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Politik

Russland marschiert in Südossetien ein

Russische Truppen sind in Südossetien eingerückt. Nach der georgischen Militäroffensive in der abtrünnigen Provinz kündigte Russlands Präsident Medwedew eine Bestrafung der Schuldigen an.

Georgische Panzer nahe der südossetischen Grenze, Quelle: dpa

Georgische Panzer nahe der südossetischen Grenze

Reservisten müssen sich in Tiflis versammeln

Reservisten müssen sich in Tiflis versammeln

Russische Truppen sind einem Fernsehbericht zufolge am Freitag (08.08.2008) in Südossetien einmarschiert. Von russischer Seite hätten viele Panzer die Grenze nach Südossetien überschritten, hieß es unter Berufung auf Augenzeugen. Zudem hätten den Angaben zufolge auch Kampfflugzeuge aus Russland Stellungen in Georgien bombardiert. Ob es sich tatsächlich um Einheiten der regulären russischen Armee handelte, war aber weiter unklar.

. Georgische Einheiten hätten sich daraufhin aus der 40 Kilometer von der russischen Grenze entfernten südossetischen Hauptstadt Zchinwali zurückgezogen. Südossetien gehört völkerrechtlich zu Georgien. Es blieb zunächst unklar, ob Russland damit tatsächlich in Georgien einmarschiert ist.

"Gebührend bestraft"

Südossetiens international nicht anerkannter Präsident Eduard Kokojty, Quelle: dpa

Südossetiens international nicht anerkannter Präsident Eduard Kokojty

"Gemäß der Verfassung und der Gesetze bin ich als Präsident der Russischen Föderation verpflichtet, Leben und Würde der russischen Bürger zu schützen, wo auch immer sie leben", sagte Medwedew am Freitag nach Angaben der Agentur Interfax. Welche Schritte Moskau unternehmen will, ließ Medwedew offen. Die meisten Einwohner Südossetiens haben einen russischen Pass. "Wir werden den Tod unserer Landsleute nicht ungesühnt lassen. Die Schuldigen werden gebührend bestraft", sagte der Kremlchef.

Georgien hatte in der Nacht zum Freitag mit einer blutigen Militäroffensive in Südossetien begonnen, um die abtrünnige Provinz zurückzuerobern (siehe Link "Russland kündigt Vergeltung für georgische Militäroffensive an"). Medien hatten von vielen Toten und Verletzten in der Region berichtet.

Südossetische Hauptstadt "praktisch kaputt"

Die Zerstörungen in dem georgischen Ort Gori sollen von russischen Kampfflugzeugen verursacht worden sein, Quelle: dpa

Die Zerstörungen in dem georgischen Ort Gori sollen von russischen Kampfflugzeugen verursacht worden sein

Nach den Worten des Kommandeurs der russischen Friedenstruppen ist die südossetische Hauptstadt Zchinwali fast völlig zerstört. Die Nachrichtenagentur Interfax zitierte Marat Kulachmetow am Freitag mit den Worten: "Als Ergebnis vieler Stunden Beschuss mit schweren Waffen ist die Stadt praktisch kaputt." Mit Unterstützung der Luftwaffe hatten georgische Truppen die Hauptstadt Zchinwali angegriffen. Teile der Stadt seien eingenommen worden, erklärte Präsident Micheil Saakaschwili und ordnete die Mobilisierung von Reservisten an.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) forderte die Einrichtung eines Korridors, um Verletzte aus der Region bergen zu können. "Wir sind sehr besorgt über die humanitäre Lage", sagte die IKRK-Sprecherin Ana Nelson am Freitag in Genf. "Die Rettungskräfte kommen nicht voran, die Krankenhäuser sind überfüllt und chirurgische Operationen müssen auf Krankenhausfluren vorgenommen werden." Die Bevölkerung sei in Keller geflüchtet und von der Außenwelt abgeschnitten, außerdem sei der Strom ausgefallen.

Ende der Kampfhandlungen gefordert

Die Staatengemeinschaft forderte ein Ende der Kampfhandlungen. Die Europäische Kommission rief zu einer sofortigen Waffenruhe auf. Die Brüsseler Behörde forderte, die Feindseligkeiten zu beenden und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Der Europarat warnte vor dem Ausbruch eines richtigen Krieges in der zu Georgien gehörenden Kaukasusregion Südossetien mit zivilen Opfern. Das Land stehe am Rande eines Krieges, der verheerende Konsequenzen für die Menschen in der Region haben würde, erklärte Generalsekretär Terry Davis in Straßburg. Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte zu "größter Besonnenheit und Zurückhaltung". Zudem verlangte Merkel nach Angaben des stellvertretenden Regierungssprechers Thomas Steg den "sofortigen Stopp jeglicher Gewaltanwendung". Auch die USA und die NATO forderten ein Ende der Kämpfe. (stu)

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