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Fokus Osteuropa

Russland: Neue Listen zu deutschen Kriegsgefangenen aufgetaucht

In Geheimdokumenten des russischen Militärarchivs sind Listen gefunden worden, auf denen die Namen von etwa 8000 Soldaten und Offizieren der Wehrmacht stehen, die seit dem Zweiten Weltkrieg als vermisst geführt wurden.

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Deutsche Kriegsgefangene in Russland

Der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes trägt gemeinsam mit dem Russischen Staatlichen Militärarchiv seit Jahren Dokumente über deutsche Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg zusammen und fertigt Kopien der Unterlagen an. Es handelt sich dabei um mehr als drei Millionen Menschen, deren persönliche Akten mehr als ein halbes Jahrhundert lang als "streng geheim" aufbewahrt wurden. Aufgrund der gemeinsamen Arbeit sind Informationen über die Soldaten und Offiziere der Wehrmacht, die in Gefangenschaft ihr Leben verloren und in Deutschland bisher als vermisst geführt wurden, den Angehörigen zugänglich gemacht worden.

Archivare prüfen neuen Fund

Über die Entdeckung neuer Listen hatte die "Thüringer Allgemeine" vor einer Woche berichtet. Im Militärarchiv heißt es, man mache von Zeit zu Zeit immer wieder neue Funde. Im Russischen Staatlichen Militärarchiv wurde die Meldung der deutschen Regionalzeitung am 14. April gegenüber der Deutschen Welle bestätigt. Es seien Unterlagen von Tausenden bislang als vermisst geführter deutscher Kriegsgefangener aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden.

Wladimir Korotajew, stellvertretender Direktor des Militärarchivs, sagte im Gespräch mit der Deutschen Welle, mehrere Seiten von Dokumenten mit Namen deutscher Militärs seien gefunden worden: "Aber es ist noch zu früh, genaueres zu sagen, weil man schauen muss, ob es noch irgendwelche Dokumente gibt, die zu diesen Listen gehören. Wir haben uns bislang nur einige Namen vorgenommen. Es scheint so, dass es sich um bisher nicht bekannte handelt." Schon bald wolle man die Funde genau prüfen, sagte Korotajew. "Im September wollen wir dann die Dokumente der deutschen Seite übergeben", erläuterte der Archivar.

Korotajew betonte, auch wenn die Prüfung der Originalität der Dokumente noch nicht abgeschlossen sei, bezweifle niemand die Authentizität der gefundenen Listen. Die einzelnen Namen müssten aber noch mit den persönlichen Akten verglichen werden, die schon bearbeitet worden seien. "Das ist notwendig, um Wiederholungen zu vermeiden", erklärte der Archivar. Nach ersten Gutachten gehen Experten des Archivs davon aus, dass es sich um Listen mit deutschen Militärs handelt, die bei Stalingrad in Kriegsgefangenschaft ums Leben gekommen waren.

Deutschland bekommt Dokumente

In den vergangenen Jahren hat sich Korotajew zufolge der Umgang mit Informationen über deutsche Kriegsgefangene in Russland verändert. Wenn früher Anfragen aus Deutschland in der Regel nicht beantwortet wurden, kann man heute sowohl in Moskau als auch in Berlin Informationen über Angehörige erhalten, die an den Fronten im Zweiten Weltkrieg gekämpft hatten. Bis zum Herbst 2008 wolle man, so Korotajew, Deutschland eine große Zahl von Dokumenten über im Zweiten Weltkrieg gefangene Soldaten und Offiziere der Wehrmacht übergeben.