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Fokus Osteuropa

Russland: Neuer Kurs mit neuem Patriarchen?

Medienprofi, begnadeter Rhetoriker, Reformer? Eigenschaften, die dem neuen Patriarchen von Moskau, Kyrill, nachgesagt werden. Er gilt als Vordenker des reformorientierten Kirchenflügels. Doch wer ist er wirklich?

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Russlands neuer Patriarch Kyrill

In Russland und im Ausland wird die Wahl des Metropoliten Kyrill von Smolensk und Kaliningrad zum Patriarchen der Russischen Orthodoxen Kirche unterschiedlich bewertet. Die einen bezeichnen den 62jährigen Kyrill als gewandten Redner und Medienprofi. Seit 1994 hat er eine eigene sonntägliche Fernsehsendung. Auch war der Metropolit wiederholt Gast in TV-Talkshows. Andere erinnern daran, dass Kyrill in der Vergangenheit stets westliche Vorstellungen über Menschenrechte abgelehnt habe.

Der Berliner Politologe Alexander Rahr kennt Kyrill persönlich. Er sei im Westen als „Außenminister des russischen Patriarchats“ bekannt. Rahr hebt im Gespräch mit der Deutschen Welle hervor, dass sich Kyrill vor allem für die Einheit der Russischen Orthodoxen Kirche eingesetzt habe: „Das Moskauer Patriarchat und die Russische Orthodoxe Auslandskirche haben sich vereinigt. Ich denke, dass Patriarch Kyrill, der Metropolit war, dabei eine große Rolle gespielt hat.“

Besonderes Verhältnis zu Deutschland

Rahr geht davon aus, dass der neue Patriarch zu einer Vertiefung der deutsch-russischen Beziehungen beitragen wird. Er verstehe, dass Berlin für die kulturellen und religiösen Beziehungen zu Russland ein sehr wichtiger Ort sei. Oft habe Kyrill am „Petersburger Dialog“ teilgenommen. Das Diskussionsforum hat zum Ziel, die Verständigung zwischen Deutschland und Russland zu fördern.

Kyrill und Bundeskanzlerin Angela Merkel kennen sich Rahr zufolge persönlich. „Sie vertraut ihm in vielerlei Hinsicht. Mehrfach hat sie mit ihm politische Diskussionen über die Zukunft Russlands und die Aussichten der deutsch-russischen Beziehungen gesprochen“, berichtet der Russlandexperte. Insgesamt werden sich nach Rahrs Ansicht die Beziehungen zum Westen unter dem neuen Patriarchen verbessern. Möglicherweise werde es unter Kyrill sogar zum historischen Treffen zwischen dem Moskauer Patriarchen und dem Papst kommen.

Kyrill und Benedikt kennen sich seit langem

Unter den ersten, die auf die Wahl des neuen Patriarchen der Russischen Orthodoxen Kirche reagierten, war der Vatikan. Dessen Sprecher Federico Lombardi erklärte, der Vatikan sei „froh“ über die Wahl Kyrills. Der Papst hoffe auf die Fortsetzung der ökumenischen Beziehungen zwischen Orthodoxen und Katholiken.

Der Vatikan wies darauf hin, dass es bereits mehrfach Kontakte zwischen dem heutigen Papst Benedikt XVI. und Kyrill gegeben habe. Als der Deutsche noch Theologie in Regensburg unterrichtete, war Kyrill Dekan der Leningrader Geistlichen Akademie. Seit 1974 kennen sie sich persönlich. Als Metropolit traf Kyrill den heutigen Papst Benedikt XVI. bereits dreimal. Er führte die Delegation der Russischen Orthodoxen Kirche bei der Beisetzung von Papst Johannes II. an. Danach leitete Kyrill die Delegation seiner Kirche bei der Amtseinführung von Papst Benedikt XVI. Bereits zweimal wurde er zu einer Audienz im Vatikan empfangen.

Chance für Dialog zwischen Moskau und Rom?

Dass Kyrill seit längerem bereit ist, einen vorsichtigen Dialog mit Rom über christliche Werte sowie Europa betreffende politische und kulturelle Fragen zu führen, davon ist der Russlandexperte Rahr überzeugt. Allerdings gebe es Hindernisse für diesen Dialog, Dogmen, die dies nicht erlaubten. Dies könnten weder der Papst noch der Patriarch beeinflussen. „Deswegen wird dies nicht gleich in Gang kommen“, so Rahr. „Das Wichtigste ist, dass die Spitze der Russischen Orthodoxen Kirche dies nicht von Anfang an ablehnt. Meiner Einschätzung nach ist gerade unter dem Patriarchen Kyrill ein solcher Dialog möglich“, sagte der Experte.

Nikita Jolkver, Aleksej Bukalow