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Fokus Osteuropa

Russland: Rassismus unter Fußball-Fans

Russische Fußball-Fans haben in den vergangenen Jahren wiederholt mit fremdenfeindlichen Aktionen in Stadien auf sich aufmerksam gemacht. Weder Fußball-Verband noch Vereine greifen wirklich durch.

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Nicht alle Fans bleiben friedlich

Für das bisher größte Aufsehen im russischen Fußball sorgte ein rassistischer Zwischenfall aus dem Jahre 2007, als bei einem Auswärtsspiel in Samara Fans des Klubs Spartak Moskau auf der Zuschauertribüne ein Transparent entrollten. Zu sehen waren rassistische Beleidigungen gegen den aus Brasilien stammenden Spartak-Spieler Soares Morais Wellington. Spartak hatte den Zwischenfall von Samara zwar verurteilt, aber Fotos des Transparents erschienen auf Internetseiten von Fußball-Fans und nationalistischer Organisationen.

Im April 2009 entrollten wieder Spartak-Anhänger bei einem Spiel gegen Rubin Kasan ein Transparent, das dem 120. Geburtstag Hitlers gewidmet war: "Herzlichen Glückwunsch, Opa!", umkränzt von Hakenkreuzen. Eine Woche zuvor wurde der Klub Spartak Moskau zu einer Geldstrafe von 500.000 Rubel verurteilt, weil Anhänger von Spartak während eines Spiels gegen den Fußball-Klub aus Naltschik in Kabardino-Balkarien beleidigende Transparente gezeigt hatten.

Berühmt-berüchtigter Klub Zenit

Neben den Anhängern von Spartak Moskau sind für ihre nazistischen Umtriebe auch die Fans des Petersburger Klubs Zenit bekannt. Anfang des Jahres 2009 wurde publik, dass der Klub beabsichtige, einen dunkelhäutigen Spieler zu verpflichten, worauf Rassisten eine Kampagne mit dem Motto "Unter den Farben von Zenit gibt es kein Schwarz" lostraten. 2008 beleidigten Fans des Petersburger Klubs den dunkelhäutigen Spieler des französischen Klubs Marseille, Ronald Zubar. Zenit ist nach wie vor der einzige Klub der Premier-Liga, dem noch kein dunkelhäutiger Spieler angehörte. Die Leitung des Klubs beeilt sich stets zu versichern, dass das nicht auf eine gezielte Vereinspolitik zurückzuführen sei.

Viele Experten betonen, man müsse zwischen den friedlichen Fans und den intoleranten Fans unterscheiden. Walentina Usunowa, Mitarbeiterin des Petersburger Museums für Ethnografie, versucht, die Mechanismen zu erklären: Es gebe gar nicht so viele rassistisch eingestellte Fans, allerdings springe deren Aggressivität im Station schnell auf die anderen Zuschauer über. Offenbar sei die Krankheit Fremdenfeindlichkeit tatsächlich ansteckend. Schlimmer noch: Der Virus namens Rassismus werde gezielt verbreitet, so Usunowa.

Straflosigkeit als Nährboden

Auf einer inoffiziellen Spartak-Fanseite im Internet gibt es sogar ein verabscheuungswürdiges Glossar mit Begriffen wie "genetischer Müll", den die vorgeblichen Fans mit "Menschen zweifelhafter Nationalität" dechiffrieren. Im Glossar finden sich weitere Begrifflichkeiten mit rassistischem sowie gewaltverherrlichendem Hintergrund. Der Führung des Russischen Fußball-Verbands ist dies alles bekannt, dennoch wird nichts gegen solche Internetseiten unternommen. Auf eine Anfrage der Deutschen Welle um eine Stellungnahme reagierte der Russische Fußball-Verband mit Schweigen.

Einer der Gründe, warum fremdenfeindliche Ideen unter Fußball-Fans Verbreitung finden, ist die Tatsache, dass die Behörden nichts gegen die Urheber unternehmen. Das meint Galina Koschewnikowa vom Moskauer SOVA-Zentrum, das den Rechtsextremismus in Russland analysiert. "Während auf internationaler Ebene Rassismus im Fußball sehr hart bestraft wird, werden in Russland wegen rassistischer Aktionen ihrer Fans nur vereinzelt Geldstrafen gegen Fußball-Klubs verhängt. Bislang gibt es keine wirksamen Maßnahmen, die rassistische Fans zu spüren bekommen würden", sagte die Expertin.

Ende Dezember 2008 wurden in Moskau drei Fußball-Fans wegen einer neonazistischen Aktion verurteilt. Das Gericht verurteilte einen Fan zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr - auf Bewährung! Die beiden anderen erhielten nach Angaben lediglich sechs Monate - ebenfalls auf Bewährung. Erst vor wenigen Tagen verhängte ein Gericht eine weitere Strafe gegen einen Fußball-Fan – auf Bewährung!

Autor: Jegor Winogradow / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Birgit Görtz

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