew berief das Kabinett zu einer Dringlichkeitssitzung ein.

Rumänien bekommt zwei Drittel weniger Gas aus Russland, in Österreich kommen nach Angaben des Energiekonzerns OMV nur noch zehn Prozent der üblichen Menge an. OMV muss deshalb seine eigenen Gasreserven anzapfen. Die Versorgung des Landes sei vorerst aber weiter gesichert. Der österreichische Konzern betreibt zusammen mit dem russischen Staatsunternehmen Gazprom eines der größten Gasverteilungszentren in Europa. Von dort aus wird auch Gas nach Deutschland geliefert.

Im Streit um unbezahlte Gas-Rechnungen und neue Lieferbedingungen mit der politischen Führung in Kiew hatte Russlands Regierungschef Wladimir Putin am Montag angeordnet, die Menge des über die Ukraine gepumpten Erdgases weiter zu verringern. Russland wirft der Ukraine vor, für Kunden in Europa bestimmtes Gas abzuzweigen. Der Kreml will die bisher relativ niedrigen Preise für die Ukraine an übliches Marktniveau angleichen.

Russland kürzt Lieferungen um zwei Drittel

Nach Angaben des ukrainischen Gasunternehmens Naftogaz lieferte der russische Gasmonopolist Gazprom am Dienstag nur 92 Millionen Kubikmeter Erdgas für Europa. Am Montag waren es noch 221 Millionen und an den Tagen zuvor 300 Millionen Kubikmeter.

Erste Ausfälle auch in Deutschland

Bei Wingas und dem größten Importeur E.ON Ruhrgas gab es einen Druckabfall. E.ON rechnet noch im Tagesverlauf mit einem völligen Ausfall der russischen Lieferungen über die Ukraine. Ein Unternehmenssprecher warnte in einer Pressekonferenz in Essen vor Engpässen, falls die Lieferkürzungen und eisigen Temperaturen anhielten. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums beruhigte, die nationale Versorgung sei nach wie vor gesichert.

Foto von Gazprom-Vize-Chef Alexander Medwedew (ap)

Gazprom-Vize-Chef Medwedew (Archivbild)

In Berlin spricht heute der Vize-Chef von Gazprom, Alexander Medwedew, mit Wirtschaftsminister Michael Glos, der den russischen Konzern an seine Lieferverpflichtungen erinnern will. Medwedew kommt auch mit einer EU-Delegation zusammen.

EU ist empört

"Diese Situation ist inakzeptabel", kritisierten die EU-Kommission und die tschechische Ratspräsidentschaft in einer gemeinsamen Erklärung. Der Schritt sei ohne vorherige Warnung und in klarem Widerspruch zu den Zusicherungen der höchsten Verantwortlichen in Russland und der Ukraine erfolgt. In Kiew war gestern eine ranghohe EU-Abordnung eingetroffen, um mit Vertretern der ukrainischen Seite über die Zuspitzung des Konflikts zu beraten. (se)

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