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Fokus Osteuropa

Russland möchte Partner des Westens werden

Soldaten aus den USA, Großbritannien, Frankreich und Polen bei der Militärparade auf dem Roten Platz - das war mehr als nur eine Erinnerung an die Anti-Hitler-Koalition aus dem Zweiten Weltkrieg, meint Ingo Mannteufel.

Themenbild Kommentar (Grafik: DW)

Der 9. Mai ist auch 65 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg im postsowjetischen Russland der wichtigste politische Gedenktag und laut Umfragen nach dem Neujahrstag der beliebteste Feiertag in der russischen Bevölkerung. Denn am "Tag des Sieges" gedenken die Russen traditionell dem fürchterlichen Leid, das der von Nazi-Deutschland begonnene Krieg fast jeder Familie in Russland zugefügt hat.

Wieder gewaltige Rüstungsshow

Portrait von Ingo Mannteufel (Foto: DW)

Ingo Mannteufel leitet die Russische Redaktion der Deutschen Welle

Seit Mitte der 1960er-Jahre gehörte eine pompöse Militärparade auf dem Roten Platz zu den Feierlichkeiten. Damit wollte die Kreml-Führung die eigene militärische Stärke und den Supermachtstatus nach innen und außen deutlich machen. Zwar verzichtete der erste Präsident Russlands, Boris Jelzin, für einige Jahre auf die Zurschaustellung russischer Waffentechnik am 9. Mai, doch der jetzige Ministerpräsident Wladimir Putin besann sich in seiner achtjährigen Amtszeit als russischer Präsident wieder auf die Demonstration militärischer Stärke.

Dies ist auch unter Präsident Dmitrij Medwedjew nicht anders: Auch zum diesjährigen 65. Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland zeigten die russischen Streitkräfte in einer gewaltigen Rüstungsshow ihr Waffenarsenal. Von russischen Militär-Jeeps über Anti-Panzer-Hubschrauber bis hin zu mobilen und mit atomaren Sprengköpfen ausgestatteten Interkontinentalraketen war alles dabei. Mal abgesehen davon, dass man angesichts der allgemein konstatierten Probleme der russischen Armee und des militärisch-industriellen Komplexes nicht genau weiß, wie viel echte Stärke und wie viel Fassade dabei war, symbolisierte die Parade den Anspruch Russlands auf die Rolle einer militärisch ernst zu nehmenden Großmacht im 21. Jahrhundert.

Pro-europäische Ergänzungen

Eine US-Einheit marschiert bei der Parade in Moskau (Foto: AP)

Erstmals dabei: Einheiten aus Polen, Frankreich, Großbritannien und den USA

Und doch gab es in der Parade einen neuen und von der russischen Führung um Staatspräsident Medwedjew und Ministerpräsident Putin ganz bewusst inszenierten Teil. Erstmals marschierten Einheiten aus Polen, Frankreich, Großbritannien und den USA mit. Das entspricht nicht nur der historisch korrekten Erinnerung an die Anti-Hitler-Koalition aus dem Zweiten Weltkrieg.

Vielmehr ist die Mitwirkung von NATO-Soldaten bei der Siegesparade ein ganz entscheidendes außenpolitisches Signal: Die russische Staatsführung will damit unterstreichen, dass sie eine politische Annäherung an den Westen und Europa wünscht. In ähnlicher Weise ist zu verstehen, dass zum Abschluss der Parade der letzte Satz der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven erklang, der die Hymne des Europarates und der Europäischen Union ist. Diese pro-westlichen und pro-europäischen Ergänzungen der Siegesparade sind nicht zufällig und stehen im Einklang mit den verbesserten russisch-amerikanischen und auch russisch-polnischen Beziehungen.

In gewisser Hinsicht symbolisierte die russische Parade zum 65. Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland die gegenwärtige außenpolitische Konzeption Russlands: Russland möchte als starke Großmacht Partner des Westens werden. Und das ist gut so - für Russland und für den Westen.

Autor: Ingo Mannteufel
Redaktion: Markian Ostaptschuk/Julia Kuckelkorn

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